Ach , die zählen ja nicht . Die meisten haben es doch nur darauf abgesehen , die reiche Wittwe - « » Siehst Du - mit diesem Wort ist die Schranke bezeichnet , die mich von der Bewerbung abhielt : eine reiche Witwe - und ich - ganz ohne Vermögen . Lieber an unglücklicher Liebe zu Grunde gehen , als von der Welt und namentlich von der Frau , die ich anbete , dessen verdächtigt zu werden , wessen Du Deinen Bewerbertroß soeben beschuldigt hast . « » O Du Stolzer , Edler , Teurer ! Ich wäre übrigens nicht im stande , Dir einen niedrigen Gedanken zuzumuten « ... » Woher dieses Vertrauen ? Eigentlich kennst Du mich ja so wenig . « Und jetzt forschten wir einander noch weiter aus . Auf diese Frage » seit wann « wir uns liebten , folgten nun die Erörterungen » warum « ? Was mich zuerst angezogen , war die Art gewesen , in welcher er vom Kriege gesprochen . Was ich im Stillen gedacht und gefühlt - glaubend , es könne kein Soldat ein Gleiches denken und am allerwenigsten äußern - das hat er mit größerer Klarheit gedacht , als ich , stärker gefühlt , - und ganz freimütig ausgesprochen . So sah ich , wie sein Herz die Interessen seines Standes und sein Geist die Ansichten seiner Zeit überragten . Das war ' s , was sozusagen die Grundlage meiner ihm geweihten Liebe bildete - daneben gab es für das aufgestellte » warum « noch unzählige » weil « . Weil er eine so hübsche , vornehme Erscheinung besaß ; - weil in seiner Stimme ein eigens sanfter und doch fester Ton vibrierte ; - weil er ein so liebender Sohn gewesen ; - weil - » Und Du ? Warum liebst Du mich ? « unterbrach ich meine Rechenschaftsablegung . » Aus tausend Gründen und aus einem . « » Laß hören . Zuerst die tausend . « » Das große Herz - der kleine Fuß - die schönen Augen - der glänzende Geist - das sanfte Lächeln - der scharfe Witz - die weiße Hand - die frauliche Würde - der wunderbare - « » Halt ein ! Das sollte so bis tausend fortgehen ? Da sag ' mir lieber den einen Grund . « » Das ist auch einfacher , denn der eine in seiner Kraft und Unwiderstehlichkeit umfaßt die anderen alle . Ich lieb ' Dich , Martha , weil - ich Dich liebe . Darum . « Vom Prater aus fuhr ich geradewegs zu meinem Vater . Die Mitteilung , die ich ihm zu machen hatte , würde zu unangenehmen Erörterungen Anlaß geben , das sah ich voraus . Doch ich wollte diese unausbleibliche Unannehmlichkeit sobald als möglich überstanden haben , und ihr lieber noch unter dem ersten Eindruck meines eben erworbenen Glückes die Stirne bieten . Mein Vater , der ein Spätaufsteher war , saß noch bei seinem Frühstück über den Morgenblättern , als ich in sein Arbeitszimmer eindrang Tante Marie war gleichfalls anwesend und gleichfalls mit Zeitunglesen beschäftigt . Bei meinem etwas ungestümen Eintritt blickte mein Vater überrascht von seiner » Presse « auf , und Tante Marie legte ihr » Fremdenblatt « aus der Hand . » Martha ? So früh ? Und im Reitkleid - was bedeutet das ? « Ich umarmte die beiden und sagte dann , mich in einen Lehnsessel werfend : » Das bedeutet , daß ich von einem Ritt im Prater komme , wo etwas vorgefallen ist , das ich euch ohne Aufschub mitteilen wollte . Ich nahm daher nicht einmal die Zeit , nach Hause zu fahren und Toilette zu wechseln - « » Also gar so wichtig und eilig ? « fragte mein Vater , indem er sich eine Cigarre ansteckte . » Erzähle , wir sind gespannt . « Sollte ich weiter ausholen ? Sollte ich Einleitungen und Vorbereitungen machen ? Nein : lieber kopfüber mich hineinstürzen , wie man vom Springbrett sich ins Wasser schwingt - : » Ich habe mich verlobt - « Tante Marie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und mein Vater runzelte die Stirn : » Ich will doch nicht hoffen - « begann er . Aber ich ließ ihn nicht ausreden : » Verlobt mit einem Manne , den ich von Herzen liebe und hochachte , von dem ich glaube , daß er mich vollständig glücklich machen kann - mit Baron Friedrich von Tilling . « Mein Vater sprang auf : » Da haben wir ' s ! Nach allem , was ich Dir gestern gesagt - « Tante Marie schüttelte den Kopf : » Ich hätte lieber einen anderen Namen gehört , « sagte sie . » Erstens ist Baron Tilling keine Partie er soll gar nichts haben ; zweitens scheinen mir seine Grundsätze und Ansichten ... « » Seine Grundsätze und Ansichten stimmen mit den meinen überein , und eine sogenannte Partie zu suchen - darauf bin ich nicht angewiesen ... Vater - mein Herzensvater , schau ' nicht so bitter drein - verdirb mir das hohe Glück nicht , welches ich zu dieser Stunde empfinde - mein guter , geliebter alter Papa ! » Aber Kind , « antwortete er in etwas besänftigtem Tone , denn ein wenig Zärtlichkeit pflegte ihn gleich zu entwaffnen : » es ist ja eben Dein Glück , welches ich im Auge habe . Ich könnte mit keinem Soldaten glücklich werden , der nicht mit Leib und Seele Soldat ist . « » Du brauchst ja Tilling nicht zu heiraten , « bemerkte Tante Marie ganz zutreffend . » Das Soldatentum ist das geringste , « fügte sie hinzu ; » aber ich könnte mit einem Manne nicht glücklich werden , der von dem Gott der Bibel in so wenig ehrerbietigem Tone redet , wie neulich - « » Erlaube mir , Dich aufmerksam zu machen , liebste Tante , daß auch Du Friedrich Tilling nicht zu heiraten