wie eine Operation an einem geschieht . Ein kurzer , wahnsinnig schmerzhafter Eingriff . Aber die Hand , die ihn tut , ist geübt und fest . Es ist gleich vorbei . Und kaum ist es überstanden , so denkt man nicht mehr an sich ; es gilt , den Geburtstag zu retten , die anderen zu beobachten , ihren Fehlern zuvorzukommen , sie in ihrer Einbildung zu bestärken , daß sie alles trefflich bewältigen . Sie machen es einem nicht leicht . Es erweist sich , daß sie von einer beispiellosen Ungeschicklichkeit sind , beinahe stupide . Sie bringen es zuwege , mit irgendwelchen Paketen hereinzukommen , die für andere Leute bestimmt sind ; man läuft ihnen entgegen und muß hernach tun , als liefe man überhaupt in der Stube herum , um sich Bewegung zu schaffen , auf nichts Bestimmtes zu . Sie wollen einen überraschen und heben mit oberflächlich nachgeahmter Erwartung die unterste Lage in den Spielzeugschachteln auf , wo weiter nichts ist als Holzwolle ; da muß man ihnen ihre Verlegenheit erleichtern . Oder wenn es etwas Mechanisches war , so überdrehen sie das , was sie einem geschenkt haben , beim ersten Aufziehen . Es ist deshalb gut , wenn man sich beizeiten übt , eine überdrehte Maus oder dergleichen unauffällig mit dem Fuß weiterzustoßen : auf diese Weise kann man sie oft täuschen und ihnen über die Beschämung forthelfen . Das alles leistete man schließlich , wie es verlangt wurde , auch ohne besondere Begabung . Talent war eigentlich nur nötig , wenn sich einer Mühe gegeben hatte , und brachte , wichtig und gutmütig , eine Freude , und man sah schon von weitem , daß es eine Freude für einen ganz anderen war , eine vollkommen fremde Freude ; man wußte nicht einmal jemanden , dem sie gepaßt hätte : so fremd war sie . Daß man erzählte , wirklich erzählte , das muß vor meiner Zeit gewesen sein . Ich habe nie jemanden erzählen hören . Damals , als Abelone mir von Mamans Jugend sprach , zeigte es sich , daß sie nicht erzählen könne . Der alte Graf Brahe soll es noch gekonnt haben . Ich will aufschreiben , was sie davon wußte . Abelone muß als ganz junges Mädchen eine Zeit gehabt haben , da sie von einer eigenen , weiten Bewegtheit war . Brahes wohnten damals in der Stadt , in der Bredgade , unter ziemlicher Geselligkeit . Wenn sie abends spät hinauf in ihr Zimmer kam , so meinte sie müde zu sein wie die anderen . Aber dann fühlte sie auf einmal das Fenster und , wenn ich recht verstanden habe , so konnte sie vor der Nacht stehn , stundenlang , und denken : das geht mich an . » Wie ein Gefangener stand ich da « , sagte sie , » und die Sterne waren die Freiheit . « Sie konnte damals einschlafen , ohne sich schwer zu machen . Der Ausdruck In-den-Schlaf-fallen paßt nicht für dieses Mädchenjahr . Schlaf war etwas , was mit einem stieg , und von Zeit zu Zeit hatte man die Augen offen und lag auf einer neuen Oberfläche , die noch lang nicht die oberste war . Und dann war man auf vor Tag ; selbst im Winter , wenn die anderen schläfrig und spät zum späten Frühstück kamen . Abends , wenn es dunkel wurde , gab es ja immer nur Lichter für alle , gemeinsame Lichter . Aber diese beiden Kerzen ganz früh in der neuen Dunkelheit , mit der alles wieder anfing , die hatte man für sich . Sie standen in ihrem niederen Doppelleuchter und schienen ruhig durch die kleinen , ovalen , mit Rosen bemalten Tüllschirme , die von Zeit zu Zeit nachgerückt werden mußten . Das hatte nichts Störendes ; denn einmal war man durchaus nicht eilig , und dann kam es doch so , daß man manchmal aufsehen mußte und nachdenken , wenn man an einem Brief schrieb oder in das Tagebuch , das früher einmal mit ganz anderer Schrift , ängstlich und schön , begonnen war . Der Graf Brahe lebte ganz abseits von seinen Töchtern . Er hielt es für Einbildung , wenn jemand behauptete , das Leben mit andern zu teilen . ( » Ja , teilen - « , sagte er . ) Aber es war ihm nicht unlieb , wenn die Leute ihm von seinen Töchtern erzählten ; er hörte aufmerksam zu , als wohnten sie in einer anderen Stadt . Es war deshalb etwas ganz Außerordentliches , daß er einmal nach dem Frühstück Abelone zu sich winkte : » Wir haben die gleichen Gewohnheiten , wie es scheint , ich schreibe auch ganz früh . Du kannst mir helfen . « Abelone wußte es noch wie gestern . Schon am anderen Morgen wurde sie in ihres Vaters Kabinett geführt , das im Rufe der Unzugänglichkeit stand . Sie hatte nicht Zeit , es in Augenschein zu nehmen , denn man setzte sie sofort gegen dem Grafen über an den Schreibtisch , der ihr wie eine Ebene schien mit Büchern und Schriftstößen als Ortschaften . Der Graf diktierte . Diejenigen , die behaupteten , daß Graf Brahe seine Memoiren schriebe , hatten nicht völlig unrecht . Nur daß es sich nicht um politische oder militärische Erinnerungen handelte , wie man mit Spannung erwartete . » Die vergesse ich « , sagte der alte Herr kurz , wenn ihn jemand auf solche Tatsachen hin anredete . Was er aber nicht vergessen wollte , das war seine Kindheit . Auf die hielt er . Und es war ganz in der Ordnung , seiner Meinung nach , daß jene sehr entfernte Zeit nun in ihm die Oberhand gewann , daß sie , wenn er seinen Blick nach innen kehrte , dalag wie in einer hellen nordischen Sommernacht , gesteigert und schlaflos . Manchmal sprang er auf und redete in die Kerzen hinein , daß sie flackerten . Oder ganze