ist die Geldaristokratie , und wahrlich , meine Herren , sie ist noch platter und prosaischer , sie hat nicht einen Funken von Poesie , und gerade das Extrem des Adels , das trostlose Geschäft , schwingt sich im Gewande der Industrie auf den Thron ; mir schaudert vor dieser neuen , bloß rechnenden Herrschaft , wo die Herzen nichts mehr gelten . « Ich gab ihm recht und gestand zu , daß wir sehr auf der Hut sein müßten , uns den Sieg nicht stehlen zu lassen , den Sieg der Bildung . » Immer aber , « fuhr ich fort , » ist das doch ein großer Schritt weiter , wenn der Erbaristokratismus gestürzt ist , und wir vielleicht leider beim Geldaristokratismus angekommen sind , so ekelhaft dieser auch sein mag . Die nächste Morgenröte kann mir das Geld , einige Jahre können mir die Gelehrsamkeit , das Wissen bringen - keine Ewigkeit , kein Gott kann mir eine Vergangenheit , lächerliche Ahnen geben , wie sie der Adel verlangt . Und darin liegt das Fundament zukünftiger Zeit , die vielleicht jetzt in Frankreich beginnt . Alle Wege müssen offen sein zu allem - nicht unbedingte Gleichheit , aber unbedingt gleiche Befugnis zu allem , das ist die Losung des neuen Jahrhunderts . « » Erbt nicht der Sohn des Millionärs auch die Million ? « warf abgehend von meinem Schlußsatze der Graf ein . Hippolyt antwortete für mich : » Er kann sie morgen ganz oder zum Teil verlieren , und sein Nachbar kann sie gewonnen haben . Sie können Ihre Ahnen nicht verlieren , kein Nachbar kann sie gewinnen , darin ruht der Widerspruch mit der neuen Theorie : alles muß für alle erreichbar sein . « Graf Fips meinte , ich hätte der feinen Manieren nicht erwähnt , die würden nach diesen barbarischen Ansichten ganz zugrunde gehen . Ich erwiderte ihm , daß ich die feinen Manieren allerdings für ein Produkt der Zivilisation ansähe , daß ich aber keineswegs an ihren Untergang ohne den Adel glaubte . » Manches von dem , « fuhr ich fort , » was Sie , Herr Graf von Fips , so nennen , dürfte allerdings verloren gehen ; manches von dem , was der Adel darunter versteht , der aber nur eine Frucht mit schöner Schale will , die ihren Zweck durch ihr Aussehen erreicht habe , nimmer aber geöffnet zu werden brauche - die eigentlichen feinen Manieren sind ein Ergebnis der höchsten Kultur , und die meisten feinen Leute kennen sie nicht , weil sie eben nicht kultiviert genug sind . Es handelt sich dabei natürlich nicht um ein Kompliment oder diese und jene Floskel , das ist nichts als Turnüre , die durch einige Übung wie das Tanzen von jedem erlernt werden kann und erlernt werden soll , denn sie ist die Bedingung des Erscheinens , und das Erscheinen soll schön sein . Es handelt sich aber um das höchste geistige Verständnis und um die schönste und gewandteste und geeignetste Erscheinung des Geistigen . Es kommt dem sogenannten feinen Menschen nicht im geringsten darauf an , die geistigen Interessen einer Gesellschaft vor den Kopf zu stoßen , wenn er das nur mit einem zierlichen Komplimente tut - man spreche das Wichtigste , erzähle , lese das Interessanteste : ein gesellschaftliches Unding , das sich eben ereignet , bricht es ab , stört , und kein Mensch mit feinen Manieren fragt , welcher Gedanke , welche Folgerung unterbrochen worden sei - darum weil diese Manieren ihnen nur der Form , nicht der Gedanken halber da sind ; der Gedanke erzeugt bei ihnen nicht die Form , sondern die Form den Gedanken . Darum ist ihr Gipfel die Förmlichkeit , und nur die Auserwählten werden das , was die Römer formosi nannten , äußerlich schön , mehr aber nicht . Jedermann aber weiß , daß Roms größte Männer nicht die formosi gewesen sind . Das ist z.B. gute seine Manier , um Ihnen durch ein Beispiel anzudeuten , was ich darunter verstehe , dem andern durch alle Schlangenwindungen des Gedankenprozesses zu folgen , wo er strauchelt , ihm die Hand zu reichen , wo er eilt und fliegt , nachzueilen , nachzufliegen , und wenn ' s wirklich geflogen ist und man artig sein will , dies bemerken - alle geistigen oder sonstigen Interessen des anderen zu den eigenen machen und mit Teilnahme verfolgen , der geistigen oder moralischen Atmosphäre , die um ihn ist , ungeteilte Aufmerksamkeit schenken - da kann manches Äußere , eine herabgefallene Nadel , ein Zwirnknäuel übersehen werden ; wenn man dem Besten des Menschen sich anschmiegt , so hat man die besten Manieren , alles andere ist angenehme Zugabe . « » Wird es aber zur Hauptsache gemacht - « setzte Hippolyt fort , - » so wird es Leerheit , Abgeschmacktheit , Unkultur , und die feinen Personen , die sich immer und nur darin wohlbefinden können , dürfen nicht zu unseren gebildeten Ständen gezählt werden , weil sie von Bildung nichts wissen und an hohlen Spielereien , an Firlefanz und Puppenkram genug haben . Und meinen Sie denn , daß jene feinen Manieren ein Prärogativ des Adels seien ? Wir haben solcher bürgerlichen Affen genug . Es ist eine lächerliche Schwäche von uns , daß wir den arroganten Titel Adel noch immer gestatten , daß wir ihn selbst in unserer Polemik noch immer gebrauchen ; man nenne es Junkerei oder ähnlich . « Man war still , wir hatten zu heftig gesprochen ; ich fürchte , unsere hiesige Gesellschaft ist der Auflösung nahe . Ich sehe durch meine Glastür Kamilla einsam wandeln - leb ' wohl für heute , ich will ernstlich zu erfahren versuchen , welcher Kummer das liebe Mädchen drückt , ich habe sie sehr gern . Leb ' wohl ! 19. Kamilla an Ludoviko . Grünschloß . Ich habe unrecht gegen Sie , Ihre gegen mich gerichteten Vorwürfe sind gerecht . Aber ehrlich und offen will ich gegen