die Glückwünsche des Chalifen von Peking hatte Battany sofort mit den Brieftauben , die ihm Osman übergeben , nach Bagdad gesandt ; Osman konnte gleichfalls sehr vergnügt sein . Und wie sich Battany ein wenig heimisch fühlt , speist er zur Nacht bei seinem fürstlichen Freunde mit dreihundert andren Gästen in einem riesengroßen Saale . Die andren Gäste sind Araber aus Benares , Brahminen und indische Gelehrte . Ein paar tausend Sklaven bedienen . Die Zahl der Gerichte ist nicht zu zählen . Battany ist nun ganz und gar geblendet durch diese fürstliche Pracht . Er denkt an Saids Abendgesellschaften und muß lächeln . Nach dem Mahle geht man hinaus auf die hoch gelegene Parkterrasse . Und dort bietet sich den Gästen ein wirklich berückender Anblick dar , der jedes Auge berauschen muß . Der große Park ist erleuchtet - aber wie ! Tausend und aber tausend bunte Papierampeln glühen und brennen zwischen den Blumen - durch das Grün der Bäume . Wie Diamanten glühen und brennen die Ampeln - wie Rubine , Saphire , Smaragde . Der Nabob gibt ein großes Garten- und Lampenfest . Blumenmädchen - ganz mit bunten Blütenketten umhüllt - wandeln langsam hintereinander mit knisternden Pechfackeln in wohl berechneten Kurven über den Kies der Gartenwege . Und im Hintergrunde flackern riesige Flammen empor - rote und grüne - bengalische Flammen . Und neben den Springbrunnen puffen von Zeit zu Zeit mächtige Pulverhaufen in die Luft - die Pulverflammen schlagen blitzschnell - unheimlich - wie Geisterfäuste - in den dunklen Sternenhimmel hinein . Der Mond steht über den Kuppeln und Türmen von Benares wie eine große Riesenkirsche . Der funkelnde Glanz der Sterne wird fast verdunkelt von der indischen - Lichtkunst . Battany und die arabischen Hauptleute sind nun tatsächlich geblendet . Ein indischer Nabob ist doch zu reich - er kann mehr bieten als Bagdads Chalifenburg . Ein junger indischer Gelehrter wendet sich jetzt lächelnd an den gefeierten arabischen Gelehrten . Verschmitzt sieht der gelbe Inder in Battanys braunes Gesicht , dreht immer seinen langen schwarzen Schnurrbart und erklärt umständlich , daß ihm die Bedeutung der ganzen Astronomie sehr unverständlich sei - » denn « - so sagt er zum Schluß - » wir sehen die Sterne doch nur mit unsrem Auge , und mit den Fingern können wir sie nicht greifen . Was wir aber nur mit unsrem Auge sehen , das ist zunächst nur wirklich für unser Auge da - obs außerhalb unsres Auges was Daseiendes ist , können wir gar nicht wissen . Daß die Sterne da oben große Welten sein sollen , vermag ich daher nicht zu glauben - ich glaube - da oben gibt ein junger Gott seinen Freunden ein Lampenfest - das Fest wird bald zu Ende sein - denn einzelne Sterne verlöschen bereits . Bedenke nur ! Für einen jungen Gott sind hunderttausend irdische Nächte - eine einzige himmlische Nacht . Die Wandelsterne sind Blumenmädchen mit Fackeln ... « Der Inder blickt den Battany forschend an - der aber steht so steif da , daß der Araber einem fast leid tun könnte - er hat ja nichts verstanden . Schnurrbartdrehend wendet sich der indische Gelehrte schließlich ab - ärgert sich natürlich nicht wenig , daß er seinen Witz vor einem dummen eingebildeten Araber verschwendete . Hierauf spricht ein alter Brahmine mit dem Astronomen - - - Der nimmt sich jetzt furchtbar zusammen , er will nicht wieder nachher - vergeblich nach Worten suchen . Eine wunderbare Musik tönt aus dem erleuchteten Garten in die Sternennacht empor . Der Brahmine spricht von den Ssabiern , das bekannt geworden , daß Battany auch ein Ssabier ist - was sein Ansehen sehr erhöht . Und der Araber kann antworten - er erzählt von Hauran - von Thabit ibn Quorrah und von Tschirsabâl . Auch andre Brahminen hören zu und sprechen mit . Man redet bald über die Religion im Allgemeinen . Die in arabischer Sprache geführte Unterhaltung wird sehr lebhaft . Ein sehr alter Brahmine , dessen weißer Bart fast bis zur Erde reicht , ist der Meinung , daß die Lehre Mohammeds den großen Religionen nicht beizuzählen sei , da diese Lehre die Aufklärung und die Freigeisterei in gefährlicher Weise fördere - Mohammed habe nur eine Ketzerreligion geschaffen - ihre einfachen , viel zu verständigen Formen seien nicht fürs Volk - das Volk wisse nur mit » vielen « Göttern und mit einem umständlichen Kulte was anzufangen . Battany staunt und muß dem zustimmen - erklärt dabei , daß man sich in Bagdad um Mohammeds Lehre selbstverständlich sehr wenig kümmere . » Das weiß ich « , erwidert drauf der alte Priester , » ich habe die Erfolge und Mißerfolge der verschiedenen Religionen durch ein langes Leben mit sehr aufmerksamem Auge verfolgt . Die Lehre Christi hat schon viel mehr für sich als die Lehre Mohammeds . Die christlichen Priester haben eben viel mehr gelernt und viel mehr den älteren Religionen entnommen - die christlichen Priester haben nicht den großen Allgott in die Mitte ihrer Lehren gestellt - sie haben auch den Nebengöttern und den tieferen Gedanken der älteren Religionen eine Bedeutung eingeräumt . Natürlich - - verstanden hat ja kein einziger Christ - die älteren Religionen - - - doch merks nur ! - das schadet nicht allzuviel - die neuen Religionen entstehen immer nur dadurch , daß einzelne Menschen , die das religiöse Feuer in den Adern haben , die älteren Religionen mißverstehen . Nur das rücksichtslose Nichtverstehenwollen oder das harmlosere Nichtverstehenkönnen - verwerflich . Mißverständnisse aber - die schaden ist nicht so sehr . Religionen sind ja nicht dazu da , von den Menschen verstanden zu werden ... Und der Erfolg ! - Oh , glaube mir ! Das Klarverständliche und das Vernünftige - das hat immer nur einen sehr geringen Erfolg . Man darf doch nicht vergessen , daß die Menschen viel viel häufiger unvernünftig und unverständig denken - als vernünftig und verständig . Das Vernünftige ist den Menschen garnicht das Natürliche - das Unvernünftige viel mehr