all die Zeit über unter ihm gelitten , Innstetten noch mehr als ich , und als wir Anfang April hörten , Major von Crampas sei da , das ist nämlich der Name des neuen , da fielen wir uns in die Arme , als könne uns nun nichts Schlimmes mehr in diesem lieben Kessin passieren . Aber , wie schon kurz erwähnt , es scheint , trotzdem er da ist , wieder nichts werden zu wollen . Crampas ist verheiratet , zwei Kinder von zehn und acht Jahren , die Frau ein Jahr älter als er , also sagen wir fünfundvierzig . Das wurde nun an und für sich nicht viel schaden , warum soll ich mich nicht mit einer mütterlichen Freundin wundervoll unterhalten können ? Die Trippelli war auch nahe an Dreißig , und es ging ganz gut . Aber mit der Frau von Crampas , übrigens keine Geborne , kann es nichts werden . Sie ist immer verstimmt , beinahe melancholisch ( ähnlich wie unsere Frau Kruse , an die sie mich überhaupt erinnert ) , und das alles aus Eifersucht . Er , Crampas , soll nämlich ein Mann vieler Verhältnisse sein , ein Damenmann , etwas , was mir immer lächerlich ist und mir auch in diesem Falle lächerlich sein würde , wenn er nicht , um eben solcher Dinge willen , ein Duell mit einem Kameraden gehabt hätte . Der linke Arm wurde ihm dicht unter der Schulter zerschmettert , und man sieht es sofort , trotzdem die Operation , wie mir Innstetten erzählt ( ich glaube , sie nennen es Resektion , damals noch von Wilms ausgeführt ) , als ein Meisterstück der Kunst gerühmt wurde . Beide , Herr und Frau von Crampas , waren vor vierzehn Tagen bei uns , um uns ihren Besuch zu machen ; es war eine sehr peinliche Situation , denn Frau von Crampas beobachtete ihren Mann so , daß er in eine halbe und ich in eine ganze Verlegenheit kam . Daß er selbst sehr anders sein kann , ausgelassen und übermütig , davon überzeugte ich mich , als er vor drei Tagen mit Innstetten allein war und ich , von meinem Zimmer her , dem Gang ihrer Unterhaltung folgen konnte . Nachher sprach auch ich ihn . Vollkommener Kavalier , ungewöhnlich gewandt . Innstetten war während des Krieges in derselben Brigade mit ihm , und sie haben sich im Norden von Paris bei Graf Gröben öfter gesehen . Ja , meine liebe Mama , das wäre nun also etwas gewesen , um in Kessin ein neues Leben beginnen zu können ; er , der Major , hat auch nicht die pommerschen Vorurteile , trotzdem er in Schwedisch-Pommern zu Hause sein soll . Aber die Frau ! Ohne sie geht es natürlich nicht und mit ihr erst recht nicht . « Effi hatte ganz recht gehabt , und es kam wirklich zu keiner weiteren Annäherung mit dem Crampasschen Paare . Man sah sich mal bei der Borckeschen Familie draußen , ein andermal ganz flüchtig auf dem Bahnhof und wenige Tage später auf einer Boot- und Vergnügungsfahrt , die nach einem am Breitling gelegenen großen Buchen- und Eichenwalde , der » der Schnatermann « hieß , gemacht wurde ; es kam aber über kurze Begrüßungen nicht hinaus , und Effi war froh , als Anfang Juni die Saison sich ankündigte . Freilich fehlte es noch an Badegästen , die vor Johanni überhaupt nur in Einzelexemplaren einzutreffen pflegten , aber schon die Vorbereitungen waren eine Zerstreuung . In der Plantage wurden Karussell und Scheibenstände hergerichtet , die Schiffersleute kalfaterten und strichen ihre Boote , jede kleine Wohnung erhielt neue Gardinen , und die Zimmer , die feucht lagen , also den Schwamm unter der Diele hatten , wurden ausgeschwefelt und dann gelüftet . Auch in Effis eigener Wohnung , freilich um eines anderen Ankömmlings als der Badegäste willen , war alles in einer gewissen Erregung ; selbst Frau Kruse wollte mittun , so gut es ging . Aber davor erschrak Effi lebhaft und sagte : » Geert , daß nur die Frau Kruse nichts anfaßt ; da kann nichts werden , und ich ängstige mich schon gerade genug . « Innstetten versprach auch alles , Christel und Johanna hätten ja Zeit genug , und um seiner jungen Frau Gedanken überhaupt in eine andere Richtung zu bringen , ließ er das Thema der Vorbereitungen ganz fallen und fragte statt dessen , ob sie denn schon bemerkt habe , daß drüben ein Badegast eingezogen sei , nicht gerade der erste , aber doch einer der ersten . » Ein Herr ? « » Nein , eine Dame , die schon früher hier war , jedesmal in derselben Wohnung . Und sie kommt immer so früh , weil sie ' s nicht leiden kann , wenn alles schon so voll ist . « » Das kann ich ihr nicht verdenken . Und wer ist es denn ? « » Die verwitwete Registrator Rode . « » Sonderbar . Ich habe mir Registratorwitwen immer arm gedacht . « » Ja « , lachte Innstetten , » das ist die Regel . Aber hier hast du eine Ausnahme . Jedenfalls hat sie mehr als ihre Witwenpension . Sie kommt immer mit viel Gepäck , unendlich viel mehr , als sie gebraucht , und scheint überhaupt eine ganz eigene Frau , wunderlich , kränklich und namentlich schwach auf den Füßen . Sie mißtraut sich deshalb auch und hat immer eine ältliche Dienerin um sich , die kräftig genug ist , sie zu schützen oder sie zu tragen , wenn ihr was passiert . Diesmal hat sie eine neue . Aber doch auch wieder eine ganz ramassierte Person , ähnlich wie die Trippelli , nur noch stärker . « » Oh , die hab ich schon gesehen . Gute braune Augen , die einen treu und zuversichtlich ansehen . Aber ein klein bißchen dumm . « » Richtig , das ist sie . « Das war