dahin immer in derselben Richtung gegangen war , von ihrem Herdfeuer auf und erschrak , als sie der Veränderung in Lenens Gesicht gewahr wurde . » Lene , Kind , was hast du ? Lene , wie siehst du nur aus ? « Und so schwer beweglich sie sonsten war , heute machte sie sich im Umsehn von ihrer Fußbank los und suchte nach dem Krug , um die noch immer wie halbtot Dasitzende mit Wasser zu besprengen . Aber der Krug war leer , und so humpelte sie nach dem Flur und vom Flur nach Hof und Garten hinaus , um die gute Frau Dörr zu rufen , die gerade Goldlack und Jelänger-jelieber abschnitt , um Marktsträuße daraus zu binden . Ihr Alter aber stand neben ihr und sagte : » Nimm nicht wieder zuviel Strippe . « Frau Dörr , als sie das jämmerliche Rufen der alten Frau von fernher hörte , verfärbte sich und antwortete mit lauter Stimme : » Komme schon , Mutter Nimptsch , komme schon « , und alles wegwerfend , was sie von Blumen und Bast in der Hand hatte , lief sie gleich auf das kleine Vorderhaus zu , weil sie sich sagte , daß da was los sein müsse . » Richtig , dacht ich ' s doch ... Leneken . « Und dabei rüttelte und schüttelte sie die nach wie vor leblos Dasitzende , während die Alte langsam nachkam und über den Flur hinschlurrte . » Wir müssen sie zu Bett bringen « , rief Frau Dörr , und die Nimptsch wollte selber mit anfassen . Aber so war das » wir « der stattlichen Frau Dörr nicht gemeint gewesen . » Ich mache so was allein , Mutter Nimptsch « , und Lenen in ihre Arme nehmend , trug sie sie nebenan in die Kammer und deckte sie hier zu . » So , Mutter Nimptsch . Nu ' ne heiße Stürze . Das kenn ich , das kommt von ' s Blut . Erst ' ne Stürze un denn ' n Ziegelstein an die Fußsohlen ; aber grad untern Spann , da sitzt das Leben ... Wovon is es denn eigentlich ? Is gewiß ' ne Altration . « » Weiß nich . Sie hat nichts gesagt . Aber ich denke mir , daß sie ' n vielleicht gesehn hat . « » Richtig . Das is es . Das kenn ich ... Aber nu die Fenster zu un runter mit ' s Rollo ... Manche sind für Kampfer und Hoffmannstropfen , aber Kampfer schwächt so und is eigentlich bloß für Motten . Nein , liebe Nimptschen , was ' ne Natur is un noch dazu solche junge , die muß sich immer selber helfen , un darum bin ich für schwitzen . Aber orntlich . Un wovon kommt es ? Von die Männer kommt es . Un doch hat man sie nötig un braucht sie ... Na , sie kriegt ja schon wieder Farbe . « » Wolln wir nich lieber nach ' n Doktor schicken ? « » I , Jott bewahre . Die kutschieren jetzt rum , un eh einer kommt , is sie schon dreimal dod und lebendig . « Siebzehntes Kapitel Drittehalb Jahre waren seit jener Begegnung vergangen , während welcher Zeit sich manches in unserem Bekannten- und Freundeskreise verändert hatte , nur nicht in dem in der Landgrafenstraße . Hier herrschte dieselbe gute Laune weiter , der Frohmut der Flitterwochen war geblieben , und Käthe lachte nach wie vor . Was andere junge Frauen vielleicht betrübt hätte : daß das Paar einfach ein Paar blieb , wurde von Käthe keinen Augenblick schmerzlich empfanden . Sie lebte so gern und fand an Putz und Plaudern , an Reiten und Fahren ein so volles Genüge , daß sie vor einer Veränderung ihrer Häuslichkeit eher erschrak als sie herbeiwünschte . Der Sinn für Familie , geschweige die Sehnsucht danach , war ihr noch nicht aufgegangen , und als die Mama brieflich eine Bemerkung über diese Dinge machte , schrieb Käthe ziemlich ketzerisch zurück : » Sorge Dich nicht , Mama . Bothos Bruder hat sich ja nun ebenfalls verlobt , in einem halben Jahr ist Hochzeit , und ich überlaß es gern meiner zukünftigen Schwägerin , sich die Fortdauer des Hauses Rienäcker angelegen sein zu lassen . « Botho sah es anders an , aber auch sein Glück wurde durch das , was fehlte , nicht sonderlich getrübt , und wenn ihn trotzdem von Zeit zu Zeit eine Mißstimmung anwandelte , so war es , wie schon damals auf seiner Dresdener Hochzeitsreise , vorwiegend darüber , daß mit Käthe wohl ein leidlich vernünftiges , aber durchaus kein ernstes Wort zu reden war . Sie war unterhaltlich und konnte sich mitunter bis zu glücklichen Einfällen steigern , aber auch das Beste , was sie sagte , war oberflächlich und » spielrig « , als ob sie der Fähigkeit entbehrt hätte , zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu unterscheiden . Und was das schlimmste war , sie betrachtete das alles als einen Vorzug , wußte sich was damit und dachte nicht daran , es abzulegen . » Aber , Käthe , Käthe « , rief Botho dann wohl und ließ in diesem Zuruf etwas von Mißbilligung mit durchklingen , ihr glückliches Naturell aber wußt ihn immer wieder zu entwaffnen , ja , so sehr , daß er sich mit dem Anspruch , den er erhob , fast pedantisch vorkam . Lene mit ihrer Einfachheit , Wahrheit und Unredensartlichkeit stand ihm öfters vor der Seele , schwand aber ebenso rasch wieder hin , und nur wenn Zufälligkeiten einen ganz bestimmten Vorfall in aller Lebendigkeit wieder in ihm wachriefen , kam ihm mit dieser größeren Lebendigkeit des Bildes auch wohl ein stärkeres Gefühl und mitunter selbst eine Verlegenheit . Eine solche Zufälligkeit ereignete sich gleich im ersten Sommer , als das junge Paar , von einem Diner bei Graf Alten zurückgekehrt , auf dem Balkon saß und seinen Tee