› Finis sez , Seigneur Roi , finissez ! ‹ Herr Heinrich erschrak und bedeutete den Primas , schleunig von ihm zu weichen . › Zurück mit dir ‹ , rief er , › in dein französisches Kloster ! . . . Und daß deine Sohlen nimmermehr den englischen Boden berühren , du Volksverführer ! Weder hier noch jenseits will ich je mit dir wieder zusammenkommen und zu schaffen haben , du Zauberer und Schicksalsrabe ! . . . ‹ Aus dem Angesichte des Primas wich jedes Leben . Er antwortete mit sanfter Stimme : › Ich weiß nicht , ob ich deinem Worte folgen kann , denn lange bin ich nun gewandert und Hirt und Herde verlangen nach einander . Auch sehne ich mich nach meiner Ruhestätte . Darum , o Herr , verspreche ich nicht , dir zu gehorchen . – Doch besorge nichts von mir , meine Schritte suchen den Frieden . ‹ › Hüte , hüte dich , bei deinem Leben , meinen englischen Boden zu betreten ! ‹ schrie der König außer Sinnen und gebärdete sich so heftig , daß Herr Richard , das Löwenherz , der , aufmerksam auf die zweie , sich in der Nähe der normännischen Ritter hielt , mit verhängtem Zügel und bestürzten Mienen herangesprengt kam . Thomas Becket aber wendete sich von dem Könige mit einem wehen Lächeln : › Ich glaube , die Stunde meiner Befreiung nahet ‹ , sagte er . › Wo hätte ich Zager sonst den Mut genommen , das Haupt zu erheben und meinen Herrn und König zu erzürnen ! ‹ So schieden sich Herr Heinrich und Herr Thomas voneinander ohne den Frieden , den sie doch beide redlich gesucht hatten . XII XII Als wir die graue Heide , den Ort des verweigerten Kusses , verlassen hatten und schweigsam in uns gekehrt nach der festen normännischen Stadt Rouen trabten , trieb uns nach einem warmen , verlängerten Spätherbst eine rauhe Winterluft die erster Brustpanzer , denn ich gab die Sache meines Königs verloren , wohl wissend , was ich Herrn Richard nicht verhehlt hatte , daß das an einem Sonnenstrahl der Güte schmelzende Eis der Herzen , von neuer Kälte überfallen , sich zwiefach verhärtet . Mit meinen Augen hatte ich es gesehen , wie der Primas dem Löwenherzen zuliebe sein innerstes Naturwesen hatte zwingen wollen , die Lippen meines Königs zu berühren , und wie er es nicht gekonnt . Von Dohlen und Krähen umflattert , sprengte Herr Heinrich über das Blachfeld , das sich langsam mit Schnee bedeckte . Da , an einem Kreuzwege , spornte Herr Richard seinen Falben , den er bei währendem Ritte gegen seinen Gebrauch in den hinteren Reihen gehalten hatte , neben den Berberhengst des Königs und beurlaubte sich von dem Vater mit gesenktem Haupte und , wie mir schien , tiefsinnigen und hinterhältigen Mienen , wie sein tapferes Antlitz sie sonst niemals zeigte . Er schützte , ich weiß nicht welche persönlichen Anliegen und Verwickelungen in seiner Grafschaft Poitou vor , und ich verstand , daß er zwar nicht mit den Brüdern gegen den König Panier aufwerfen , aber außerhalb des Streites sich halten werde . In der Stadt Rouen hielt sich Herr Heinrich bis zur Weihnacht , die nicht ferne war , in guter Zucht und christlicher Zerknirschung , hörte fleißig die Messe und tat sich wehe mit Fasten und jeglicher Enthaltsamkeit ; denn er war gesonnen , am Morgen des teuern Festes das hochheilige Brot zu essen . So tat er auch mit Andacht und Freude . Dann setzte er sich mit seinem adeligen Gesinde an die reich beladene Tafel , um seinen kasteiten Magen zu ergötzen . Das festliche Mahl war zu seiner Mitte gelangt , da regte sich der Böse und schickte einen Störenfried . Gestiefelt und gespornt – denn er hatte sich eben vom Pferde gekugelt – keuchte der Bischof von York durch die Halle und stellte sich , rot wie ein Puter , mit erzürnten Gebärden vor den tafelnden König . Dieser kurze , hitzige Normanne konnte mit seiner Unrast und dem Auffahren seiner Gliedmaßen einen Gelassenen und Gesunden aus der schönen Fassung bringen , geschweige meinen König . Ihm an der Seite erschien einer seiner Kleriker , ein Mann mit langem Gesichte voller Vernunft , der ihn mit bedächtigen Reden zu beruhigen und zu regeln trachtete . › Helfet mir , gerechter König Heinrich ‹ , überschrie sich der Kleine . › Nicht genug am Primas , hat nun auch der Heilige Vater in Rom seinen Bannstrahl auf mein Haupt geschossen . Thomas Becket , den Gott verpeste , hat die Bulle verstohlenerweise auf seinem eigenen Leibe in Euer englisches Königreich getragen und eben jetzt , zur heiligen Freudenzeit , wird sie in allen Kirchen , wo Sachsen Messe lesen , zu meiner und meines Königs Schmach feierlich verkündigt . Und wie ist der Sohn der Bosheit nach Canterbury gekommen ? . . . Als ein Triumphator mit Roß und Wagen und einem langen sächsischen Heerzuge ! . . . ‹ Hier gelang es dem verständigen Kleriker seine Stimme hörbar zu machen . Dem sei nicht so , wandte er ein , auf einer frommen Eselin sei der Primas eingeritten ; wahr sei es aber , daß das Volk Gewand vor ihm ausgebreitet und , was Grünes in dieser Winterzeit vorhanden , auf seinen Weg gestreut habe . Der Verbannte sei als ein müder Mann nach Canterbury zurückgekehrt und habe sein erzbischöfliches Haus , ja sein Gemach seither nicht wieder verlassen . Freilich habe der Primas zwei päpstliche Bullen in seinem Gewande nach Engelland gebracht : die eine aber habe er in die Flamme seines Herdes geworfen , die andere von seinen kriegslustigen Klerikern nur mit Widerstand sich entreißen lassen . Herr Thomas sei am Erlöschen und die Natur selbst werde Herrn Heinrich von seinem Peiniger und Widersacher in Bälde befreien . Das sei die nüchterne Wahrheit . Ein ihm verpflichteter Hausgenosse des Primas habe sie ihm getreulich erzählt