Erde , alles war mit Steinen bedeckt . Über eine Brücke ging er , aber auch die Ufer des Flusses waren mit Steinen vermauert . Da fiel ihm ein , daß in dieser Stadt ein Kind geboren werden konnte und aufwachsen , das gar nicht wußte , wie Erde aussieht , und wie ein Wald und ein Kornfeld und eine Wiese aussieht ; und als er das dachte , hatte er ein großes Mitleid mit sich selbst . So ging er , und die Füße taten ihm weh und die Schultern , und ein Ring lag ihm um die Stirn , und war ihm , als habe er sich ausgeweint und könne nicht mehr weinen . In solcher Verfassung blieb er , indem es begann zu dunkeln , und die Laternen wurden angesteckt und die Läden mit stechendem Licht erleuchtet , und die Menschen rasten immer gleichgültig vorbei . Am Ende trat er aus Müdigkeit in eine Wirtschaft , und weil er sich graute vor seinem Zuhause und es zudem doch noch am Anfang des Semesters war , so beschloß er , hier in der Wirtschaft zu Abend zu essen und nicht zu Hause , und wollte hier so lange bleiben , bis es spät genug war , daß er zu Bette gehen konnte . Eine Kellnerin brachte , was er bestellte und setzte sich dann zu ihm an seinen Tisch , indem sie sagte , er sei gewiß erst seit kurzem in Berlin , und dann erzählte sie , ihr gefalle es sehr gut hier . Hans antwortete in der Weise , wie er gewohnt war , mit allen Menschen zu sprechen ; da stand sie plötzlich auf , mitten in seinem Satze , in einer Art , als sei er ihr ganz verächtlich , und nachher war sie ganz fremd zu ihm , als habe sie nie freundlich an seinem Tische gesessen . Inzwischen füllte sich die Wirtschaft mit Gästen , und die meisten taten sonderbar vertraulich zu den Kellnerinnen , und es war , als ob alle , die hier in dem rauchigen und niederen Raum saßen , miteinander nahe bekannt seien . Nach einer Weile setzte sich an Hansens Tisch ein junger Mann , der aussah wie ein Künstler ; dem brachte die Kellnerin ein Glas Bier und zwei Butterbrote , die aß er gierig , als sei er sehr hungrig . Wie er mit dem Essen zu Ende war , knüpfte er ein Gespräch an und erzählte , er wolle eine Operette komponieren und spiele hier in der Wirtschaft abends Klavier , wofür er fünfzig Pfennige und das beschriebene Abendbrot erhalte ; aber von diesem Erwerb könne er nicht leben , und wenn nicht die gutherzigen Kellnerinnen wären , so müßte er verhungern , und seine Operette würde viel besser werden wie der » Zigeunerbaron « . Wie Hans antwortete , daß er dieses Werk nicht kenne , vertiefte sich der andre in musikalischen Erörterungen , und zwischenhindurch klagte er bitter über das Los der Künstler in der heutigen Gesellschaftsordnung . Am Ende verbeugte er sich mit großer Eleganz vor Hans , daß dieser sehr verlegen wurde , und ging zum Klavier , setzte sich , fuhr mit den Fingern durch sein langes und dichtes Haar und begann mit großer Geläufigkeit Tänze zu spielen ; sein Spiel schien Hansen aber ganz seelenlos , obschon das Pianino viel besser war wie des Lehrers im Dorfe altes Klavier . Bald darnach fragte die Kellnerin Hansen , ob sie dem Klavierspieler ein Glas Grog bringen solle , weil er sich doch mit ihm unterhalten habe , und indem Hans dachte , das müsse wohl so sein , bejahte er die Frage , aber er schämte sich doch sehr für den Musiker . Dieser nahm das Glas , wendete sich zu Hans , nickte ihm dankend zu , führte es an den Mund und fing dann gewandt einen neuen Tanz an . Den ganzen Abend quälte sich Hans mit dem Gedanken , daß er nachher der Kellnerin ein Trinkgeld geben sollte , denn das kam ihm unzart und beleidigend vor , weil es nicht mit Herzlichkeit geschehen konnte und deshalb keine Freundlichkeit war , die den Empfänger zu ihm in solche menschliche Beziehung brachte , daß dessen menschliche Würde die gleiche bliebe , sondern er hatte das Gefühl , daß er das Mädchen dadurch unter sich drückte , ebenso wie am Mittag den Kellner und vorhin den Musiker . Viel Schmutz muß ein Mensch erst an seinen weißen Kleidern haben , bis er gleichmütig das Geldstück in die vorgestreckte Hand eines dienernden Menschen gleiten läßt und unbewußt jede Liebenswürdigkeit , die ihm ein Niedrigerstehender erwiesen , durch eine kleine Münze vergilt , statt durch einen einfachen Dank ; und nicht nur seinen Bruder zieht er herab , sondern auch sich selbst . Wie Hans den peinlichen Augenblick überstanden hatte und sich zum Gehen wendete , verspürte er mit den geschärften Sinnen , die ein Mensch innerhalb einer feindlichen Umgebung hat , daß die Kellnerin sich hinter seinem Rücken gegen eine andre über ihn lustig machte , wie schon einmal an dem Tage die Wirtstochter gegen ihre Mutter getan . So wurde immer stärker das Bewußtsein in ihm , daß er lächerlich und dumm sei , und alle andern Leute waren viel gewandter , klüger und erfahrener wie er ; denn solange wir die Welt noch nicht kennen , wissen wir die sittlichen Gegensätze nicht zu verstehen und beurteilen und halten sie für Gegensätze des Verstandes und der Erfahrung , und ist das einer der Gründe , weshalb mancher junge Mensch schlecht wird , der von Natur nur oberflächlich war . Langsam und müde ging Hans heimwärts , und war es eben nach zehn Uhr , wie er an sein Haus kam , und deshalb war es schon dunkel auf den Treppen , aber er tastete sich schnell am Geländer nach oben . Als er fast oben angekommen , trat er auf einen Menschen , der dalag . Wie er