das helle Unterholz , die Stadt und die Menschen schienen so weit fort . » Ja , mit vollen Kräften möchte ich auch an die Arbeit kommen , wenn ich endlich komme . Was für Jahre habe ich schon verloren . « » Hast du jetzt an Allersen geschrieben ? « fragte Reinhard , und sie wurde etwas verlegen . » Nein , aber in den nächsten Tagen - sowie ich dort draußen bin . « » Es muß geschehen - Ellen , manchmal begreife ich dich nicht recht . Er muß doch erfahren , daß du ihm nicht mehr gehörst . « » Ach - das weiß er schon lange - er hat die ganze Zeit nur hier und da ein paar flüchtige Worte von mir - und es ist so schwer . « » Was ist schwer ? « » So über einen Menschen hinwegzugehen . Ihm plötzlich sagen : Alles ist aus . Das quält mich dann wieder , und ich möchte jetzt an nichts Quälendes denken . « Reinhard richtete sich auf , und sie sah jetzt , daß er ernstlich unzufrieden war : » Nein , Ellen , darin mußt du noch anders werden , endlich einmal lernen , klar gegen dich selbst zu sein . Du hast diese sonderbare Neigung , alles Unangenehme von dir fortzuschicken , bis es von selbst über dich kommt , und dann würdest du am liebsten noch fortlaufen , um es los zu sein . « » Das kommt von meinem ganzen bisherigen Leben . Denk dir einmal : wenn man durch Jahre immer in der Erwartung lebt : was wird morgen geschehen ? Ich fahre heute noch zusammen , wenn die Post kommt oder die Haustür klingelt . « » Armes Kind - ich weiß es ja auch . Und es soll meine Hauptsorge sein , daß dein Leben jetzt wirklich einmal aufblüht . Aber über dies Letzte mußt du jetzt noch weg - die letzten Hindernisse nehmen , Ellen - . « Dann sprach er davon , daß sie doch heiraten wollten , über kurz oder lang , denn wann es sein konnte , ließ sich nach seiner unsicheren Praxis noch nicht sagen . Ellen wurde etwas unruhig dabei , ihr war , als schöbe sich wieder eine graue Wolke über ihren hellen Himmel hin . » Ach , Reinhard , warum müssen wir denn gleich wieder an Verloben und Heiraten denken ? Ich habe einen förmlichen Schrecken vor dem bloßen Wort . Und dann muß ich auch jetzt erst einmal ganz ins Blaue hineinleben - ich muß wenigstens vier , fünf Jahre ganz für mein Studium haben , das geht allem andern vor . « » Auch mir und unserm Glück ? « » Das darf dir nicht weh tun , und du darfst es nicht verkehrt verstehen . Wenn ich in der Kunst nicht zu dem komme , was ich will , kann ich dich auch nicht glücklich machen und nicht glücklich sein . « » Ellen , du sollst ja deine Kunst haben und alles , was ich dir schaffen kann . Und ich werde nie verlangen , daß du sie aufgibst , um eine gute Hausfrau zu werden . Siehst du , ich habe mir das alles überlegt - vor dem nächsten Frühjahr können wir nicht an Heiraten denken , ich fasse es auch nicht so auf , daß man nun festgeschmiedet ist . Ich will damit zufrieden sein , wenn du immer ein halbes Jahr bei mir bist und die übrige Zeit dich in Berlin oder München weiterbildest . - Wie weit denkst du überhaupt mit deinen sechshundert Mark zu reichen , in diesem Jahr werde ich dir so gut wie gar nicht helfen können . « » Ach , das findet sich alles , wenn ich nur erst dort bindu bist so gut , Reinhard « , - ihr war immer noch etwas beklommen - » aber jetzt wollen wir das noch erst mal ruhen lassen , nicht wahr ? « Als Ellen in dem kleinen Badeort ankam , regnete es in Strömen . Nachmittags kam ein Telegramm von Allersen , das Lisa ihr nachgeschickt hatte : » Warum so lange keine Nachricht , bin in Unruhe ? « So setzte sie sich in der niedrigen Bauernstube an den Tisch und schrieb einen langen Brief an ihn , während schwere Tropfen an die Scheiben schlugen und die Kühe draußen in den Wiesen dumpf gegen den Himmel brüllten . Sie wurde traurig und nachdenklich dabei - wieder etwas , das sich von ihr loslöste , und es schien ihr eine ewige Wiederholung , daß sie Liebe wollte und Liebe nahm und im Grunde doch immer nur an sich selbst dachte - geliebt sein wollte , aber ohne etwas dafür hinzugeben . Nun lag auch das hinter ihr , das letzte , was sie an die Vergangenheit band . Jeden Sonntag fuhr sie in die Stadt zu Reinhard und wohnte jedesmal in demselben Hotel , das seiner Wohnung gegenüberlag . Die Leute kannten sie schon und lächelten , wenn Ellen mit ernster Miene ein Balkonzimmer nach Norden verlangte . Reinhart holte sie von der Bahn mit seinem übermütigsten Gesicht , und sie drängten sich zusammen durch das sonntägliche Gewühl , um in den Wald hinauszukommen . Draußen in ihrem Badeort lebte Ellen anfangs ganz für sich allein . Ihr war , als ob das Leben jetzt Flügel bekommen hätte , die sie hintrugen , wo es schön und sonnig war . Malen , den ganzen Tag malen , oder ein Boot nehmen , stundenlang auf den Wellen umhertreiben , ohne sich um Zeit und Stunde zu kümmern , mit dem wundervollen Gefühl , daß kein Mensch auf der weiten Welt ihr mehr dreinredete . An ihrem Mittagstisch waren meist langweilige Ehepaare und einzelne Damen , dann kam noch ein älterer , kränklicher Herr dazu , mit dem Ellen bald Freundschaft schloß . Er wußte die ganze Gesellschaft durch seine bissigen Bemerkungen und schlimmen