« Und diese Worte , welche ewig bleiben , sind die Worte von der Liebe , von der Liebe des Vaters , dessen Kinder wir sind für Zeit und Ewigkeit . Bist du ein guter Mensch , so schau hinauf zum Himmel und sag : Hast du nicht jeden einzelnen dieser lichten Sterne lieb ? Sag » Nein « , wenn du es vermagst ! Höre die Worte , welche einst nach meinem Tode mit meinen andern Gedichten veröffentlicht werden : Ich fragte zu den Sternen Wohl auf in stiller Nacht , Ob dort in jenen Fernen Die Liebe mein gedacht . Da kam ein Strahl hernieder , Hellleuchtend , in mein Herz Und nahm alle meine Lieder Zu dir , Gott , himmelwärts . Ich fragte zu den Sternen Wohl auf in stiller Nacht , Warum in jene Fernen Er sie emporgebracht . Da kam die Antwort nieder : » Denk nicht an irdschen Ruhm ; Ich lieh dir diese Lieder ; Sie sind mein Eigentum ! « Ich fragte zu den Sternen Wohl auf in stiller Nacht : » Gilt denn in jenen Fernen Auch mir die Himmelspracht ? « Da klang es heilig wieder : » Du gingst von mir einst aus Und kehrst wie deine Lieder Zurück ins Vaterhaus ! « Schau , so fest und sicher ist mein Glaube , so unerschütterlich und freudig mein Vertrauen , daß diese Sterne wohl leichter ihr Licht verlieren , obgleich ihr Dasein nach Jahrmillionen zählt , als daß ich , das noch nicht sechzig kurze Jahre alte Menschenkind , von meiner Zuversicht zum Vater lassen würde , in dessen Haus auch mir ein Platz bereitet ist , wenn ich mich seiner nicht unwürdig mache ! Sieh die Wüste im Glanze dieser Sterne liegen ! Geht er nicht vom Vater aus ? Oder denkst du , daß er einen andern Urquell habe , den du mit Hilfe deiner sogenannten Wissenschaft erreichen und chemisch begutächteln kannst , um ihn dann in Flaschen mit patentiertem Gummiverschluß per Reklame zum Verkaufe en gros und en détail auszubieten ? Ich sage dir , die einzige , untrügliche , also wahre Wissenschaft ist Gottes Allweisheit , und der Glanz , welcher von dieser Weisheit aus über alle Welten strahlt , kann von keines Menschen Sohn auf dem Wege der Wissenschaft bis an seinen Quell zurückverfolgt werden . Wenn Camille Flammarion , der bekannte französische Astronom , mit Hilfe des elektrischen Lichtes mit den Bewohnern des Mars sprechen will , so sind erst Vorfragen zu erledigen , die vielleicht in Jahrtausenden noch nicht beantwortet sind , und selbst wenn ihm dies gelänge , so hätte die Wissenschaft eine Linie nur bis zum nächsten äußern Planeten gezogen , was den unzählbaren Fixsternen und ihren unmeßbaren Entfernungen gegenüber nicht einmal als Anfang bezeichnet werden könnte . Es würde das ungefähr dasselbe sein , wie wenn der kleine , bewegliche Goldfisch in meinem Aquarium auf den Gedanken käme , den fernen Titicacasee einer ichthyographischen Untersuchung zu unterwerfen . Mein Halef nennt die Sterne am liebsten Ujun es Sema , Himmelsaugen , und als ich ihn einmal nach dem Grunde fragte , antwortete er : » Wenn ich in stiller Nacht unter dem glänzenden Firmamente liege , ist es mir , als schaue Allah mit tausend hellen , lieben , gütigen Sternenaugen aus dem Himmel auf mich hernieder , um mir zu sagen , daß ich in seinem Schutze ruhig und sicher schlafen könne . O Sihdi , ich habe diese freundlichen Ujun es Sema so herzlich lieb ! « Wenn dann der Mond erscheint und seinen lichten Schein mit ihren Strahlen vermählt , so liegt es wie ein durchsichtiges Meer von flüssigem Silber , dessen Kräuselungen im herrlichsten Perlmutterglanze flimmern , über die Wüste ausgebreitet . Ein so magisches , zauberisches Licht besitzt der Mond nirgend anderswo . In der bewegten Luft schweben seine Strahlen hin und her . Es geht die Fee der Wüste durch die helle Nacht . Der Saum ihres Gewandes streift leise über den Sand ; ein Heer von Elfen fliegt umher , die Mondesstrahlen einzufangen , um die Gebieterin mit ihnen zu schmücken . Da werden spinnenfeine Lamettafäden zu glitzernden Shawls verwoben und mit sternleuchtenden Flimmern besetzt ; smaragdene Kette und diamantener Einschlag bilden den Schleier , lang nachwehend wie ein schimmernder Duft . Aus brillantenen Scintillen entsteht das Diadem , funkelnd in märchenhafter Pracht . So schwebt sie dahin über lunarisch mild funkelnden Filigran , schöner noch als Scheheresades herrlichster Traum . Die am Tage so öde , todesstarre Wüste ist jetzt ein herrliches , geheimnisvolles Gedicht , von dessen Versen du nur den immer wiederkehrenden Refrain verstehst : » Lobe den Herrn , meine Seele , und alles , was in mir ist , seinen heiligen Namen ! Lobet den Herrn , ihr seine Engel , all seine Heerscharen , die ihr gewaltig seid an Kraft ; vollziehet seinen Willen , die ihr seine Stimme hört ! « Vernimmst du die Lobgesänge dieser Engel ? Schließe die Augen , und lausche in dein Herz hinab ! Auch dort sind leuchtende Sterne aufgegangen , und das Licht der Gottesnähe breitet sich über die erkenntnishungrige Einsamkeit . Es werden Stimmen laut in dir ; beachte sie nur ! Sie rufen dich von deinem bisherigen Pfade ab zum Karawanenwege der Gläubigen , der nach dem Lande der Verheißung führt . Deine Seele bricht auf , ihnen zu gehorchen ; deinen müden Körper aber nimmt der Schlaf in sein Arme . Allah jebarik fik ; Allah jatik nuro ; leletak sa ' ide - Allah segne dich ; er spende dir sein Licht ; gute Nacht ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die Wüste , durch welche wir heut kamen , war ein südöstlicher Ausläufer der arabischen Nefud , welche selbst von den Eingeborenen sehr gefürchtet ist . Wir hatten Mühe ,