mit Bast wieder zurück an den Stamm zu binden . So wenigstens schien es . Er stand abgewandt und sah sich bei seiner Arbeit erst um , als er den Tritt der Herankommenden auf der kleinen Bohlenbrücke hörte . Daß er zusammenfuhr und sich verfärbte , sah niemand . Rasch entschlossen ging er dem Trupp bis an den Brückensteg entgegen und begrüßte den alten Gerichtsmann . » Ich weiß , Gerichtsmann Klose , weshalb Sie kommen . « Dabei zog er den Hut und trat respektvoll beiseite . Der Angeredete lächelte . » Nun gut , Lehnert , wenn Ihr wißt , weshalb wir kommen , so werdet Ihr auch nicht erstaunt sein , wenn wir vorsichtig sind und Eure kleine Festung absperren und die Brückenstege besetzen . Ich will Euch und uns wünschen , daß sich schließlich alles als nicht nötig gewesen herausstellen möge . Vorläufig aber muß ich Euch bitten , voranzugehen und dafür zu sorgen , daß wir Euch im Auge behalten . Im übrigen sollt Ihr , vorderhand wenigstens , persönlich unbehelligt bleiben , denn es handelt sich in diesem Augenblicke nicht um Eure Person , sondern um eine Sache . Wir sind nämlich hier , um Euer Haus nach einem falschen Bart zu durchsuchen . « Der alte Klose sagte das so hin , um den unter Verdacht Stehenden auf eine falsche Fährte zu führen und dadurch wie sicher zu machen , was auch glückte . Lehnert , voranschreitend , stieg die Steintreppe hinan , während der Gerichtsmann und der junge Forstgehilfe folgten . Gendarm Brey aber postierte sich vor der Fronttür und überwachte von dieser seiner Hochstellung aus die durch den anderen Trupp erfolgende Besetzung der beiden Brückenstege . Flucht war unmöglich . In der Stube begann inzwischen ein Wehklagen und Geschrei . Die alte Menz warf sich dem Gerichtsmann zu Füßen , küßte dem jungen Forstgehilfen die Hand und schwor und jammerte , daß sie unschuldig sei und von nichts wisse und daß Lehnert auch unschuldig sei und ein frommes Gemüt habe , was ja der liebe Pastor Siebenhaar bestätigen könne , der ihn auf die Freischule geschickt , weil er immer die Sprüche so gut gelernt und immer neben der Orgel gestanden und am besten gesungen habe . Ja , so sei das Lehnertchen immer gewesen , ein frommes Gemüt und kränke keinen und keine Fliege nich an der Wand . Und was die Leute gesagt hätten und was auch Opitz gesagt habe ( Gott hab ihn selig , denn er war ein engelsguter Mann , und nun gar erst die Frau , die gab all und jedem ) , das sei nicht wahr und alles bloß gelogen , weil es soviel schlechte Menschen gäbe , die einem nichts gönnten , und sie seien unschuldig . Und wenn sie vor Gottes Thron stünde und sie solle es anders sagen , so könne sie nicht anders sagen , als daß sie unschuldig seien und Lehnert auch , denn er sei immer ein frommes Kind gewesen , und Siebenhaar unten in Arnsdorf ... In diesem Augenblicke wurde der junge Forstgehilfe , während die Hände der Frau Menz die Knie des alten Klose nach wie vor umklammert hielten , einiger an einem Bindfadenreste hängender Kalenderblätter gewahr und machte Miene , darauf zuzuschreiten . Lehnert , der mit klugem Auge jeder Bewegung gefolgt war , wußte , daß man ihn jetzt in Händen habe . » Laß doch , Mutter ! « rief er dieser erkünsteltem Zorne zu , während er die Kniende vom Boden aufriß , » was erniedrigst du dich ? Ich will das nicht . Ich kann das nicht mit ansehn . « Und , die kleine Frau heftig schüttelnd , schob er sie , nur um dem Geplärr und Gewimmer ein Ende zu machen ( so wenigstens schien es ) , auf die Tür und den Flur zu . Der mittlerweile ganz an seine Fährte gebannte Forstgehilfe war , ohne für das , was sonst in der Stube vorging , einen Blick zu haben , an die vergilbten Blätter herangetreten und hob sie samt dem Faden , daran sie hingen , vom Nagel . Und schon das erste , worauf sein Auge fiel , war das , wonach er suchte . » Wir haben ihn ! « Und triumphierenden Auges an den alten Gerichtsmann herantretend , wies er auf die Jahreszahl oben rechts in der Ecke . » Wir haben ihn ! « Und unter diesen Worten eilte man nach dem Flur hinaus , um Lehnert , dessen Schuld nun klar war , in Verhaft zu nehmen . Aber wo war er ? Die Alte lag draußen , in wirklicher oder erheuchelter Ohnmacht , jedenfalls unfähig oder unwillig , auf die stürmisch an sie sich richtenden Fragen Antwort zu geben . Wo war er ? Die Brückenstege waren nach wie vor dicht besetzt , so mußt er denn , wenn nicht ein Wunder geschehen , im Hause selbst irgendwo verborgen sein . Und bis unter das Dach hin wurde nun jeder Winkel und Verschlag untersucht und die Suche bis in Schuppen und Milchkeller fortgesetzt . Man durchwühlte das Heu , die Hobelspäne , selbst in den Rauchfang stieg man hinauf und wurde nicht müde , das Oberste zuunterst zu kehren . Alles umsonst . Die Alte wußte nichts . Er war fort . Sechzehntes Kapitel Am Tage nach Lehnerts Verschwinden , über das nicht nur die Krummhübler , sondern auch ihre Sommergäste sich des breiteren unterhielten , saßen auch Rechnungsrat Espes wieder an ihrem Exnerschen Stammtisch . Die schöne Frau hatte sich , was selbst Espe nicht entging , unter dem mehrwöchentlichen Einfluß der Gebirgsluft wo möglich noch verschönt ; ihr gegenüber saß aber nicht mehr Lieutenant Kowalski - dieser war vielmehr abgereist , um den Rest seines Urlaubs auf der Hohen Tatra zu verbringen - , sondern Assessor Doktor Unverdorben , ein feiner , kluger Herr , der seine Klugheit neben anderm auch darin zeigte , daß er eine gegen ihn