der Nachbarin sagen konnte . Und wie sie dann mit ihm zum Schneiderfranzl ging , der zwei Anzüge anmessen mußte . Einen schwarzen dabei auf den besonderen Wunsch des Vetters , damit sich die Sache gleich geistlich ansah . Das gab ein Staunen und Bewundern , als der schwarze Rock fertig war ! Er hing dem kleinen Sylvester über die Knie herunter , die Schulternaht saß auf halber Brusthöhe , und die Ärmel streckten sich vor bis auf die Fingerspitzen . Überall war der Rock zu weit und zu lang . Aber der Schneiderfranzl sagte , so wäre es recht , und so müsse es sein . Denn die engen Röcke sähen so windig aus und paßten nicht für das studierte Wesen . Da lachte die Veronika Mang von Herzen vergnügt und freute sich über den kleinen Sohn und den großen Rock . Und dann mußte Sylvester seine schuldige Aufwartung machen beim alten Pfarrer Maurus Held . Der lachte auch , wie er den neuen Lateiner sah , und sagte : » Du schaust ja aus wie nochmal ein geistlicher Rat . Verlier nur den Mut nicht ! Discendo crescimus oder crescendo discimus muß es bei dir heißen ; im Wachsen lernen wir . Wenn dir der Rock einmal knapp sitzt , hernach bist du schon ein Gelehrter . « Und er holte sein Lieblingsbuch vom Spinde herunter , Forsteneichers Naturbilder . » Das will ich dir schenken , parvule , « sagte er , » es ist ein herrliches Buch . Darin sollst du lesen , wie brav es der liebe Gott meint mit unserer Welt . « Dann schrieb er auf die erste Seite : » Perfer et obdura , labor hic tibi proderit olim . Halte aus und arbeite , kleiner Sylvester , später wird es dir nützen . Denke zuweilen an deinen geistlichen Lehrer Maurus Held . « Wohl dachte er oft an den gütigen Mann , der ihn später fragte , ob er auch die Kraft fühle für den geistlichen Stand . » Es ist nicht immer leicht , auf dem einsamen Weg zu gehen . Manches Mal hält man den Schritt an und möchte lieber umkehren ! « Damals durfte er die Frage heiter bejahen . Er lernte gern und dachte nicht über die Schule hinaus . Oder nur so , daß er sich auf die Ferien freute . Auf das Herumschlendern in des Herrgotts grünem Wald , an der Seite des würdigen Pfarrers Held . Der fragte ihn ordentlich aus , ob er Pflanzen und Tiere kenne und die Sprache der Natur verstehen lernte aus den Schilderungen des Meisters Forsteneicher . Und Sylvester bestand die Prüfung mit Ehren . Denn ihm selber war das Buch , welches so treuherzig erzählte , lieb geworden . Und dann mußte er ihm berichten , wie das Studium vorwärts ging . Der Alte hörte lächelnd zu , wenn der Junge in Eifer kam und die Schönheit des Gelernten rühmte . » So ist es recht , parvule . Bleib nur dabei und verlier mir die Wärme nicht ! « - » Es wird einmal trockener kommen , « sagte er ein anderes Mal , » die artes liberales werden in den Winkel gestellt , wenn es über die Dogmatik und Homiletik hergeht . Vergiß darüber nicht alles , was dich jetzt freut . Libri amici optimi ; die Alten bleiben uns gute Freunde . « Und an einen Tag erinnerte sich Sylvester oft und gerne . Es war ein Sonntag im August . Nach der Kirche gingen Held und er über die Felder gegen Webling zu . Das Korn stand in der Reife . Von Hügel zu Hügel dehnte sich der goldgelbe Segen . Über den Wald herüber kam der frische Morgenwind und rauschte in den Kronen der Bäume . Dann ging er liebkosend über die Fluren . Die Halme bogen sich , und leichte Schatten liefen über das Gold vom Fuße des Hügels bis hinauf , wo die Ähren in den blauen Himmel ragten . Da nahm Maurus Held den Hut ab und sah mit leuchtenden Augen in die schöne Gotteswelt . » So denke ich mir den Herrn Christus am liebsten , « sagte er , » wie er segnend durch die Felder wandelt . Und just so müßte sich das ansehen wie hier . Daß es wie ein Hauch geht über die Halme , die sich ehrfürchtig beugen vor des Menschen Sohn . Vor der Menschen Freund , parvule , der die Armut weihte und den Reichen den Himmel verwehrte ; das haben wir von ihm als besten Gewinn , daß er das Leben der Kleinen und die Arbeit verklärte . Die Menschen wissen es freilich nicht mehr und die am wenigsten , welche seine Lehre den Fürsten und Herren mundgerecht machen . Auch du kannst mich heute nicht verstehen , parvule . Nein , nein ! Später einmal , wenn dir die tiefe Weisheit klar wird , daß aus dem alten Fluche ein Segen wurde . Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen ! « Sylvester verstand den Alten nicht , aber er dachte wohl , daß es gut sei , wie alles , was er sagte . Er hing mit gläubiger Verehrung an dem Manne , und es war sein erster großer Schmerz , als ihm die Mutter nach Freising schrieb , die Woche vorher sei Pfarrer Held nach längerem Leiden gestorben . Das war wenige Monate nach jenem Sonntage . Als Sylvester zu Ostern heimkam , war sein erster Gang in den Friedhof . Da stand auf prunkvoller Marmortafel der Name Maurus Held . Und darunter der Satz : » Er lebte einzig seinem Gotte und fand sein Labsal nur im Gebete . « Seine wohlhabende Schwester hatte ihm dieses Denkmal gesetzt , das jedem in die Augen fiel . Sylvester war nicht zufrieden damit . Am wenigsten mit der Inschrift . Er wußte es besser als viele , daß der heitere Mann seine Erholung nicht ausschließlich im Gebetbuche