faßte und sagte : » So , geh nur jetzt ! Arbat gibts grad gnua für di ! « Und schob mich also aus dem Haufen , indes die Bauern sagten : » Is a guata Mo , der Anderl , a christlicher Mo . « Mög mir ' s vergönnt sein , stillzuschweigen über meine Pein , da ich meiner liebsten Kathrein mußt unter die Augen gehn als ein armseliger Gemeindelümmel ; auch fortan ihr Knecht heißen sollt , - ja , nicht einmal ihr Knecht , - gar bloß ihr Kühbub ! Und sollt von nun ab diesem Schinder angehören , der gefürcht war bei allem Dienstvolk im ganzen Umkreis wegen seines gachen Zorns . Nun war die junge Hausfrau freilich gar gut und gnädig zu mir und setzte mich auch nicht gleich zu dem Gesind , um mir Gespött zu ersparen , darum , daß ich erst noch ein stolzer Brautführer und Jungherr gewesen bei ihr , und nun der mindest Dienstbub . Doch wußt ich ihr keinen Dank dafür und brachte den Tag in trübem Schweigen hin . Und da die Nacht kam und ich im Stall auf einem harten Strohsack mein armseligs Dasein überdacht , da kams mir in den Sinn , daß es besser wär , wenn ich gleich meinen Kostbrüdern die Schuh nach auswärts stellt . Stand also mitten in der Nacht ganz leise auf , nahm mein Gemeindebündel und machte mich durch den Stall davon . Lief also immer fort , ohne mich zu besinnen , wohin ich mich wenden sollt , und stand endlich bei Tagesanbruch vor einem dichtbewaldeten Berg , den die Leut den wilden Rohnberg heißen . Da stieg ich denn hinauf , soweit ich konnte ; mußt aber alle Augenblick verschnaufen und mich ausrasten . Und da ich endlich eine halbverfallene Streuhütte fand , kroch ich hinein und schlief darin den ganzen Tag bis zum Abend . Stand darnach eilends auf und suchte nach einem Weg , auf dem ich wieder weiter wandern kunnt ; fand auch schließlich einen Pfad , der mich leichtlich um den Berg führte und auf eine Landstraße . Derweilen hatte mich aber ein großer Hunger ergriffen , und ich lief , so rasch ich konnte , dahin , um bald in einen Ort zu kommen , da man mir möcht etwas geben ; gelangt auch endlich zu einem breiten Bach , einer Brucken und einer Mühl dabei . Setzte mich also auf einen alten Mahlstein neben dem Haus und wartete sehnsüchtig auf den hellen Tag , da ich alsdann vor die Haustür trat und um ein Stücklein Brot bat , worauf mich die Müllerin eintreten hieß und mit einer guten Brennsuppen und einem Keil Brot speiste , nach meinem Woher und Woaus fragte und , nachdem ich ihr geantwortet : auf die Wanderschaft , mich mit einer wohlgefüllten Schnapsflasch und einem Säcklein Brot versorgte und mir gute Wanderschaft wünschte . Ich dankte ihr mit frohem Herzen und machte mich darnach wieder auf den Weg , der mich in ein neues Leben und in die weite Welt hineinführen sollt . Der Bildlmacher Fand mich also der zwanzigst Oktober des Jahres eintausendachthundertzwei , der Tag vor dem Kirchweihfest , auf der Landstraße , die über Trach und Stauden nach Geitau führt . Rings um mich erhoben sich die Berg , und drüberhalb dem Wasser , was die Leizach gewesen , stand der Wendelstein , der Birkenstein und Fischbachau . Besann mich eine Weil , ob ich noch einmal sollt hinaufsteigen und unserer lieben Frau mit dem Kindl einen Grüß Gott sagen ; doch dacht ich , daß sie es mir gewißlich nicht weiter nachtragt , wenn ich , ohne solches zu vollbringen , auf meinem Weg weiterlief . Also trabte ich weiter und sagte dabei laut für mich hin : » Sei gegrüßt am Gnadenthron Muetter Gottes hochgeehrt ! Vor dir und deinem liebsten Sohn Lieg ich flehend ob der Erd . Hör mein Seufzen und mein Bitt : Muetter , ach verlaß mich nit ! Sieh , in dieser Not ich stecke , Schrei um Hilf mit ach und weh , Zu dir meine Händ aufrecke : Muetter Gottes , mir beisteh ! Dein göttlichs Kindl für mich bitt , Muetter , ach verlaß mich nit ! « Gedacht auch dabei der seligen Weidhoferin , meiner liebsten Ziehmutter , die mir dies Gebet einstmals angelernt und gar oft vorgebetet hatte ; und es dünkte mich gar schwer , zu bedenken , daß ich sie nun samt dem Ziehvater in Ewigkeit nimmer sollt wiedersehen . Denn was die Menschen von der Auferstehung des Fleisches sagten , schien mir so furchtbarlich , daß ichs nicht glauben konnt oder wollt . Wurd auch wieder an das schreckliche End des langen Ambros gemahnt und ging also in trüben Gedanken meinen Weg dahin , immer dem Lauf des Wassers entgegen , vorbei an einschichtigen Bauernhöfen und Mühlen ; aß auch von meinem Brot und kam endlich gegen Mittag , da man gerad zum Essen läutete , nach Geitau . Daselbst lud ich mich bei einem guten Bauern zu Tisch , ließ es mir auch gefallen , daß man mir die Taschen mit Kirchweihkräpflein vollstopfte , bedankt mich wohl und ging darnach wieder weiter in Gottesnamen , durch ein breites Tal , immer dem Weg nach , der mich endlich zu einem gar schönen und lieblichen Ort führte , daselbst es mich gelüstet , etliche Zeit zu verweilen . War schon herzlich müd und abgeschlagen und wusch mir zum allerersten in dem klaren Bach die Füß , das Gesicht und die Händ , auch meine weißen Feststrümpf , die ich als einzigs Paar seit der traurigen Hochzeitsnacht bei mir trug . In solcher Arbeit fand mich ein alts , bärtigs Männlein , das ein wunderlichs , hölzerns Gestell in der einen Hand hielt und ein gemalts Bild in der andern , darauf das Tal und die Berg , darin ich mich befand , samt dem Dörflein Bayrischzell getreulich abkonterfeit und