Und Huldigungen sind wie Phosphorhölzer , eine zufällige Friktion , und der Brand ist da . « Solche Betrachtungen begleiteten ihn und kamen ihm während seines Bremer Aufenthalts allabendlich wieder , wenn er , nach den Geschäften und Mühen des Tages , seinen Spaziergang am Bollwerk hin machte . Seine Vorsätze blieben dieselben , aber freilich seine Neigungen auch , und als er eines Tages , wo diese Neigungen mal wieder stärker als die Vorsätze gewesen waren , in seine Wohnung heimkehrte , schob er ein Tischchen an die Balkontür seines nach dem Flusse hin gelegenen Zimmers und setzte sich , um an Cécile zu schreiben . Es war eine kostbare Nacht , kein Lüftchen ging , und auf den vorüberflutenden Strom fielen von beiden Ufern her die Quai- und Straßenlichter ; die Mondsichel stand über dem Rathaus , immer stiller wurde die Stadt , und nur vom Hafen her hörte man noch Singen und den Pfiff eines Dampfers , der sich , unter Benutzung der Flut , zur Abfahrt rüstete . Rasch flog Gordons Feder über die Seiten hin , und die weiche Stimmung , die draußen herrschte , bemächtigte sich auch seiner und fand in dem , was er schrieb , einen Ausdruck . Die Verhandlungen in Bremen währten länger als erwartet und kamen erst zum Abschluß , als eine nach den friesischen Inseln hin unternommene Reise die bis dahin bezweifelte Durchführbarkeit des Unternehmens bewiesen hatte . Gordon lernte bei der Gelegenheit Sylt und Föhr kennen , auch Norderney , woselbst er emsig nach den St. Arnauds forschte , die , dessen entsann er sich , den Plan gehabt hatten , ihre Sommertour auf Norderney zu beschließen . Er ging aber vergeblich die Fremdenliste durch und war endlich froh , die Insel , der er seine Mißstimmung entgelten ließ , nach zweitägigem Aufenthalt wieder verlassen zu können . Anfang August war er in Berlin , wo , neben amtlichen und finanziellen Vorbereitungen , auch allerlei das Technische betreffende Bestellungen und Kontrakte zu machen waren . Er bezog eine schon Ende Mai , kurz vor seiner Reise nach Thale , gemietete Wohnung in der Lennéstraße , wohin er auch alle Briefe zu richten angeordnet hatte . Leider fand er nichts vor , weder in der Wohnung noch auf der Post , oder doch nicht das , woran ihm am meisten gelegen war . Eine schlechte Laune stellte sich ein , aber glücklicherweise nicht auf lange . » Tor , der ich bin und immer nur mit meinen Wünschen rechne . Man braucht kein Menschenkenner zu sein , um zu wissen , daß Cécile keine passionierte Briefschreiberin ist . Wäre sie das , so wäre sie nicht sie selbst . Briefeschreiben ist wie Wetterleuchten ; da verblitzt sich alles , und das Gewitter zieht nicht herauf . Aber Frauen wie Cécile vergegenständlichen sich nichts und haben gar nicht den Drang , sich innerlich von irgendwas zu befreien , auch nicht von dem , was sie quält . Im Gegenteil , sie brüten darüber und überladen sich mit Gefühl bis dann mit einem Male der Funken überspringt . Aber sie schreiben nicht , sie schreiben nicht . « Er schob , während er so sprach , den Sofatisch beiseit und begann auszupacken . Unter den ersten Sachen war auch eine Schreibmappe , deren Deckel eine Photographie zeigte , das Bild seiner Schwester . In der Stimmung , in der er war , sah er sich ' s an und sagte : » Clothilde . Wie gut sie aussieht . Aber sie taugt auch nichts . Es muß über drei Wochen sein , daß ich an sie geschrieben . Und bis heute keine Antwort , trotzdem das Thema nichts zu wünschen übrigließ . Denn über was schrieben Frauen lieber als über eine andre Frau , und noch dazu , wenn sie merken , daß man sich für diese andre interessiert . Und doch kein Wort . Ist ein Brief verlorengegangen ? Unsinn , Briefe gehen nicht verloren . Nun , es wird sich aufklären . Vielleicht liegt mein langes Skriptum irgendwo in Liegnitz , während Fräulein Schwester noch in der Welt umherfährt . « In diesem Augenblicke klopfte es . » Herein . « Der Eintretende war ein Großindustrieller , Vorstand einer Fabrik für Maschinenwesen und Kabeldrähte , dem Gordons Ankunft von Bremen her telegraphiert worden war und der nicht säumen wollte , sich ihm vorzustellen . Gordon entschuldigte sich wegen der überall im Zimmer herrschenden Unordnung und bat den Fremden , einen eleganten Herrn von augenscheinlich weltmännischen Allüren , in einem der Fauteuils Platz zu nehmen . Der Fremde lehnte jedoch mit vieler Verbindlichkeit ab und lud seinerseits Gordon ein , ihn nach seiner Charlottenburger Villa hinaus begleiten und daselbst sein Gast sein zu wollen ; sein Wagen halte bereits vor der Tür , und was Geschäftliches zu sprechen sei , lasse sich unterwegs verhandeln . » Wir haben dann den Abend für ein Gespräch mit den Damen . « Seine Frau , so schloß er , die passioniert für Nilquellen und Kongobecken sei , freue sich ungemein , einen so weitgereisten Herrn kennenzulernen , und wenn es Afrika nicht sein könne , so werde sie sich auch mit Persien und Indien zufriedengeben . Gordon fühlte sich durch die ganze Sprechweise sehr angeheimelt und nahm an . Der Abend in Charlottenburg war entzückend gewesen , und Gordon hatte sich wieder überzeugt , » wie klein die Welt sei « . Gemeinschaftliche Freunde waren entdeckt worden , in Bremen , England , New York , und zuletzt auch in Berlin selbst . Auch den Obersten von St. Arnaud kannte man ; er habe eine schöne Frau , die schon einmal verheiratet gewesen sei ( sehr hoch hinauf ) , und habe eines Duells halber den Abschied nehmen müssen . Unter solchem Geplauder war der Abend vergangen , und erst lange nach Mitternacht hatte Gordon , in einem Mischzustande von Müdigkeit und Angeheitertsein , seinen Heimweg angetreten . Nun war es Morgen ,