ja , da fühlt man sich selbst so weit und leer wie eine große , große Blase . Da sind nun die Damen nötig , die machen es wieder um einen eng und warm . « » Das muß schön sein bei Nacht auf den Heuhaufen « , äußerte Lydia . » Ach ja , « meinte der Graf , » nur zu starker Duft , man wacht am Morgen mit Kopfschmerzen auf , als ob man die ganze Nacht getrunken hätte . « Gertrud Port flatterte jetzt heran , sie wollte auch teilhaben an dem interessanten Fremden . » Nicht wahr , Herr Graf , « fragte sie , » man ist in Rußland sehr musikalisch ? « » O ja , « erwiderte der Graf und ließ seine Blicke einen Augenblick zerstreut auf Gertruds spitzem Gesichtchen ruhen , » wir singen viel , singen geht langsamer als sprechen , aber wir haben so viel Zeit . « Als aber Lydia sich mit einer Frage an Gertrud wandte , entschuldigte sich der Graf , stand auf und ging zu Egloff und dem Grafen Bützow hinüber , die beieinander standen . » Meine Herren , « sagte er , » bis zum Souper ist wohl noch Zeit , Ihre Gäste sind versorgt , Baron , wie wäre es mit einem kleinen Preferencechen ? « » Sie haben Eile , Graf « , bemerkte Egloff . » Ach was , Eile , « meinte der Graf , » ich habe nur bemerkt , daß es nichts Besseres für den Appetit gibt , als ein paar Runden Preference kurz vor dem Essen . « Sie gingen in das Spielzimmer hinüber , mit einem wohligen Seufzer setzte der Graf sich an den Kartentisch , breitete mit seiner fetten , beringten Hand die Karten aus , damit die Plätze gezogen würden , und meinte : » Hier ist man zu Hause . « Egloff mischte nervös ein Kartenspiel , er war schlechter Laune . Während der Graf sein Gast war , hatte er seit längerer Zeit wieder viel und hoch gespielt , und es ärgerte ihn zu bemerken , daß das Spiel ihn stärker erregte , ihm mehr auf die Nerven ging als früher . Der Baron Port und Doktor Hansius , die sich in das Spielzimmer zurückgezogen hatten , um zu rauchen , traten heran und schauten gespannt und mißbilligend dem Spiele zu . Endlich war es Zeit , zum Souper zu gehen . Die Baronin Egloff nahm den Arm des Baron Port , und in feierlichem Zuge begab man sich in den Speisesaal . Das rosa Fräulein von Teschen schauerte wohlig in sich zusammen , als es die Serviette auseinanderfaltete . » Sie finden es wahrscheinlich unpoetisch und materiell , « sagte sie zu ihrem Nachbar , dem Leutnant von Klette , » wenn ein junges Mädchen sich so stark auf das Essen freut , aber das Essen hier in Sirow ist immer so herrlich . « » Durchaus nicht , « erwiderte der Leutnant , » ich liebe es , wenn ich die Gefühle der Damen verstehen kann , und dieses verstehe ich . « Am anderen Ende des Tisches klang wieder Dachhausens herzliches Lachen herüber , der mit dem lila Fräulein von Teschen scherzte . » Ihr Gemahl , « sagte Graf Schutow zu Lydia , » hat ein so angenehmes Lachen , ich höre so gern lachen . « » Ja , « sagte Lydia und zog die Augenbrauen ein wenig empor , » er ist eine heitere Natur . « Aber Adine von Dachhausen , die gegenübersaß , rief den Grafen mit ihrer lauten , heiteren Stimme an : » Lachen Sie selbst gern , Herr Graf ? « » Ich lache zuweilen ganz gern , « erwiderte der Graf zerstreut , » aber ich höre lieber , wenn andere lachen , dann habe ich das Vergnügen und keine Mühe . Wie meinen Sie ? « wandte er sich an den Diener , der ihm eine Schüssel reichte . » Ah ! Spielhahnpastete « , und er wandte seine ganze Aufmerksamkeit der Pastete zu . Egloff hatte ziemlich einsilbig und mißmutig der Gräfin Bützow zugehört , die über das Befreiende , ja geradezu Moralische in Mozarts Musik sprach . In einer Pause flüsterte Fastrade ihm zu : » Bist du unglücklich ? « » Ich bin wütend « , erwiderte Egloff leise . » Wozu diese Anhäufung gleichgültiger Menschen und Speisen ? Am liebsten würde ich jedem mit einer Grobheit antworten , würde sagen : O ja , gewiß , Esel oder : Sie haben ja ganz recht , dumme Pute . « » Still « , sagte Fastrade und legte den Finger auf die Lippen . Egloff beugte sich wieder auf seinen Teller nieder . Der eigentliche Grund , daß er sich unglücklich fühlte , war das Bewußtsein , daß er alle diese Menschen und die lange Mahlzeit nur deshalb verfluchte , weil er ungeduldig war , wieder im Spielzimmer zu sitzen und das Spiel fortzusetzen , und das fand er primitiv und gewöhnlich . Jetzt erhob sich der Baron Port zu einer Rede , er sprach lange und ernst , sprach davon , daß es ein Segen sei , wenn die alteingesessenen Familien sich miteinander verbinden , das sei ein Bollwerk gegen die neuen , zerstörenden Ideen , alte bewährte Traditionen werden auf junge Schultern gelegt , werden gestärkt und zu neuer Blüte gebracht . Die Baronin Egloff weinte , die anderen hörten mit zerstreuter Andacht zu , als säßen sie in der Kirche bei einer zu langen Predigt . Um so lauter wurde » Hoch « gerufen , als die Rede zu Ende war . Die Mahlzeit ging ihrem Schluß entgegen ; erhitzt lehnten sich die Gäste in ihre Stühle zurück , und die Unterhaltung floß nur träge . » Das ist der Fehler der guten Sirowschen Soupers , « sagte der Referendar zu Adine von Dachhausen , » daß es hier zu viel zu