dichteren Gruppen und einzelnen Bürgern ungleich besetzt , während ebenso viele Männer noch an den Wänden herumstanden und miteinander sprachen . Unter diesen trieben sich die Einberufer umher , hier und da Rücksprache nehmend oder einen der schwierigeren Kannengießer bearbeitend . Auch Salander gesellte sich zu ihnen . Er war der Haupturheber des Gedankens , in versöhnlichem Sinne beiden Hauptparteien Rechnung zu tragen ; er selbst gehörte der demokratischen an , deren Macht seit einiger Zeit im Volke zu wanken begann , und so hielt er es für ebenso klug als billig , den Altliberalen wieder mehr Raum zu gönnen . Namentlich war er ein Verehrer der modernen Liebhaberei der Minderheitenvertretung geworden , der nicht nur politische Philosophen , sondern auch allerlei praktische Leute anhingen , welchen der schöne Grundsatz nächstens selbst nützlich werden konnte , nachdem sie bislang keine anders gesinnte Fliege zugelassen hatten , noch ferner zuzulassen gesonnen waren . Da die Tische sich allmählich dichter bevölkerten , gab der Vorsitzende das Zeichen des Beginnes . Salander , durch die noch Herbeieilenden schreitend , begegnete einem jungen Manne , der ihm bekannt schien und ihn durch Hutabnehmen ehrerbietig grüßte , was er höflich erwiderte . Er mußte einen der Tische entlang gehen , um seinen Platz am Kopfende desselben unter den Anführern zu finden . Auf demselben Wege stieß er abermals auf den jungen Mann , der die gleiche Höflichkeit wiederholte und den Hut zog , diesmal mit einer Verbeugung . Der scheint seinen Hut gar nicht ablegen zu wollen , dachte er eben , als es ihm wie Schuppen von den Augen fiel ; das waren ja die Zwillinge ! Ei nun , sie zeigten doch eine wackere Teilnahme an den Landesangelegenheiten ; das steht jungen Leuten gut und beweist einen ernsten Sinn ! Wenn sie nichts Schlimmeres treiben , so ist es so übel nicht mit ihnen beschaffen ! Durch diese Gedanken und die Erinnerung an das mittägliche Gespräch mit den Töchtern halb zerstreut , nahm er endlich seinen Platz ein , das Schöppchen Wein bestellend , das der Ehrbarkeit halber in dieser Gegend des Saales nur ganz langsam , gleichsam unmerklich getrunken werden durfte . Die Verhandlungen nahmen ihren Anfang mit einer politischen Rede des Vorsitzenden , der Wahl der Stimmenzähler und anderer Funktionäre , worauf der Umgang der Vorschläge eröffnet wurde . Einige gedruckte Zettel , von den bestellten Berichterstattern mündlich erläutert , lagen zugrunde , und fünf bis sechs unbestrittene Namen waren bald erledigt . Aber schon beim siebenten Namen , als der Präsident die Frage stellte , ob ein weiterer Vorschlag gemacht werden wolle , erschallte aus dem Hintergrunde eine kräftige Stimme , die rief : » Ich schlage vor Herrn Martin Salander , Kaufmann in Münsterburg ! « Und aus einer andern Ecke des Saales her rief einer ebenso laut : » Unterstützt ! « » Ah ! Gut so ! Schon längst verdient ! « u. dergl. murmelte es an den Tischen , und jeder sah sich nach den Rufenden um . Der Vorsitzende aber klingelte an seinem Glase , und als es still geworden , sprach er : » Ich möchte die Versammlung fragen , ob wir jetzt schon auf neue Namsungen eintreten oder vorerst die noch vorhandenen Vorschläge bereinigen wollen , die voraussichtlich rasch und mit Einmut abgetan sind ! « » Ich beharre auf meinem Antrag ! « rief die erste Stimme , und das laute » Unterstützt ! « aus der andern Ecke folgte unmittelbar wieder darauf . Der Präsident verkündigte : » Es ist vorgeschlagen , Herrn Martin Salander als siebentes Mitglied unseres Kreises im Großen Rate auf die Wahlliste zu nehmen ! Ich bitte den Antragsteller , sich zu nennen ! « » Notariatssubstitut Isidor Weidelich ! « erschallte es vom alten Orte her noch lauter , und von der Unterstützungsecke her schrie der andere Rufer , offenbar Bruder Julian : » Bravo ! bravo ! « Alles sah sich wieder um . » Was ist das für ein Weidelich ? Welcher ist es ? Der junge Mensch dort ? « hieß es . Der Präsident klingelte wieder und rief : » Wem es also beliebt , daß auf den Wahlvorschlag des Herrn Isidor Weidelich schon jetzt eingetreten werde , der hebe die Hand auf ! « » Auf ! « schrien nun eine Anzahl junger Leute , die Hände in der Luft schwenkend , und ihnen folgte eine Hand um die andere etwas zögernd ; als es aufhörte , ersuchte der Vorsitzende , die Stimmen zu zählen . Es ergaben sich sechsundfünfzig Hände . » Es scheint dies die Mehrheit zu sein ! Oder wird das Gegenmehr verlangt ? « Zwei oder drei erhoben die Hand , ließen sie aber wieder sinken , als sie sahen , daß sie allein blieben . » Es ist also beschlossen , die Vorschlagswahl des Herrn Martin Salander sofort vorzunehmen . Wer dafür stimmt , daß derselbe an nächstfolgender Stelle auf die Liste gesetzt und dem Volke im Namen der gegenwärtigen Versammlung zur Wahl empfohlen werde , der beliebe die Hand zu erheben ! « Mit Ausnahme weniger Lücken , die fast nicht bemerklich waren , erhoben sich alle Hände mit einem beifälligen Geräusch , welches bewies , daß . Salanders Wahl den anwesenden Bürgern an sich als erwünscht erschien . Der so gut wie gewählte Mann befand sich in verdrießlicher Aufregung . Den geheimen Wunsch im Herzen , den ihm wohl gebührenden Sitz im Rate endlich einzunehmen , sah er sich denselben durch das kecke und verfrühte Eingreifen der Zwillinge zugewendet und zugleich durch die unhöflichen Umständlichkeiten des Vorsitzenden das Abstimmen aufgehalten , ein Zusammentreffen , das ihm nur unwillkommen sein konnte . Erwägend , daß er die Wahlbewerbung unter solchen Umständen nicht übernehmen und die Ratsstelle namentlich nicht den Zwillingen verdanken dürfe , hatte er in der Zerstreuung den rechten Augenblick entschiedener Einsprache versäumt und war so unruhig und verlegen , daß er sein Schöppchen , das unberührt stand , in lauter kleinen Schlücken beinah