. » Tritt ack aus , Toni ! « raunte ihr der Bruder zu , » ich wer ' s Ernestinel ruffen . Mach du ack Strohseele . « Toni hielt inne . Es war die höchste Zeit ; sie war in Schweiß gebadet , blaurot im Gesicht . Karl winkte Ernestine heran , die an Stelle der Schwester eintrat . Die Reihe hatte sich geschlossen , ohne daß der alte Bauer , der mit allem Sinnen und Denken bei der Arbeit war , etwas von dem Wechsel gemerkt hätte . Ernestine war eine rührige Arbeiterin . Man sah es den schlanken Gliedern der Sechzehnjährigen nicht an , was für Zähigkeit und ausdauernde Kraft darin steckte . Als der Büttnerbauer Halt machte im Hauen , weil seine Sense gegen einen Stein geschlagen und er die Scharte auswetzen mußte , bemerkte er , daß seine älteste Tochter nicht mehr in der Linie war . Sie saß im Hintergrunde und drehte an Ernestinens Stelle Strohseile . Das Gesicht des Alten verfinsterte sich ; er begriff sofort den Grund ihrer Entfernung - aber er sagte nichts . Die anderen benutzten die Gelegenheit , um sich zu verpusten , während der Vater die Sense schärfte . Dann ging ' s von neuem ans Werk . Noch war es nicht acht Uhr des Morgens , und schon brannte die Sonne versengend auf die Schnitter nieder . Die Bäuerin kam vom Gute her , sich mühsam mit einem Korbe schleppend . Sie brachte einen Krug dünnes Bier und Butterschnitten . Bald saß die Familie auf dem Feldraine zum Frühstück vereinigt . - Nicht immer in neuester Zeit bot die Büttnersche Familie einen so friedlichen Anblick . Öfters gab es jetzt Zwist und Streit . Mit Sammetpfötchen hatte der Bauer die Seinen niemals angefaßt . Er war stets Herr in seinen vier Pfählen gewesen und hatte von den Rechten des Familienoberhauptes nach der Väter Sitte Gebrauch gemacht . Wenn seine Art auch rauh und schroff war , ein willkürlicher und grausamer Herrscher war er nie gewesen . Schlichte Gerechtigkeit hatte er walten lassen in allem . Neuerdings war das anders geworden . Nie hätte er sich ' s früher beikommen lassen , seiner Ehehälfte aus ihrem Leiden einen Vorwurf zu machen , jetzt hielt er ihr gelegentlich ihre Gebrechlichkeit vor wie eine Schuld . Er zeigte sich hart und ungerecht gegen die Kinder . Die Bäuerin hatte bereits einer Nachbarin geklagt , daß man ihr den Bauer ausgetauscht habe , daß am Ende gar ein Feind ihn besprochen haben müsse . Mit seinem Ältesten konnte der Büttnerbauer gar nicht mehr auskommen . Karl war langsam im Denken wie im Zugreifen . Das war immer offenkundig gewesen ; aber der Alte schien es jetzt erst zu bemerken . Er fluchte und verschwor sich , die Wirtschaft gehe rückwärts , und daran sei Karl mit seiner Faulheit schuld . Er drohte , ihn zu enterben , wenn das nicht anders werde . Karl ließ dergleichen ruhig über sich ergehen ; Ehrgefühl und Stolz waren nicht gerade stark bei ihm entwickelt . Aber Therese nahm die Sache des Gatten um so eifriger auf , verfocht sie mit der Leidenschaft des gekränkten Weibes . Es gab Szenen , wie sie das Haus noch nicht gesehen hatte . Eines Tages kam die Bäuerin bleich und an allen Gliedern zitternd zu Karl aufs Feld hinausgehumpelt , er solle sogleich hereinkommen , der Bauer und Therese rauften in der Familienstube . Auch dem Gange der Wirtschaft war anzumerken , daß verhängnisvolle Wandlungen vor sich gegangen waren . Ein unstetes Wesen machte sich in allem geltend . Über Gebühr zeitig mußte aufgestanden werden , so daß die überanstrengten Menschen des Abends todmüde waren und ohne Lust und Liebe am nächsten Tage sich zur Arbeit erhoben . Am unrechten Flecke wurde gespart . Der Bäuerin warf der Bauer Verschwendung vor , wenn sie reichlich und gut kochte ; die Folge war , daß fortan mageres Essen auf den Tisch kam , und daß sich die Seinen hinter seinem Rücken satt aßen . Auch dem Vieh wollte er vom Futter abknapsen . Die Pferde , welche Hafer kaum mehr zu sehen bekamen , sollten doch doppelte Arbeit leisten . Er , der früher bekannt gewesen war als Heger und Pfleger seines Viehes , mußte es erleben , daß ihm , als er mit den abgetriebenen Mähren durchs Dorf fuhr , das verfängliche Wort : » Pferdeschinder ! « nachgerufen wurde . Dabei gönnte er sich selbst am wenigsten Ruhe von allen , plagte und schand sich in gottserbärmlicher Weise . Hohläugig und ausgemergelt lief er umher , daß es ein Jammer war , anzusehen . Manchmal überfiel ihn , besonders bei der Mahlzeit , eine Schlafsucht , der er nachgeben mußte , er mochte wollen oder nicht . In der Kirche , wo er früher stets zu den Aufmerksamsten gehört hatte , schlief er jetzt schon im ersten Teile der Predigt ein . Des Nachts dagegen wachte er oft , erschreckte die Bäuerin durch Selbstgespräche und wildes Aufschreien . Je mehr er seine Kräfte nachgeben fühlte , desto verzweifelter versteifte er sich darauf , seinen Willen durchzusetzen . Plötzlich überkam ihn eine Art von Zwangsvorstellung . Da warf er sich mit allen Arbeitskräften , die ihm zur Verfügung standen , auf die Urbarmachung einer Halde , die von einem eingegangenen Steinbruch zurückgeblieben war . Die Seinigen hielten ihm vor , daß man ja genug Ackerland besitze , und daß die Arbeit zurzeit an anderen Stellen brennend notwendig sei . Aber mit solchen Einwänden durfte man ihm nicht kommen . Wutentbrannt wies er jede Widerrede zurück . Eine ganze wichtige Woche im September wurde so auf das Wegräumen von Schutt und Sprengen von Steinen verschwendet . Und erreicht war damit nichts weiter , als daß ein Stück Land mehr da war , das unbrauchbar blieb für die Bestellung . Mit aller Welt geriet der Büttnerbauer neuerdings in Zwist . Ein einziges Wort konnte ihn derartig aufbringen , daß