den Blitz einschlagen , mir ist einerlei was , wenn es nur die Einwohner hinaustreibt und ich die Dächer der Residenz wiedersehe . Ich kann in dieser Kuhstalluft nicht atmen . « Sie brach hier wieder ab und wandte den Kopf nach dem Nebenzimmer , wo ein erbärmliches Kinderweinen erklang . Ein bitterböser Ausdruck flog über das volle weiße Gesicht der Lauschenden . » O Gott , ich wollte , daß – « murmelte sie und erhob sich . » Frau von Berg , die Kleine ist sehr unruhig « , berichtete die Kinderfrau . » So geben Sie ihr doch Milch , mein Gott , sie wird Hunger haben . Was ist ' s denn weiter ! « » Sie nimmt nichts , gnädige Frau . « » So tragen Sie das Kind umher , es muß sich beruhigen . « » Ich darf das Kindchen nicht herausnehmen , solange es in dem nassen Umschlag liegt , der Arzt hat ' s ausdrücklich – « Frau von Berg schleuderte die Feder auf den Tisch und rauschte in das Kinderzimmer . » Ruhig ! Ruhig ! « rief sie mit ihrer gellenden Stimme und klatschte , an das Bett tretend , in die Hände . Ihre Augen sahen so drohend aus , so geradezu wütend , daß das Kind verstummte , um nach ein paar Sekunden desto lauter zu schreien . Es klang so ängstlich , so hilfesuchend , dieses Weinen , dass die Kinderfrau von der Spiritusmaschine , wo sie das verordnete Süppchen kochte , herzustürzte , und dass draußen auf dem Korridor plötzlich Schritte erklangen und der Baron Gerold im nächsten Augenblick auf der Schwelle stand . » Ist Leonie krank ? « , war die erste Frage und seine verdüsterten Augen suchten das Kind im Bettchen , das jetzt seine Ärmchen verlangend nach ihm ausstreckte , aber auch ruhig ward . Frau von Berg war verlegen , aber sie blieb standhaft am Fuße des Bettchens . » Nein « , erwiderte sie , » nur hungrig oder eigensinnig . « » Aber es war nicht das Schreien eines eigensinnigen Kindes « , sagte er kurz und bestimmt . » Nun , es ist auch möglich , dass sie sich nicht wohl fühlt « , erklärte die schöne Frau . » Es ist mir schon längere Zeit vorgekommen , als vertrage die Kleine die Luft hier nicht , man denke auch , von dem weichen , lauen Klima der Riviera nach dem deutschen Waldklima , in diese kühle , scharfe Bergluft . « Er sah sie ernsthaft an . » Meinen Sie ? « , fragte er und dieser Tonfall trieb ihr das Blut in die Wangen . » Ich bedaure nur « , fuhr er gelassen fort , » dass das arme Kindchen da von dem ersten Arzte Nizzas direkt an diese scharfe , kühle Luft verwiesen wurde . Es muss sich nun leider schon daran gewöhnen , denn vorderhand liegt Nizza sowieso außer Frage , da sein Vater gegenwärtig gezwungen ist hierzubleiben . Im übrigen , meine liebe Frau von Berg , scheint ihm die › kühle , scharfe ‹ Luft dennoch recht gut bekommen zu sein . Gestern sah ich , wie das Kind lebhaft durch das Zimmer rutschte und sich an jenem Stuhl dort völlig allein aufrichtete . « Frau von Berg zuckte unmerklich die Schultern . » Was will das heißen bei einem zweijährigen Kind ? « sagte sie . » Bleiben Sie logisch , gnädige Frau . Es ist hier davon die Rede , ob das Kind Fortschritte im Befinden gemacht hat oder nicht . Ich möchte Ihnen jetzt noch eine Mitteilung machen , die Sie vermutlich interessieren dürfte . Ihre Durchlauchten , Prinzeß Thekla und Helene , werden in allernächster Zeit auf einige Wochen nach Neuhaus kommen , um sich persönlich von dem Befinden ihrer Enkelin zu überzeugen . Woher mag doch Ihre Durchlaucht wissen , daß der Reitenbacher Arzt mein Kind jetzt behandelt ? Haben Sie keine Ahnung ? « Frau von Berg wechselte die Farbe . Sie blieb jedoch ruhig und zuckte die Achseln . » In meinen verschiedenen Schreiben an Ihre Durchlaucht habe ich nichts davon verlauten lassen « , fuhr er fort und trat von dem Bette an das Fenster , » ich liebe nicht das Hineinreden in die Anordnungen , die ich treffe . Außerdem – Prinzeß Thekla ist Homöopathin und hat alle Taschen voll Kügelchen und Tropfen . Haben Sie wirklich keine Ahnung , Frau von Berg ? « Sie schüttelte den Kopf . » Keine ! « antwortete sie . Er achtete auch nicht mehr darauf , sondern preßte plötzlich die Stirn an das Fensterkreuz und starrte auf die Straße , die sich wie ein weißer leuchtender Streifen am Walde dort drüben hinzog . Da kam ein herzoglicher Wagen im schnellsten Trab gefahren , ein Frauenantlitz ward einen Augenblick hinter der Spiegelscheibe des Fensters sichtbar , dann war die Kutsche verschwunden . Klaudine fuhr nach Altenstein ! Als er sich umwandte , sah er seltsam bleich aus . Frau von Berg musterte ihn mit einem bösen Lächeln um den Mundwinkel . Auch sie hatte den Wagen gesehen . Er bemerkte es nicht , er trat zu dem Bettchen des Kindes , das jetzt schlief , und betrachtete das kleine kränkliche Geschöpf lange Zeit . Frau von Berg ging mit leisem Schritt in das Nebenzimmer . Er blieb stehen , und allmählich legte sich ein harter , bitterer Zug um seinen Mund . Die alte Kinderfrau hinter dem blauverhangenen Bettchen sah ihn starr an – der Herr mochte wohl das arme Kindchen gar nicht leiden , weil es seiner vergötterten Frau das Leben gekostet hatte ? Ja , ja , es kam das öfter vor , daß so ein Würmchen es entgelten mußte ! Armes Ding , ein so unschuldiges Geschöpfchen , dem es bestimmt ist , stets mit vorwurfsvollen Augen angesehen zu werden . Armes Ding ! Plötzlich wandte sich der Mann dort am