er mir beantworten sollte . Ich wollte ihn durch sie zu der Bitte ermuntern , nicht streng mit ihm und seinen Leuten zu verfahren ; er zog es aber vor , sich in ein so trotziges Schweigen zu hüllen , daß ich den wohlgemeinten Versuch aufgab und an meinen Platz zurückkehrte . Da richtete nun der Scheik das Wort an mich : » Sihdi , halte es nicht für Herzenshärtigkeit ! Es ist die Furcht vor dir , die diesem Manne die Worte raubt ! « » Verteidigst du ihn abermals ? « antwortete ich . » Nein . Nur suche ich mir sein Schweigen zu erklären . Welches Urteil werdet ihr wohl über ihn und seine Leute fällen ? « » Das weiß ich nicht . Ich muß darüber mit Hadschi Halef sprechen . « » Und wo soll es ausgeführt werden ? « » Da wo wir uns befinden , wenn es gesprochen wird . « » Also daheim in meinem Lager ! « » Warum dort ? « » Weil ich euch eingeladen habe , uns dorthin zu begleiten . Sag , ob ihr uns diesen Wunsch erfüllen werdet ! « » Ich bin bereit dazu , damit ihr seht , daß wir nicht so undankbar sind , wie du zu denken scheinst . « » Verzeih mir das ! Wir , die wir hier zwischen den Bergen wohnen , achten nicht auf die künstlichen Regeln der Städtebewohner , nach denen sich ihre Höflichkeit richtet . Ihr werdet als unsere willkommenen Gäste alles finden , was euch von nöten ist . Und das , was ihr bei uns über diese Diebe beschließet , wird von uns genau so ausgeführt werden , wie ihr es von uns fordert . « » So bist du erbötig , die Ausführung unseres Urteils zu übernehmen ? « » Ja . Nur möchte ich wissen , worin die Strafe bestehen wird . Etwa im Tode ? « » Nein , keinesfalls . « » Was sonst ? « » Hiebe ! « Dieses Wort sagte ich nicht , sondern es klang aus Halefs Munde . Er hatte also gehört , was von uns gesprochen worden war . » Hiebe ! « wiederholte er , ohne aber die Lage seines Körpers zu verändern . » Wieviel ? « fragte der Scheik . » Jeder zehntausend ! « » Allah ! Das ist zu viel ! « » Nein , sondern zu wenig ! « » Das würde doch schlimmer als der Tod sein . Kein Mensch hält zehntausend Hiebe aus ! « » Das soll er auch nicht ! Und von den beiden , die sich an unseren Pferden vergriffen haben , bekommt jeder zwanzigtausend ! « » Höre ich recht ? « » Ja . Aber wenn es dir zu wenig ist , so will ich sagen - - dreißigtausend ! « Er richtete sich halb auf , machte mit dem Arme die Bewegung des Schlagens und sank dann wieder nieder . » Allah beschütze ihn ! « sagte der Scheik . » Er ist krank ; er hat die Suchuna . Die Glut des heißen Fiebers fließt ihm durch die Adern ! « Ich griff nach Halefs Hand , um nach dem Puls zu fühlen . Ja , er fieberte ! Der Scheik fuhr fort : » Hoffentlich spricht er anders , wenn das Fieber vorüber ist . Die Diebe sollen die ihnen gebührenden Schläge bekommen ; aber sie durch die Bastonnade langsam zu Tode zu martern , könnt ihr doch nicht wollen . « Ich durfte weder ja noch nein sagen , weil ich mich zu hüten hatte , Halef aufzuregen , benutzte aber diese Gelegenheit , eine mir nötig scheinende Vorbereitung zu treffen : » Das Urteil wird gefällt werden , wenn wir bei euch angekommen sind . Ihr habt doch wohl einen Tachtirwan44 im Lager ? « » Mehrere . Warum fragst du ? « » Der beiden Verletzten wegen . Es würde unmenschlich sein , sie reiten zu lassen . « Da fiel der Scheik viel schneller , als ich erwartet hatte , ein : » Sie sollen im Tachtirwan nach dem Lager gebracht werden ? « » Ja . « » Meinst du , daß ich einen Boten sende ? « » Ja . « » Sogleich ? « » Je eher desto besser . Wenn es möglich ist , so laß zwei Sänften kommen ! « Ich hatte es mit einer dieser Sänften auf Halef abgesehen , welcher unmöglich in den Sattel konnte , wenn sein Zustand der jetzige blieb . Das wußte der Scheik nicht , und darum wunderte ich mich nicht über das Lob , welches er mir spendete : » Die Güte deines Herzens gedenkt sogar , den Feinden größere Erleichterung zu bieten , als eigentlich nötig ist . Ein Tachtirwan genügte wohl für beide , doch da es dein Wille ist , so will ich nach zweien schicken , und zwar sogleich . « Er gab einem seiner Leute den betreffenden Befehl , worauf dieser Mann zu seinem Pferde ging und von dannen ritt . » Ich sprach von deiner Güte , nicht von der meinigen , « knüpfte der Scheik das unterbrochene Gespräch wieder an . » Und doch hätte ich auch von dieser letzteren reden können . Weißt du , zu welchem Stamm diese Leute gehören , welche euch bestohlen haben ? « » Nein . « » Sie sind Dschamikun . Allah verdamme sie in die tiefste Hölle hinab ! « » Sind die Dschamikun Feinde deines Stammes ? « » Nicht nur Feinde , sondern Todfeinde ! Es ist Blut , unaufhörlich Blut geflossen zwischen uns und ihnen , seit man die Namen dieser beiden Stämme kennt . Erst kürzlich wieder ist an uns ein Verbrechen begangen worden , welches zu Allahs höchstem Himmel schreit . Ich will dir nicht jetzt davon erzählen . Du wirst davon hören , wenn wir heimkommen . Wenn ich solche Leute