Knecht sein weil ich die Sandgruben hab . So sollen mich die Klosterfrauen zu dir erlauben . « Auch an seine Mutter schrieb Pavel noch an demselben Abend und teilte ihr mit , daß sie , wenn ihre Strafzeit verflossen sein werde , eine Unterkunft bei ihm finden könne . Von der Mutter kam auch bald ein Brief voll Liebe , Dank und Sehnsucht ; die Antwort Miladas ließ lange auf sich warten und brachte , als sie eintraf , eine herbe Enttäuschung . » Lieber Pavel , ich habe immer gewußt , daß du unschuldig bist « - hieß es in dem Schreiben - , » und mich gefreut und Gott gedankt , daß er dich würdigt , unschuldig zu leiden nach dem Vorbild unseres süßen Heilands . Und jetzt muß ich dir etwas sagen , lieber Pavel . Ich habe dich lange nicht gesehen , aber das war nur Gehorsam und kein freiwilliges Opfer , das hat mein Erlöser mir nicht angerechnet . Jetzt hat die ehrwürdige Frau Oberin erlaubt , daß du mich besuchst , und jetzt erst kann ich ein freiwilliges Opfer bringen . Ich tu ' s , Pavel , und bitte dich , lieber Pavel , komm nicht zu mir , warte noch ein Jahr , warte ohne Murren , denn nur das Opfer , das wir freudig zu Füßen des Kreuzes niederlegen , ist ein Gott wohlgefälliges und wird von Ihm denen angerechnet , für welche wir es darbringen . Laß uns freudig entsagen , du weißt , daß wir es für die Seelen unserer Eltern tun , die keine andern Fürsprecher als uns bei ihrem ewigen Richter haben . Komm also nicht . Wenn du aber dennoch kämst , lieber , lieber Pavel , es wäre umsonst-mich würdest du nicht sehen , ich würde die guten Klosterfrauen bitten , mich vor dir zu verstecken , du würdest wieder fortgehen , hättest mich nicht gesehen und mir das Herz nur unendlich schwer gemacht , denn ich habe dich lieb , mein lieber Pavel , gewiß lieber , als du dich selber hast . « » Was schreibt denn deine Schwester ? « fragte Habrecht , der den Burschen mit betroffener Miene auf das Blatt niederstarren sah , dessen schöne regelmäßige Schriftzüge er langsam entziffert hatte Pavel beugte sich plötzlich vor , große Tränen stürzten aus seinen Augen . » Was schreibt sie ? « wiederholte der Lehrer , erhielt keine Antwort und fragte nicht mehr ; er wußte ja bereits aus Erfahrung , wenn der Mensch etwas verschweigen will , dann gilbt es keine Macht auf Erden , die ihm sein Geheimnis entreißt . Als das Frühjahr kam , schlug Pavel in einer Reihe von mondhellen Nächten die Ziegel zu seinem Bau . Mehr als einmal fand er , am Abend aus der Fabrik heimkehrend , seine Arbeit zerstört . Kleine Füße waren über die noch weichen Ziegel gelaufen und hatten sie unbrauchbar gemacht . Pavel lauerte den Übeltätern auf , erwischte sie und führte sie dem Pfarrer vor . Es wurde ihnen eine Ermahnung zuteil , die jedoch ohne Wirkung blieb , der Unfug wiederholte sich . Da beschloß Pavel , selbst Gerechtigkeit zu üben . Mit einem Knüttel bewaffnet , wollte er hinter einem alten breitstämmigen Nußbaum Posten fassen und die vom Dorfe heranrückenden Feinde dort erwarten , zerbleuen und verjagen . Zu seinem größten Erstaunen fand er jedoch das Hüteramt , das er antreten wollte , bereits versehen , und zwar - durch Virgil . Dieser hatte gleichfalls einen Stock in der Hand . » Bin schon da « , sagte er , » hab ihrer schon einige weggetrieben . « » Was willst du , Spitzbub ? « fuhr Pavel ihn an . » Fort , schlechter Kerl , mit dir bin ich fertig ! « Er erhob den Knüttel . Virgil hatte den seinen auf den Boden gestemmt , beide Hände darauf gelegt und sich zusammengekrümmt . Zitternd und demütig sprach er : » Pavlicek , schlag mich nicht , laß mich hier stehen , ich stehe hier und geb acht auf deine Ziegel . « » Du , ja just du wirst achtgeben , du ! ... Dich kenn ich . Geh zum Teufel . « » Sprich nicht von ihm ! « wimmerte der Alte beschwörend , und seine Knie schlotterten , » sprich um Gottes willen von dem nicht . Ich bin alt , Pavlicek , ich werde bald sterben , du sollst zu mir nicht sagen : Geh zum Teufel . « » Alles eins , ob ich ' s sag oder nicht , alles eins , ob du gehst oder nicht , wenn du nicht von selber gehst , holt er dich . « Virgil fing an zu weinen : » Meine Alte wird auch bald sterben und fürcht ' t sich . Sie möcht dich noch sehen , bevor sie stirbt . Sie war ' s auch , die mir gesagt hat : Geh hin und gib acht auf seine Ziegel . « Pavel betrachtete ihn still und aufmerksam . Wie er aussah , wie merkwürdig ! ganz eingeschrumpft und mager , vor Kälte zitternd in seinen dünnen Kleidern und dabei das Gesicht feuerfarbig wie ein Lämpchen aus rotem Glas , in dem ein brennender Docht schwimmt . Das Öl , von dem dieses jämmerliche Dasein sich nährte , war der Branntwein ; der einzige Trost , der es erquickte , ein gedankenloses Lippengebet . Armer Spitzbub , dachte Pavel , die Zeiten sind vorbei , in denen du mich mißhandelt hast , jetzt kriechst du vor mir . » So bleib « , sprach er zögernd und immer noch voll Mißtrauen , » ich werd ja sehen , was für einen Wächter ich an dir hab . « Als er wiederkam , fand er alles in Ordnung ; Virgil hielt wirklich treue Wacht , verlangte dafür nicht Lob noch Lohn und fragte nur immer : » Wirst nicht zur Alten kommen