uns nicht nach auf den anderen Werken , “ sagte der junge Bergmann Lorenz , der neben Hartmann stand . „ Sie meinen , es wäre ihnen noch zu früh , sie wären nicht vorbereitet genug , kurz sie haben keine Lust und wollen die Sache erst noch abwarten . “ Ulrich warf trotzig den Kopf zurück . „ Meinetwegen ! So gehen wir allein vor . Wir haben keine Zeit zu verlieren ! “ Eine Bewegung der Ueberraschung gab sich unter den Bergleuten kund . „ Allein ? “ fragten Einige . „ Ohne unsere Cameraden ? “ setzten die Anderen hinzu , und die Mehrzahl wiederholte mit dem Ausdrucke der Besorgniß : „ Schon jetzt ? “ „ Jetzt , sage ich , “ bekräftigte Ulrich herrisch , indem er einen herausfordernden Blick umherwarf . „ Ist etwa Einer von Euch anderer Meinung , so sage er ’ s ! “ Es schien ein nicht unbedeutender Theil der Anwesenden anderer Meinung zu sein , gleichwohl wagte sich Keiner mit einem bestimmten Widerspruch hervor , nur Lorenz sagte in bedenklichem Tone : „ Aber Du meintest ja selbst , es wäre besser , wenn alle Werke der Umgegend auf einmal aufhörten zu arbeiten . “ „ Kann ich dafür , wenn sie zaudern und zaudern , bis uns die Geduld reißt ? “ fragte der junge Steiger heftig . „ Wenn sie durchaus warten wollen , wir können es nicht ; das wissen sie recht gut . Aber sie wollen uns voran in ’ s Feuer schicken , um erst zu sehen , wie uns die Geschichte ausschlägt . Echt cameradschaftlich ! Nun , wir werden auch ohne sie fertig werden ! “ „ Und glaubst Du denn wirklich , daß er “ – Lorenz warf einen Blick nach der Richtung hin , wo das Landhaus des Chefs lag , – „ daß er nachgeben wird ? “ „ Er muß ! “ sagte Ulrich bestimmt , „ oder er ruinirt sich ! Grade jetzt sind ihm ein paar Speculationen verunglückt ; dazu [ 123 ] hat er alle Schulden seines Herrn Sohnes decken müssen , und das neue Haus in der Stadt wird auch wohl so an die Hunderttausend kosten ; wenn ihm nun auch die Werke ein paar Monate lang still stehen , grade jetzt , wo die großen Contracte abgeschlossen sind , so ist es zu Ende mit der ganzen Herrlichkeit . Vor zwei Jahren hätte er das vielleicht noch ausgehalten , jetzt hält er es nicht mehr aus . Wir setzen alles durch , wenn mir ihm damit drohen . “ „ Gebe Gott , daß wir ’ s nur auch wirklich durchsetzen ! “ seufzte einer der Bergleute , ein schon bejahrter Mann mit einem blassen eingefallenen Gesicht und bekümmerter Miene . „ Es wäre doch schrecklich , wenn wir umsonst all die Noth und Sorge auf uns nähmen , und wochenlang mit Frau und Kindern darbten , damit zuletzt alles beim Alten bleibt . Wenn wir doch lieber noch warten wollten , bis die Cameraden – “ „ Ja wohl , wenn wir auf die Anderen warteten – “ ließen sich hier und da einzelne Stimmen vernehmen . „ Schwätzereien und kein Ende ! “ brauste Ulrich wild auf . „ Ich sage Euch , daß jetzt grade die beste Zeit ist und daß wir vorgehen . Wollt Ihr mit mir gehen oder wollt Ihr nicht ? Antwort ! “ „ So fahre doch nicht gleich so auf ! “ beschwichtigte Lorenz . „ Du weißt ja , daß sie alle mit Dir gehen , wenn ’ s einmal so weit ist . Laß sie auf den anderen Werken machen , was sie wollen ! Wir sind einig , – da läßt Dich Keiner im Stich ! “ „ Ich wollte es auch Keinem rathen , zurück zu bleiben , wenn ’ s erst Ernst wird ! “ sagte Ulrich , einen finster drohenden Blick nach der Ecke hinüber schleudernd , von wo der Widerspruch ausgegangen war . „ Da können wir keine Feigheit gebrauchen , da muß Jeder für den Anderen einstehen , und wehe dem , der es nicht thut ! “ Der junge Führer schien gerade in seiner despotischen Art den Cameraden gegenüber das rechte Mittel zu besitzen , um jeden etwa aufkeimenden Widerspruch zu ersticken . Die wenigen Opponenten , ausschließlich ältere Männer , schwiegen , während die Uebrigen , besonders die Jüngeren , sich mit lauter Zustimmung um Hartmann drängten , der jetzt ruhiger fortfuhr : „ Uebrigens ist jetzt keine Zeit , das alles zu besprechen , heut Abend wollen wir – “ „ Der Obersteiger ! “ unterbrachen ihn einige Stimmen , während sich Aller Blicke nach der Thür wandten . „ Auseinander ! “ befahl Ulrich , und gehorsam dem Commando stob die Schaar auseinander . Jeder bemächtigte sich wieder seiner Blende , die er vorhin bei Seite gestellt hatte . Der Obersteiger , der rasch und ziemlich unvermuthet eintrat , hatte wahrscheinlich noch die schnell gelöste Gruppe gesehen , vielleicht auch den Befehl gehört , denn er sah forschend im Kreise umher . „ Sie scheinen Ihre Cameraden ja ganz ausgezeichnet in Zucht zu haben , Hartmann ! “ sagte er kalt . „ So ziemlich , Herr Obersteiger ! “ gab dieser in gleichem Tone zurück . Dem Obersteiger mochte es wohl wie den übrigen Beamten auch kein großes Geheimniß mehr sein , was die Arbeiter jetzt meist unter sich verhandelten ; er zog es jedoch vor , nichts gehört und gesehen zu haben , sondern fuhr gleichgültig fort : „ Herr Berkow will mit den Ingenieuren das Hebewerk besichtigen . Sie sollen mit Lorenz im Fahrschachte bleiben , Hartmann , bis die Herren wieder zu Tage gefahren sind . Steiger Wilm kann vorläufig Ihre Leute mit zur Schicht führen , bis Sie nachkommen . “ Ulrich fügte sich schweigend der Anordnung und blieb mit Lorenz zurück , während die Uebrigen unter Leitung