das irgendeine griechische Fee unserem Schinkel gleich bei seiner Geburt mit in die Wiege gelegt hätte , sie war ein mühevoll Erobertes , das er erst nach langem Suchen fand . Es ist wahr , daß sich in all jenen Schinkelschen Bauwerken , die vorzugsweise vor unserer Seele stehen , wenn wir von Schinkel sprechen , kaum ein Schwanken , kaum eine prinzipielle Unsicherheit nachweisen läßt , aber wir müssen uns hüten , hieraus , wie aus dem zufälligen Umstande , daß einige seiner frühesten aus der Gilly-Zeit herstammenden Jugendarbeiten einen gewissen antikisierenden Charakter tragen , den Schluß zu ziehen : » er sei immer Hellene gewesen und habe schon mit achtzehn Jahren auf demselben Grund und Boden gestanden , auf dem er dreißig Jahre später , während der Blütezeit seines Schaffens stand . « Diese Annahme wäre durchaus unrichtig . Seitdem wir eine völlige Schinkelliteratur haben , seitdem uns zuletzt noch das mehrgenannte Wolzogensche Werk einen Einblick verschafft hat in den Entwicklungsgang des Meisters , haben wir auch Gewißheit darüber , daß Schinkel , als er im Jahre 1816 die neue Wache zeichnete , nicht einfach wieder an seine Gilly-Zeit anknüpfte , sondern daß umgekehrt der Wiederaufnahme dessen , was er dreizehn Jahre früher ohne volles künstlerisches Bewußtsein praktisch geübt hatte , ernste Kämpfe vorausgingen , Kämpfe , die nie ganz abschlossen und sich bis in die letzten Jahre seines Lebens hinzogen . Ohne bei den italienischen Briefen Schinkels verweilen zu wollen , die genugsam zeigen , daß ihn damals die mittelalterlichsarazenischen Bauten weit mehr interessierten als die griechischen Tempel , für die er doch in erster Reihe hätte schwärmen müssen , – verweisen wir an dieser Stelle lediglich auf die Zeichnungen und Pläne zu der großen , schon erwähnten Friedenskathedrale , die auf dem Leipziger Platz errichtet werden sollte . Die Beschäftigung mit diesem Kathedralenbau fällt in das Jahr 1817 und 1818 , und die Hellenik hatte zu dieser Zeit noch so wenig ausschließlich Besitz von ihm genommen , daß er diesen Erinnerungsbau nicht als einen griechischen Tempel , sondern umgekehrt als einen großen gotischen Dom ( mit Kuppel ) auszuführen gedachte . Also 1818 noch Gotiker . Dieser Bau kam nicht zur Ausführung , und es scheint allerdings , als ob sich die Anschauungen Schinkels von jener Zeit an der Gotik immer mehr ab-und der Antike immer mehr zugewandt hätten . Aber – und hiermit gehen wir zu unserer zweiten Frage über – auch in dieser seiner späteren Epoche ließ er sich von der Vorliebe für das Griechentum niemals so beherrschen , daß er es in bestimmten Fällen nicht den einfach-natürlichsten Erwägungen unterzuordnen gewußt hätte . Mit anderen Worten , seine Begeisterung wurde nie zur Prinzipienreiterei . Vielfach liegen die Beweise dafür vor . Ähnlicher Einseitigkeiten , wie sie beispielsweise der Professor Hirt äußerte , der , als es sich um die Errichtung eines Luther-Denkmals handelte , » das Denkmal in griechischem Stile wollte , weil das Gotische durchaus der Barbarei angehöre « , – ähnlicher Einseitigkeiten war Schinkel durchaus unfähig , ja er besaß umgekehrt ein feinstes Unterscheidungsvermögen dafür , wieweit die griechische Kunst reichte und wieweit nicht . Als es ein Projekt zu einem Mausoleum für die Königin Luise zu entwerfen galt , entschied er sich höchst bemerkenswerter Weise für Anwendung des gotischen Stils und schrieb eigens : » Die harte Schicksalsreligion des Heidentums hat hier das Höchste nicht schaffen können . Die Architektur des Heidentums ist in dieser Hinsicht bedeutungslos für uns . Wir können Griechisches und Römisches nicht unmittelbar anwenden , sondern müssen uns das für diesen Zweck Bedeutsame selbst erschaffen . Zu dieser neuzuschaffenden Richtung der Architektur gibt uns das Mittelalter einen Fingerzeig . « Auch in diesem Briefe wieder betont er mehrfach die » überlegenen Schönheitsprinzipien des heidnischen Altertums « , aber er ist zugleich feinsinnig genug , um zu fühlen , » daß diesen überlegenen Schönheitsprinzipien nicht die Gesamtheit unseres modernen Lebens , weder in seinen höchsten geistigen Forderungen ( wie in der Kirche ) , noch in seinen hundertfach neugestalteten praktischen Bedürfnissen untergeordnet werden könne . « Er selbst hat sich darüber vielfach verbreitet und mustergültige Worte niedergeschrieben . Die Schönheit der Hellenen , dahin ging seine Meinung , sollte uns im großen und ganzen beherrschen , aber sie sollte uns nicht in dem Kleinkram des Lebens , da wo sie nicht ausreichte oder nicht hingehörte , tyrannisieren . Die Frage ist aufgeworfen worden – und mit dieser Betrachtung schließen wir – , ob unserer Stadt durch die Hellenik ein besonderer Dienst geleistet worden ist , oder ob es nicht vielleicht ein Gewinn gewesen wäre , wenn Schinkel am Scheidewege ( 1818 ) sich schließlich anders entschieden und eine Kunstreformation im gotischen statt im griechischen Geiste beschlossen hätte . Die Antwort auf die Frage wird notwendig verschieden lauten , wir unsrerseits aber glauben uns Glück wünschen zu dürfen , daß der Würfel so fiel , wie er fiel . Es ist unzweifelhaft , daß ein Mann von Schinkels eminenter Begabung auch die Gotik hätte wieder beleben können ; aber selbst seine Begabung würde nur immer ein gotisches Interim geschaffen haben . Der Eklektizismus – der heutzutage in allen Künsten , am meisten aber in der Baukunst vorherrscht und der , weil er beständig zu Prüfung und Vergleich auffordert , auch die kritische Begabung weit über alles andre hinaus ausbildet – der Eklektizismus , sag ' ich , mußte schließlich notwendig dabei ankommen , unter dem Verschiedenen , das sich ihm darbot , das Einfachere , das Stil- und Gesetzvollere , vor allem das Ausbildungsfähigere zu adoptieren . Wenn Schinkel nicht dabei anlangte , so würde doch die Wiederbelebung der Gotik , natürlich vom Kirchenbau abgesehen , immer nur eine gotische Episode geschaffen haben . Schinkel hat uns vor dieser Episode bewahrt . Auf dem Friedrich-Werderschen Kirchhof ragt sein Denkmal auf , und andere Denkmäler werden folgen . Am schönsten aber lebt sein Gedächtnis in der Schule fort , die er gegründet und deren alljährlich wiederkehrendes Erinnerungsfest ( das Schinkelfest