in welch enthusiastischen Worten der Prinz erst neulich wieder von deiner Schönheit auf dem Massowschen Balle gesprochen habe . Das ist nicht hin , davon blieb dir , und jeder muß es finden , der ihm liebevoll in deinen Zügen nachzugehen den Sinn und das Herz hat . Und wenn wer dazu verpflichtet ist , so ist er ' s ! Aber er sträubt sich , denn so hautain er ist , so konventionell ist er . Ein kleiner ängstlicher Aufmerker . Er hört auf das , was die Leute sagen , und wenn das ein Mann tut ( wir müssen ' s ) , so heiß ich das Feigheit und Lâcheté . Aber er soll mir Rede stehn . Ich habe meinen Plan jetzt fertig und will ihn demütigen , so gewiß er uns demütigen wollte . « Frau von Carayon kehrte nach diesem Zwiegespräch in das Eckzimmer zurück , setzte sich an Victoirens kleinen Schreibtisch und schrieb . » Einer Mitteilung Herrn von Alvenslebens entnehm ich , daß Sie , mein Herr von Schach , heute , Sonnabend abend , Berlin verlassen und sich für einen Landaufenthalt in Wuthenow entschieden haben . Ich habe keine Veranlassung , Ihnen diesen Landaufenthalt zu mißgönnen oder Ihre Berechtigung dazu zu bestreiten , muß aber Ihrem Rechte das meiner Tochter gegenüberstellen . Und so gestatten Sie mir denn , Ihnen in Erinnerung zu bringen , daß die Veröffentlichung des Verlöbnisses für morgen , Sonntag , zwischen uns verabredet worden ist . Auf diese Veröffentlichung besteh ich auch heute noch . Ist sie bis Mittwoch früh nicht erfolgt , erfolgen meinerseits andre , durchaus selbständige Schritte . Sosehr dies meiner Natur widerspricht ( Victoirens ganz zu geschweigen , die von diesem meinem Schreiben nichts weiß und nur bemüht sein würde , mich daran zu hindern ) , so lassen mir doch die Verhältnisse , die Sie , das mindeste zu sagen , nur zu gut kennen , keine Wahl . Also bis auf Mittwoch ! Josephine von Carayon « Sie siegelte den Brief und übergab ihn persönlich einem Boten mit der Weisung , sich bei Tagesanbruch nach Wuthenow hin auf den Weg zu machen . Auf Antwort zu warten war ihm eigens untersagt worden . Sechzehntes Kapitel Frau von Carayon und der alte Köckritz Der Mittwoch kam und ging , ohne daß ein Brief Schachs oder gar die geforderte Verlobungsankündigung erschienen wäre . Frau von Carayon hatte dies nicht anders erwartet und ihre Vorbereitungen daraufhin getroffen . Am Donnerstag früh hielt ein Wagen vor ihrem Hause , der sie nach Potsdam hinüber führen sollte , wo sich der König seit einigen Wochen aufhielt . Sie hatte vor , einen Fußfall zu tun , ihm den ihr widerfahrenen Affront vorzustellen und seinen Beistand anzurufen . Daß es in des Königs Macht stehen werde , diesen Beistand zu gewähren und einen Ausgleich herbeizuführen , war ihr außer Zweifel . Auch über die Mittel und Wege , sich Seiner Majestät zu nähern , hatte sie nachgedacht , und mit gutem Erfolge . Sie kannte den Generaladjutanten von Köckritz , der vor dreißig Jahren und länger , als ein junger Lieutenant oder Stabskapitän , in ihrem elterlichen Hause verkehrt und der » kleinen Josephine « , dem allgemeinen Verzuge , manche Bonbonniere geschenkt hatte . Der war jetzt Liebling des Königs , einflußreichste Person seiner nächsten Umgebung , und durch ihn , zu dem sie wenigstens in oberflächlichen Beziehungen geblieben war , hoffte sie sich einer Audienz versichert halten zu dürfen . Um die Mittagsstunde war Frau von Carayon drüben , stieg im » Einsiedler « ab , ordnete ihre Toilette und begab sich sofort ins Schloß . Aber hier mußte sie von einem zufällig die Freitreppe herabkommenden Kammerherrn in Erfahrung bringen , daß Seine Majestät Potsdam bereits wieder verlassen und sich zur Begrüßung Ihrer Majestät der Königin , die tags darauf aus Bad Pyrmont zurückzukehren gedenke , nach Paretz begeben habe , wo man , frei vom Zwange des Hofes , eine Woche lang in glücklicher Zurückgezogenheit zu verleben gedenke . Das war nun freilich eine böse Nachricht . Wer sich zu einem peinlichen Gange ( und wenn es der » hochnotpeinlichste « wäre ) anschickt und mit Sehnsucht auf das Schreckensende wartet , für den ist nichts härter als Vertagung . Nur rasch , rasch ! Eine kurze Strecke geht es , aber dann versagen die Nerven . Schweren Herzens und geängstigt durch die Vorstellung , daß ihr dieser Fehlschlag vielleicht einen Fehlschlag überhaupt bedeute , kehrte Frau von Carayon in das Gasthaus zurück . An eine Fahrt nach Paretz hinaus war für heute nicht mehr zu denken , um so weniger , als zu so später Nachmittagszeit unmöglich noch eine Audienz erbeten werden konnte . So denn also warten bis morgen ! Sie nahm ein kleines Diner , setzte sich wenigstens zu Tisch , und schien entschlossen , die langen , langen Stunden in Einsamkeit auf ihrem Zimmer zu verbringen . Aber die Gedanken und Bilder , die vor ihr aufstiegen , und vor allem die feierlichen Ansprachen , die sie sich zum hundertsten Male wiederholte , so lange wiederholte , bis sie zuletzt fühlte , sie werde , wenn der Augenblick da sei , kein einziges Wort hervorbringen können – alles das gab ihr zuletzt den gesunden Entschluß ein , sich gewaltsam aus ihren Grübeleien herauszureißen und in den Straßen und Umgebungen der Stadt umherzufahren . Ein Lohndiener erschien denn auch , um ihr seine Dienste zur Verfügung zu stellen , und um die sechste Stunde hielt eine mittelelegante Mietschaise vor dem Gasthause , da sich das von Berlin her benutzte Gefährt , nach seiner halbtägigen Anstrengung im Sommersand , als durchaus ruhebedürftig herausgestellt hatte . » Wohin befehlen gnädige Frau ? « » Ich überlaß es Ihnen . Nur keine Schlösser , oder doch sowenig wie möglich ; aber Park und Garten und Wasser und Wiesen . « » Ah , je comprends « , radebrechte der Lohndiener , der sich daran