sich ab . » Lot em giern bit an den Dullboom to Woter liggen , Harm : dat weiht jo ne un nix ! « Er gönnte sich und seinem Knecht erst Ruhe , als der ganze Kahn voll Sand war . » Nu wöt wi utscheiden , Harm « , sagte er väterlich , setzte sich auf den Dollbaum und wartete auf die Flut , die den beladenen Kahn flottmachen sollte , der nun hoch und trocken auf dem langen Sandrücken saß . Harm betrachtete besorgt den großen Sandhaufen , aber er getraute sich nicht , etwas dagegen zu sagen , weil er nicht ausgelacht werden mochte , und weil Störtebeker seiner Sache und seines Fahrzeuges so sicher war . » Wenn achtern Swiensand Seils in Sicht kommt , denn ist Floot « , sagte Störtebeker gleichmütig , » dat durt ober noch wat « , setzte er hinzu , als er Jakob Derner und Karsten Wubb , die Aalfischer , mit ihren Kähnen vorbeirudern sah , denn die wollten ja vor der Flut noch ihre Körbe überholen und die Aale herausnehmen . Die beiden Jungen spielten deshalb erst noch Kriegen auf dem Fall , sie bewarfen sich mit Sand , sie sammelten die großen Elbmuscheln , die Adam und Eva heißen , sie jagten die Möwen und Krähen auf , die an der Fahrwasserkante saßen , daß sie sich wie eine riesige , schwarz-weiße Wolke über dem Wasser erhoben , sie griffen die Nesen und Weißfische , die in den Prielen schwammen , und wateten in den tiefen Löchern , mit denen der Fall bedeckt war . Zuletzt saßen sie aber wieder auf dem Bordrand und suchten nach flutkündenden Segeln . » Nu ist Stallwoter « , sagte Störtebeker , » kiek , Harm ! « Und er wies nach den Blasen auf dem Wasser , die stillstanden . Dann setzte Donar das Trinkhorn des Riesen ab ( Die Ebbe wird künden von Asenkraft , bis einmal alles vergeht ! sagt die Edda ) , und die Flut kam , die Flut , die Flut ! Zuerst stiegen die Wasserblasen langsam stromauf , unmerklich fast , wie vom Hauch bewegt , aber ihre Geschwindigkeit nahm allmählich zu , wurde stärker und stärker : gelassen wischte das Wasser mit leiser , zaghafter Hand über den Sand und stieg schüchtern über die ersten Sandrillen , besann sich noch , bevor es eine Muschel umspülte , dann aber nahmen Kraft und Strömung unaufhaltsam zu und wurden stark und wild , denn es war Neumond und springende Tide . Wie kletterte das Wasser , wie sprang , wie lief , wie wallte es ! Flot , Schipper , Flot , Flot ! Die Möwen und Krähen erhoben sich in die Luft und flogen davon , ihnen folgten die Störche und Reiher , als das reißende Wasser immer mehr vom Sand fraß . Im Fahrwasser ließen die elbab segelnden Schiffe die Draggen fallen , weil sie die Flut nicht bemeistern konnten : dafür erschienen bei Schulau Dampfer über Dampfer und hinter dem Schweinesand Segel bei Segel . Geruhig saß Störtebeker auf dem Bordrand , baumelte mit den Beinen und ließ die lebendige Flut um seine Füße strömen . » Gliek sünd wi flott , Harm ! « rief er , » kiek mol , wat dat Woter kummt ! « Seines Genossen Besorgnis aber war angesichts der starken Strömung zur Angst geworden , und er wagte es , wieder davon anzufangen , daß sie zu viel Sand eingeladen hätten , daß der Kahn es nicht tragen könne , und daß sie gut täten , etwas auszuwerfen , Störtebeker indessen verzog geringschätzig den Mund , nannte ihn eine Bangbüx und verfolgte mit Freude , wie ein Stück des Sandes nach dem andern im Wasser verschwand . Nun war der ganze Sandfall unter , der Kahn schwamm inmitten der großen Wasserfläche - und schwamm doch nicht , sondern saß fest und rührte sich nicht . Er habe sich am Ende festgesogen , bemerkte Störtebeker , sie wollten doch mal dümpeln , krempelte die Hosen weiter auf und riß an dem Fahrzeug , um es in Gang zu bringen , aber das lag fest wie ein großer Stein und war nicht zu bewegen , so sehr der Junge sich auch mühte . » Wat hebb ik di seggt , wat hebb ik di seggt « , jammerte sein Kamerad , » wi flott ne , wi flott ne , lot uns gau utsmieten ! « » Dat wür scheun ! « sagte Klaus , » kumm hier , ward nix mokt ! « Und er bemühte sich eifriger , den Kahn zu bewegen , er stieg auf die Ducht und nahm den Riemen zur Hand , aber es war , als wenn das Fahrzeug angewachsen wäre , jedenfalls rührte es sich nicht . » Dat is jo rein , as wenn dat Diert behext wür « , scherzte er , als er sich dann aber über den Dollbaum beugte und fand , daß nur noch eine Handbreit nach war , da wurde auch er bedenklich und ging hastiger mit dem Riemen zur Kehr .. » Bang bün ik ober ne « , sagte er ... Der Kahn blieb fest sitzen . Der Macker begann zu weinen : » Wi buddelt af , wi versupt ! « klagte er und begann , um Hilfe zu rufen : » Hilpt uns , hilpt uns ! « Aber der Deich war weit , und die aufsegelnden Fischerjollen waren noch in der Ferne . Wenn nicht ein Jäger in den Binsen oder im Reet saß , wer sollte sie dann retten ? Die Aalfischer waren schon längst zurückgerudert . Störtebeker warf Sand aus . Wie flog die Schaufel , wie blitzte sie in der Sonne , wie flog der Sand , wie spritzte das Wasser auf ! » Hilpt uns , hilpt uns ! « » Nu lot doch bloß mol dien Geschricht van Murd un Dotslag no ! «