mit geronnenem Blut bedeckt war , zu waschen und zu verbinden , Rosa in warme Decken zu hüllen und auf ihrem Lager sorglich zu betten . Nach einiger Zeit fing die rückkehrende Wärme an , das todähnliche Gesicht etwas zu beleben ; Rosa schlug die Augen auf , sah matt umher , schloß sie aber gleich wieder und gab kein Zeichen des Bewußtseins . Der Tag war inzwischen vollends angebrochen ; Vittoria schickte den Bruder , die Signora Amadei zu benachrichtigen , andere Kleider für Rosa herbeizuschaffen und einen Arzt zu rufen . Sie blieb bei der Verwundeten und endlich gelang es ihren Bemühungen , diese vollends erwachen und zum Bewußtsein zurückkehren zu sehen . Doch nur nach und nach besann sich Rosa auf das Erlebte und fand sich mit ihren Gedanken in ihrer Umgebung zurecht . Ein matter Strahl von Freude flog über ihr Antlitz , als sie sich in Vittorias Händen fand und bald genug stellte es sich heraus , daß sie dort vorerst werde bleiben müssen ; denn als der Arzt erschien , erklärte er sie für sehr krank ; das heftigste Fieber stellte sich ein , und sie zu transportieren wäre Gefahr für sie geworden . Zudem erschien die Signora Amadei in voller Entrüstung über die » Streiche Rosas « , wie sie es nannte , in der Nacht fortzurennen , ohne sie zu benachrichtigen und wer weiß was zu beginnen , einem fremden Prinzen nachzulaufen . Sie habe es immer gesagt , daß diese Vertraulichkeit schlimm enden werde ; nun sei Rosas Ruf auf immer verloren und sie müsse sich schämen , ihre Beschützerin gewesen zu sein . Aber sie werde es auch laut erklären , daß sie sich von der leichtsinnigen Person lossage ; schon fange man an , darüber zu reden , daß Rosa die Geliebte des Prinzen gewesen und in der Nacht zu ihm gelaufen sei , weil der Prinz eilig Rom habe verlassen müssen , um in seine Heimat zurückzukehren . Alles dies schrie sie hervor in häßlichstem Zorn , vor Rosas Bett stehend , die in furchtbarer Qual die Augen schloß und ihrem Eifer nicht wehren konnte , bis Vittoria , die aus dem Zimmer gewesen war , eintrat und die Wütende ohne weiteres zum Zimmer hinausschob , indem sie in gerechter Entrüstung ihr Betragen tadelte . Die Amadei höhnte sie , daß eine Popolana es wage , ihr Verweise zu geben und eilte weg . Der Eindruck , den dieser Vorgang und die Gewißheit trauriger Verleumdung auf Rosa gemacht hatten , zeigte sich bald in erhöhtem Fieber , das in Delirium ausartete und sie wochenlang zwischen Leben und Tod erhielt . Vittorias aufopfernde Liebe wachte über ihr mit mütterlicher Sorgfalt ; sie hatte ihr kleines Heim für Rosa eingerichtet , so gut es gehen wollte , sie schlief neben ihr auf der Erde , um sie auch in der Nacht keinen Augenblick zu verlassen . Beppo mußte den Laden und das Geschäft besorgen . Die Amadei war fort mit dem größten Teil der Einnahmen , die Rosa gehörten . In Rom sprach man einige Tage lang von nichts anderem als von der plötzlichen Abreise des Prinzen und dem rätselhaften Verschwinden der Improvisatrice , das man damit in Verbindung brachte . Einige behaupteten , er habe sie mitgenommen , andere sagten , sie habe sich getötet aus Schmerz über sein Fortgehen . Daß auch die schöne Herzogin gleichzeitig mit dem Gemahl abgereist war , erregte zuerst einiges Bedenken , wurde aber durch des Kardinals Fürsorge in ganz natürlicher Weise erklärt und weiter nicht beachtet . Bald verfiel jedoch das alles der Vergessenheit , wie es zu gehen pflegt , und neue Vorkommnisse beschäftigten die müßige Neugier und das skandalsüchtige Publikum . Es war wieder Frühling in Rom . Seit jenen Ereignissen waren mehrere Jahre verflossen . Vittoria war noch immer die schöne , ernste , tätige Frau , als die wir sie früher gekannt haben . Ja , sie hatte ihre Tätigkeit verdoppelt und ihre Bottega wurde vom Morgen bis zum Abend nicht leer von Kaufenden , da ihre Ware immer die frischeste und beste im ganzen Stadtviertel war . Die Nachbarn , die Ähnliches feilboten , sagten oft : » Die Vittoria muß bald reich sein , die bekommt Quattrini ! « - Aber niemand neidete es ihr , denn sie war die rechtschaffenste Frau ihres Gewerbes und dabei gern hilfreich und erbarmungsvoll gegen fremde Not . Viele Männer hatten Wohlgefallen an der stattlichen Witwe gefunden und versucht , sich ihr zum Ersatz für den früh verlorenen Gatten anzubieten ; doch hatte sie alle derartigen Versuche freundlich , aber bestimmt abgewiesen , und wenn man sie fragte , warum sie es vorziehe , allein zu bleiben , und scherzend hinzusetzte , was sie denn mit all ihren Quattrinis anfange , da antwortete sie jedesmal , sie sei nicht allein und habe schon jemanden , für den sie sorgen müsse . Da sie aber streng zurückhaltend in ihrem Benehmen war und nie jemanden aufforderte , in ihre Wohnung zu kommen , so wußte man nicht recht , was es damit für eine Bewandtnis habe , und nach und nach ließ man sie in Ruhe und bekümmerte sich nicht mehr darum . Sie aber , wenn sie gegen Abend ihre Bottega schloß , ging nie nach Hause zurück , ohne irgend etwas einzukaufen , das nicht bestimmt schien , einem Bedürfnis abzuhelfen , sondern eher als etwas Überflüssiges , aber Angenehmes Freude zu machen : ein Buch oder hübsches Schreibpapier und dergleichen oder auch nur ein Stück feine Seife , eine kleine Näscherei usw. Kam sie dann nach Hause , so gab sie ihrem Gesicht den freundlichsten Ausdruck , obwohl ihr Sorge tief im Herzen saß ; sie trat in ihr früheres Zimmerchen ein , das sie so freundlich wie möglich eingerichtet hatte und in dem jetzt eine Ordnung und Reinlichkeit , ja eine einfache Anmut herrschten , die darauf deuteten , daß hier nicht die beschäftigte Frau des mühsamen Erwerbes