dem Sie sich , lieber Czako , wie jedesmal , wenn Sie zu glauben anfangen , in einem großen Irrtum befinden . « » Das kann nicht sein . « » Es kann nicht bloß sein , es ist . Und ich wundre mich nur , daß gerade Sie , der Sie doch sonst das Gras wachsen hören und allen Gesellschaftsklatsch kennen wie kaum ein zweiter , daß gerade Sie von dem allen kein Sterbenswörtchen vernommen haben sollen . Sie verkehren doch auch bei den Xylanders , ja , ich glaube Sie da , letzten Winter , mal kämpfend am Büfett gesehen zu haben . « » Gewiß . « » Und da waren an jenem Abend auch die Berchtesgadens , Baron und Frau , und in lebhaftestem Gespräche mit diesem bayerischen Baron ein distinguierter alter Herr und zwei Damen . Und diese drei , das waren die Barbys . « » Die Barbys « , wiederholte Czako , » Botschaftsrat oder dergleichen . Ja , gewiß , ich habe davon gehört ; aber ich kann mich jedenfalls nicht erinnern , ihn und die Damen gesehen zu haben . Und sicherlich nicht an jenem Abend , wo ja von Vorstellen keine Rede war , die reine Völkerschlacht . Aber Sie wollten mir , glaube ich , von eben diesen Barbys erzählen . « » Ja , das wollt ich . Ich wollte Sie nämlich wissen lassen , daß Ihr Célibataire seit Ausgang vorigen Winters in eben diesem Hause regelmäßig verkehrt . « » Er wird wohl in vielen Häusern verkehren . « » Möglich , aber nicht sehr wahrscheinlich , da das eine Haus ihn ganz in Anspruch nimmt . « » Nun gut , so lassen wir ihn bei den Barbys . Aber was bedeutet das ? « » Das bedeutet , daß in einem solchen Hause verkehren und sich mit einer Tochter verloben so ziemlich ein und dasselbe ist . Bloß eine Frage der Zeit . Und die Tante wird sich damit aussöhnen müssen , auch wenn sie , wie beinah gewiß , über ihr Herzblatt bereits anders verfügt haben sollte . Solche Dinge begleichen sich indessen fast immer . Unser Woldemar wird sich aber mittlerweile vor ganz andre Schwierigkeiten gestellt sehen . « » Und die wären ? Ist er nicht vornehm genug ? Oder mankiert vielleicht Gegenliebe ? « » Nein , Czako , von mankierender Gegenliebe , wie Sie sich auszudrücken belieben , kann keine Rede sein . Die Schwierigkeiten liegen in was anderm . Es sind da nämlich , wie ich mir schon anzudeuten erlaubte , zwei Comtessen im Hause . Nun , die jüngere wird es wohl werden , schon weil sie eben die jüngere ist . Aber so ganz sicher ist es doch keineswegs . Denn auch die ältere , wiewohl schon über dreißig , ist sehr reizend und zum Überfluß auch noch Witwe - das heißt eigentlich nicht Witwe , sondern richtiger eine gleich nach der Ehe geschiedene Frau . Sie war nur ein halbes Jahr verheiratet oder vielleicht auch nicht verheiratet . « » Verheiratet oder vielleicht auch nicht verheiratet « , wiederholte Czako , während er unwillkürlich sein Pferd anhielt . » Aber Rex , das ist ja hoch pikant . Und daß ich erst heute davon höre und noch dazu durch Sie , der Sie sich von solchen Dingen doch zunächst entsetzt abwenden müßten . Aber so seid ihr Konventikler . Schließlich ist all dergleichen doch eigentlich euer Lieblingsfeld . Und nun erzählen Sie weiter , ich bin neugierig wie ein Backfisch . Wer war denn der unglücklich Glückliche ? « » Sie meinen , wenn ich Sie recht verstehe , wer es war , der diese ältere Comtesse heiratete . Nun , dieser glücklich Unglückliche - oder vielleicht auch umgekehrt - war auch Graf , sogar ein italienischer ( vorausgesetzt , daß Sie dies als eine Steigerung ansehn ) , und hatte natürlich einen echt italienischen Namen : Conte Ghiberti , derselbe Name wie der des florentinischen Bildhauers , von dem die berühmten Türen herrühren . « » Welche Türen ? « » Nun , die berühmten Baptisteriumtüren in Florenz , von denen Michelangelo gesagt haben soll , sie wären wert , den Eingang zum Paradiese zu bilden . Und diese Türen heißen denn auch , ihrem großen Künstler zu Ehren , die Ghibertischen Türen . Übrigens eine Sache , von der ein Mann wie Sie was wissen müßte . « » Ja , Rex , Sie haben gut reden von wissen müssen . Sie sind aus einem großen Hause , haben mutmaßlich einen frommen Kandidaten als Lehrer gehabt und sind dann auf Reisen gegangen , wo man so feine Dinge wegkriegt . Aber ich ! Ich bin aus Ostrowo . « » Das ändert nichts . « » Doch , doch , Rex . Italienische Kunst ! Ich bitte Sie , wo soll dergleichen bei mir herkommen ? Was Hänschen nicht lernt - dabei bleibt es nun mal . Ich erinnere mich noch ganz deutlich einer Auktion in Ostrowo , bei der ( es war in einem kommerzienrätlichen Hause ) schließlich ein roter Kasten zur Versteigerung kam , ein Kasten mit Doppelbildern und einem Opernkucker dazu , der aber keiner war . Und all das kaufte sich meine Mutter . Und an diesem Stereoskopenkasten , ein Wort , das ich damals noch nicht kannte , habe ich meine italienische Kunst gelernt . Die Türen waren aber nicht dabei . Was können Sie da groß verlangen ? Ich habe , wenn Sie das Wort gelten lassen wollen , ' ne Panoptikumbildung . « Rex lachte . » Nun , gleichviel . Also der Graf , der die ältere Comtesse Barby heiratete , hieß Ghiberti . Seiner Ehe fehlten indes durchaus die Himmelstüren - soviel läßt sich mit aller Bestimmtheit sagen . Und deshalb kam es zur Scheidung . Ja , mehr , die scharmante Frau ( scharmant ist übrigens ein viel zu plebejes und minderwertiges Wort )