Finden Sie nicht , daß ich mich als Bräutigam vorzüglich ausnehme ? Aber wo ist denn Ernst ? Er weiß vermutlich noch nichts , ich muß ihm doch die große Neuigkeit mitteilen . « Treumann , der inzwischen seinen Neffen begrüßt hatte , wendete sich um und zeigte eine höchst ärgerliche Miene . » Ernst ist gar nicht mehr in Gernsbach , « berichtete er . » Er ist wieder einmal unbegreiflich ! Denken Sie nur , eine Viertelstunde von hier begegne ich ihm , allein und zu Fuße . Ich lasse natürlich anhalten und frage ihn – was bekomme ich zur Antwort ? Er sei auf dem Rückwege nach Heilsberg und habe den Wagen für Sie zurückgelassen . Er selbst könne nicht bleiben , müsse schleunigst nach Hause , dringende Geschäfte – und damit läuft er im Sturmschritt davon . Was soll Frau von Maiendorf davon denken , und Sie hat er auch im Stich gelassen . Mein Herr Neffe leistet jetzt wirklich das Möglichste in der Rücksichtslosigkeit ! « Hartmut blickte mit einem etwas boshaften Lächeln auf den ganz ergrimmten alten Herrn . Ernst hatte ihm heut morgen erklärt , daß mit dem heutigen Tage das Geheimnis seiner Autorschaft zu Ende sei auch für Heilsberg , und nun beschloß der Herr Major , sich ein Extravergnügen zu machen . » Das müssen Sie ihm diesmal schon verzeihen , « bemerkte er . » Ernst ist jetzt wirklich sehr in Anspruch genommen , vermutlich hat er Depeschen aus Berlin erhalten . « » Depeschen aus Berlin ? « wiederholte Treumann erstaunt . » Ja , was hat denn Ernst mit Berlin zu thun ? « » Das werden Sie schon erfahren . Die Berliner Abendzeitungen kommen ja wohl morgen früh nach Heilsberg , da wird Ihnen die Geschichte zum Frühstück serviert . Aber eigentlich kann es Ernst nicht verantworten , daß Sie , der leibliche Onkel , es erst nachträglich und durch die Zeitung erfahren . « Jetzt wurde Max auch aufmerksam , der Notar aber schüttelte ratlos den Kopf . » Ich verstehe Sie nicht , Herr Major , « gestand er . » Was ist denn los mit Ernst ? « » Das sollten Sie doch wissen , « spottete Arnold . » Sie sind ja eigens mit Maxl nach dem Goldenen Löwen gegangen , um ihn zu feiern . Das hätten Sie freilich näher haben können , denn er stand gerade vor Ihnen im Garten . Aber Sie kanzelten ihn ab und erklärten , an ihm sei Hopfen und Malz verloren , und gleich darauf ließen Sie ihn unlogischerweise hochleben , den Ritter Sankt Georg , wie Sie sich so schön ausdrückten , den Verfasser von › Hexengold ‹ . « » Das ist doch nicht etwa E – Ernst ? « Der junge Maler stotterte vor Aufregung bei der Frage . » Freilich E – E – Ernst ! « stotterte ihm der Major nach . » Das greift dich wohl an , Maxl ? Ja , du bist jetzt nicht mehr die einzige Berühmtheit in der Familie . – Herr Notar , ich sehe , daß Sie mir noch immer nicht glauben . Nun denn , ich gebe Ihnen mein Wort darauf , der Verfasser von › Hexengold ‹ heißt Ernst Raimar und bekennt sich heut öffentlich dazu . Und nun entschuldigen Sie mich , meine Herren , ich muß zu meiner Braut ! « Er weidete sich noch einige Sekunden an der völligen Fassungslosigkeit der beiden , machte dann kehrt und ging davon . Onkel und Neffe standen sich noch immer wie zwei Salzsäulen gegenüber , endlich fragte der erstere halblaut , mit fast versagender Stimme : » Maxl – Maxl , was sagst du dazu ? « » Es ist nicht wahr ! Es ist wieder eine von den Possen des Majors , « behauptete Maxl , der sich an diese Möglichkeit förmlich zu klammern schien . » Er hat sein Wort darauf gegeben – es ist wahr ! « brach der alte Herr aus , der jetzt zum vollen Begreifen kam . » Und das ist mein Neffe ! Maxl , du mußt heut mit zur Stadt , heut abend ist Sitzung im historischen Verein , und da werde ich eine Rede halten . Meine Herren , werde ich sagen , ich bringe Ihnen eine große Neuigkeit ! Wir haben diesen Verfasser von › Hexengold ‹ gesucht in Berlin , in Steinfeld , überall , alle Welt hat ihn gesucht , und nun ist er da ! Hier aus Heilsberg ist das Gericht ergangen über diese Neustädter und ihren Pascha , mitten unter uns ist er auferstanden , dieser Sankt Georg – und ich bin sein Onkel ! « Es blieb unentschieden , ob der Herr Notar diese letzten Worte als Schlußeffekt seiner Rede leisten wollte , oder ob sie nur seinem augenblicklichen Hochgefühl entstammten , aber er schleuderte sie triumphierend heraus , Max dagegen sprach kein Wort , er war wütend , denn es dämmerte ihm doch das Bewußtsein auf , daß er nun abgesetzt sei als Familiengenie . + + + Ernst Raimar war in der That nach Heilsberg zurückgekehrt und hatte nur eine kurze Nachricht für Arnold zurückgelassen . Er wollte ihn nicht stören in seiner Werbung , aber er konnte es nicht mit ansehen , dies Glück des Freundes , das in derselben Stunde aufkeimte , wo er Abschied nahm von dem seinigen . Er saß jetzt in seinem Arbeitszimmer am Schreibtische , den Kopf in die Hand gestützt . Heute abend war sein Name in aller Mund , da trat er persönlich ein in den heißen Streit des Tages und stellte sich dem Sturme , den er selbst entfesselt hatte ; aber der helle , frohe Kampfesmut , der aus seinen Augen blitzte damals , als er sich dem Freunde entdeckte , war verschwunden . Die alte Düsterheit lag wieder auf seinen Zügen , er wußte jetzt erst ganz und voll , was ihn dieser Kampf