mir und Deiner Mutter ein Geheimniß daraus zu machen ? “ „ Wir fürchteten , daß man uns trennen würde , wenn man unsere Liebe entdeckte , “ sagte Gabriele leise . „ So ! Und was glaubst Du denn , was jetzt geschehen wird ? “ „ Ich weiß es nicht , aber ich bin entschlossen , Georg um jeden Preis anzugehören , denn ich liebe ihn . “ Das Wort schien endlich den bisher zurückgehaltenen Sturm zu entfesseln ; mit einer wilden Bewegung stieß Raven den Stuhl zur Seite und trat dicht vor das junge Mädchen hin . „ Und das wagst Du mir zu sagen ? “ brach er los . „ Du wagst es , ohne mein Wissen und Willen Dein Jawort zu geben , wo Du weißt , daß ich mein entschiedenes Nein dagegen setzen werde , und trotzest mir ganz offen ? Du bauest auf die Güte und Nachsicht , die ich Dir stets gezeigt habe ? Sie ist zu Ende mit dem heutigen Tage . Fordere mich nicht heraus , Gabriele – Du könntest es bitter bereuen . Ich habe Mittel , den Trotz eines eigensinnigen Kindes zu brechen , und ich werde sie schonungslos gebrauchen , gegen Dich und ihn . Winterfeld soll mir Rede stehen über den sogenannten Liebesroman , mit dem er Dich hinter dem Rücken der Deinigen bethörte , um Dir ein Versprechen abzulocken , das null und nichtig ist , denn Du hast noch nicht über Dich zu verfügen . Er rechnet auf die Hand der vermeintlichen Erbin , um durch sie zu Reichthum und Einfluß zu gelangen – er könnte sich täuschen . Ich allein habe über Deine Zukunft zu beschließen , die ganz in meinen Händen liegt . Von mir hängt Deine künftige Lebensstellung ab , und wenn ich sie glänzend gestalte , so erwarte ich auch unbedingten Gehorsam dafür . Von einer solchen Verbindung kann nie und unter keinen Umständen die Rede sein . Ich versage meine Einwilligung , und Du hast Dich meinem Willen zu beugen . “ Gabriele war einen Schritt zurückgewichen vor diesem Zornesausbruch , aber sie hielt ihm nichtsdestoweniger Stand . Das „ Kind “ war doch nicht so unselbstständig und unfähig zu jedem Kampfe , wie Raven voraussetzte ; es ließ sich weder durch seine herrischen Worte , noch durch seine Drohblicke einschüchtern und antwortete mit einer ganz ungewohnten Energie : „ Du hast keine anderen Rechte über mich , als die des Vormundes , und die sind zu Ende mit meiner Mündigkeit . Meine Zukunft und Lebensstellung ist Georg ’ s Sache ; ich nehme sie aus seinen Händen , wie sie auch ausfallen mögen . Er hat nicht daran gedacht , irgend eine Berechnung an seine Liebe zu knüpfen ; Georg ist – “ Der Freiherr stampfte wüthend mit dem Fuße . „ Georg und immer nur Georg ! Ich verbiete Dir , diesen Winterfeld in meiner Gegenwart so zu nennen . Du wirst niemals seine Gattin , nie , sage ich Dir – wenigstens nicht , so lange ich lebe . “ Das junge Mädchen richtete sich mit blitzenden Augen empor , mehr empört als erschreckt durch diese maßlose Heftigkeit . „ Onkel Arno , Du bist grenzenlos ungerecht , Du – “ sie verstummte urplötzlich , ihr Auge haftete an dem seinigen , und der heiße , verzehrende Strahl darin traf sie wie mit versegender Gluth . Das war nicht Haß und Zorn , was in diesem Blicke loderte ; das war ein qualvolles Weh , ein wilder , bis zur Raserei gesteigerter Schmerz – Gabriele preßte beide Hände gegen die Brust , in der alles Blut auf einmal nach dem Herzen drängte ; ihr war zu Muthe , als stockten ihr Athem und Besinnung , und dann schlug es wie ein Blitz in ihre Seele und blendend und betäubend zuckte die Wahrheit auf ; sie wurde todtenbleich und griff nach der Lehne des Sessels , als wolle sie eine Stütze suchen . Diese Bewegung gab dem Freiherrn einigermaßen die Fassung zurück . Er sah ihr Erbleichen und mußte es wohl der Furcht vor seiner Heftigkeit zuschreiben . Der an so strenge Selbstbeherrschung gewöhnte Mann hatte sich , vielleicht zum ersten Male in seinem Leben , über alle Schranken hinwegreißen lassen ; er fühlte das und versuchte mit Aufbietung aller Willenskraft seine Aufregung niederzukämpfen . Während der nächsten Minuten herrschte ein banges , tiefes Schweigen , das auf Beide mit gleicher Schwere lastete , und doch wagte Keiner , es zu brechen . Raven war an das Fester getreten und blickte , die heiße Stirn gegen die Scheibe gedrückt , in die Nebellandschaft hinaus . Gabriele stand noch regungslos an ihrem Platze . „ Ich habe Dich erschreckt mit meiner Heftigkeit , “ sagte der Freiherr endlich , ohne sich umzuwenden . „ Solche Dinge wollen ruhig besprochen sein , und dazu sind wir Beide jetzt nicht in der Stimmung . Morgen – vielleicht später – verlaß mich , Gabriele ! “ Sie gehorchte und schritt wortlos mit gesenktem Haupte nach der Thür , da aber hielt sie inne . Wie gestern , mitten im Tanze , fühlte sie den Blick , der wieder auf ihr ruhte , ohne ihn zu sehen , und wie damals folgte sie der geheimnißvollen Macht , die sie zwang , diesem Blicke zu begegnen . In der That hatte sich Raven umgewendet und folgte ihr mit den Augen . „ Noch eins , “ sagte er ; er beherrschte seine Stimme wieder völlig , aber sie war klanglos . „ Kein Wort , keine Zeile an ihn ! Ich werde mit ihm sprechen . “ Gabriele verließ das Gemach und kehrte in die Zimmer ihrer Mutter zurück . Die Baronin , welche gewohnt war , sehr lange zu schlafen , war soeben erst mit ihrer Morgentoilette fertig geworden . Beim Eintritt in das gemeinschaftliche Frühstückszimmer vermißte sie ihre Tochter , die sich gewöhnlich schon dort befand , und wollte eben