Abschied noch den Rat , sich diesem Soldaten nicht zu widersetzen , der Ihn ins Laboratorium bringen wird . Laß Er sich jetzo die Hände fesseln . « Entsetzt blickte ich nach dem Soldaten , der einen Strick in der Hand hielt und Miene machte , ihn anzuwenden . Ich stürzte zum Fenster und schrie aus voller Kehle : » Hilfe ! Hilfe ! « Aber da hatte mich der Soldat auch schon gepackt , blitzschnell meine Hände gefesselt und einen Knebel in meinen Mund gezwängt , daß mir das Schreien verging . Gebieterisch streckte der Mönch den Arm nach der Tür , und der Soldat zerrte mich fort . Ich mußte neben ihm die Treppe hinuntergehen und in einem Wagen , so im Hofe mit Pferden bespannt unser harrte , an seiner Seite Platz nehmen . Gleich darauf fesselte mir der Soldat auch die Füße und verband meine Augen . Die Wagentür ward zugeschlagen , und wir fuhren eilig ab . Außerstande , mir zu helfen , ergab ich mich in mein Schicksal . Daß wir die Moldaubrücke passierten , verriet das Rauschen des Flusses , dann ging es bergan . Als kein Laut von Menschen mehr , nur Wipfelsäuseln zu vernehmen , tat der Soldat das Tuch von meinen Augen und erlöste mich vom qualvollen Knebel , wofür ich ihm meinen Dank sagte . Nachdem wir eine Stunde durch Wald gefahren waren , wurden mir die Augen aufs neue verbunden , ich vernahm nahes Hundegebell und Hähnekrähen , und merkte , daß wir durch ein Dorf kamen . Wieder im Walde , ward ich von der Binde frei , und der Soldat gab mir aus mitgenommenem Vorrate zu essen und zu trinken , genoß auch selber davon . Als die Sonne hinter die Tannenwipfel sank , wurden noch einmal meine Augen verhüllt , und ich merkte bald darauf am dumpfen Widerhall und Klappern der Hufschläge , daß wir durch ein Tor in einen gepflasterten Hof fuhren . Dann hielt der Wagen , mir wurden die Augen frei gemacht und die Fesseln abgenommen . Aus dem Wagen gestiegen , sahe ich mich um und war im Hofe einer Burg , deren Tor hinter uns zugetan und von Soldaten bewacht war . Mein Begleiter übergab mich einem Manne , der in der Rechten einen entblößten Degen , in der Linken einen Bund Schlüssel hatte und mit einem scharfen Blicke mir gebot , fürder seinen Weisungen zu folgen . Während der Soldat zurückblieb , führte mich mein Vogt ein paar Treppen hinan in einen langen düstern Gang und schloß an dessen Ende eine Tür auf : » Hier wird Er hausen . « Mein Gemach war geräumig und von wohnlicher Einrichtung . Hatte ein stattlich Himmelbett , einen runden Tisch von Eichenholz , geschnitzte Stühle und einen Polstersessel . Tröstlich ward mein Herz berührt , als ich an der Wand ein Gestell voller Bücher bemerkte . Das Fenster führte in den Burghof und war stark vergittert . » Sogleich wird der Herr sein Nachtmahl erhalten , mag Er inzwischen das Laboratorium betrachten , es liegt hier nebenan . « Hierauf verließ der Vogt mein Gemach , nicht ohne es zu verschließen . Ich begab mich in das Laboratorium und nahm in der Abenddämmerung seine Hauptteile wahr . Ein Kreuzgewölbe mit zwo steinernen Säulen . Die vergitterten Fenster führten zum Burghof . Am einen war ein großer Tisch mit Retorten , Tiegeln , Phiolen . Längs der Wände gingen Gestelle , und in Büchsen , Kästen , gläsernen Gefäßen waren Minerale und Lösungen . In der Ecke hatte es Mörser verschiedener Größe . Staunend trat ich an den seltsamen Schmelzofen . Aus gebranntem Ton war er geformt , in Gestalt des biblischen Behemot oder Nilpferdes . Die Feuerung ward eingeführt durch des Ungeheuers Maul . Auf dem Rücken war eine Stätte für den großen Kessel . Um sie zu erreichen , mußte man mehrere Stufen empor zu einer gemauerten Erhöhung steigen . Des Tieres Hinterteil ging ins Gemäuer zum Schornstein . Auffallend war noch , daß zwischen den Nüstern des Behemot der Buchstabe A , auf der Hüfte aber ein Z stund . Wieder in meinem Gemache , erhielt ich Speise und Wein . Dann eröffnete mir der Burgvogt , er werde mir in all meinen Wünschen gefällig sein , so zur Beförderung der chymistischen Arbeiten dienen ! Meine Wohnung dürfe ich einstweilen nicht verlassen , später aber zum Lustwandeln den Burghof verwenden , falls es der Pater Aloisius gestatte . Einförmig gingen mir die Tage hin . Ich wußte zunächst nichts anzufangen , als die Bücherei zu durchstöbern . Fand mehrere Schriften über göttliche Dinge und menschliche Weisheit . Hinein versunken , fühlte ich mich für Stunden frei , und die philosophische Materie paßte besser für meinen Seelenzustand als das Studium der Chymisten . Die Goldmacherei war mir dermaßen zuwider , daß ich in den ersten Wochen das Laboratorium mied . Meinen Vogt , der mich zur Rede stellte , betrog ich mit der Ausflucht , es tue mir zuvörderst das Studium alchymistischer Bücher not , deren Rezepte ich später durch die Tat erproben werde . Daß in schlaflosen Nächten Gram mich heimsuchte , ist aus der Natur eines Menschen verständlich , der erst dreiundzwanzig Sommer zählte und die Beraubung der Freiheit zum allerersten Male empfand . Manchmal hatte ich solch Mitleid mit mir selbst , daß ich in Tränen ausbrach und , die Hände zusammengekrampft , gen Himmel flehte , er möge mich doch durch ein Wunder erretten , möge mir einen Ausweg ins Freie weisen . Allmählich sammelte ich meine inneren Kräfte , daß mir der Kummer weniger anhaben konnte . Zur Erbauung gereichte mir das Andenken an Waldhäuser . In tiefer Meditation prüfte ich seine Worte über die geistige Bedeutung der Alchymie und setzete mir ernstlich für , im Laboratorio meiner Seele meine Triebe und Leidenschaften zu läutern und zu edlerem Metalle umzuwandeln . Was mir dabei zustatten kam und innigen Trost spendete , waren dichterische Versuche .