, gewiß . Das ist ja gerade das Beste , Fränzl , das ist die Hauptsach . Es war mir schon recht heute , daß der Geck von Devaviany meiner lieben kleinen Gräfin die Ehre gegönnt und über seine neuesten Coulissenconnaissancen - denn er wechselt jede dritte Woche - geschwiegen hat , aber wenn wir unter uns sind , Fränzl , und in dem Korbwägelchen über die Wiese fliegen , ei , dann will ich auch hören , was mir Spaß macht , von dem Speidel und dem Spitzer und dem Herrn von Dingelstedt und dem Herrn von Laube . Versteht sich . Und will auch hören , ob uns der Strakosch wieder ein neu Genie präpariert oder ob uns der Herr von Wilbrandt eine neue römische Kaiserin appetitlich zurechtmacht . Ja , Fränzl , davon will ich hören . Und dann nehmen wir unsern Tee , wär ' s auch nur , weil ich die kleine blaue Flamme so gerne seh , viel lieber als die bei Schwester Judith , und nach dem Tee , nun , da spielen wir ein Schach oder noch lieber ein Piquet . Aber du darfst nicht betrügen und nicht vierzehn Buben ansagen , wenn du sie nicht hast . Und wenn dann Vollmond ist oder auch nur die Sichel über der Terrasse steht , dann laß ich den Hanka kommen und den Toldy - denn wenn wir sie beide haben , dann überbieten sie sich und will jeder der Erste sein - , und dann haben wir einen Czardas und sehen zu , wie sich das junge Volk im Kreise dreht . « » Und ich tanze mit « » Tanzt Gräfin mit « , lachte der Graf . » O gewiß , das paßt . Und der Andras weiß sich zu schicken . Ist Magyar . « » Und bei solchem Leben , Petöfy , willst du mir noch von Einsamkeit und Langeweile sprechen ? Das ist ja wie aus dem Märchen . « » Ja , Fränzl , wie aus dem Märchen . Freilich . Aber ein Märchenleben ist kein Leben . Es fehlt was darin . « » Und das wäre ? « » Die Menschen . « » Ich entbehre sie nicht . « » Jetzt nicht , heute nicht . Aber es wechselt alles . Und ein Tag ist kurz und ein Tag ist lang . « Achtzehntes Kapitel Der andere Morgen sah beide wieder auf der Veranda . » Nun , Fränzl , immer im Programm . Paragraph eins : wie hast du geschlafen ? Paragraph zwei : was hast du geträumt ? « » Es war leider etwas wirr . Ich sah Szabô , den alten Obersten , in einer Gesellschaft schöner Damen , die sogleich neugierig einen Kreis um ihn schlossen . Und dabei sagte mir eine Stimme , daß von mir gesprochen werden würde , weshalb ich in eine Fensternische trat , um besser horchen zu können , was unschicklich ist , aber in drei Vierteln aller Lustspiele wird gehorcht , und so mußt du mir ' s verzeihen , wenn ich von der lieben alten Gewohnheit nicht gleich lassen kann . Wenigstens im Traume nicht . « » Und sollst auch nicht . Bleibe , wie du bist . Aber weiter , weiter . Du horchtest also . « » Ja , wenigstens eine Weile . Sehr bald indes schlich ich mich wieder näher und sah nun , daß aus dem Kreise schöner Frauen ein Kreis alter Militärs geworden war , alle mit dicken goldenen Epauletten , und nur Szabô schien unverändert . Als ich aber schärfer zusah , war es Szabô nicht mehr , sondern Görgey . « » Du hast das Bild in der Galerie gesehen , und so kam es in deinen Traum . Oder ist alles bloß Dichtung ? « » Dichtung und Wahrheit . Ich hab es mir etwas zurechtgemacht , um eine Brücke zu finden . « » Eine Brücke ? Wohin ? Wozu ? « » Zu Fragen , die wie politische Fragen aussehen und doch schließlich keine sind , sondern nur allerpersönlichste Fragen und Lebensfragen dazu . « » Da bin ich doch neugierig . Also . « » Nun , sich , ich habe dich für wienerisch und gut kaiserlich gehalten und sehe plötzlich , seit ich hier bin , daß es doch sehr anders mit dir liegt . Ich atme hier nicht bloß ungrische Luft , sondern bin auch sonst noch in einer ungrischen Atmosphäre . Darüber mußt du mich aufklären und mich einweihen in die letzten und besten Interessen deines Herzens . Und daß ich eine Fremde bin , erleichtert es dir und mir . Ich bin eben als Fremde nicht österreichisch und nicht habsburgisch , und wenn es sich darum handelt , ungrisch zu sein oder ungrisch zu werden , so liegt nichts in mir , was mich daran hinderte . Nimm mich also als das vielzitierte weiße Blatt , auf das , wenigstens politisch , noch eine ganze Welt von Weisheit geschrieben werden kann . Allen Ernstes , ich proponiere , daß wir auch die Politik auf unser Programm setzen und daß ich , was dasselbe sagen will , in meinem täglichen Zeitungsrapport nicht gebunden bin , bei der Schratt oder der Frank ein für allemal stehenzubleiben . Ich kenne dich zu gut , als daß ich glauben sollte , du hieltest Theaterdinge für Weltbegebenheiten . Es tötet dir nur ein paar müßige Stunden weg , und Gräfin Judith täuscht sich , wenn sie glaubt , daß das wirklich dein Leben und deine Welt sei . Hab ich unrecht ? Und ist es zudringlich , wenn ich darüber ein Wort zu hören wünsche ? « » Nein , Fränzl , ist nicht zudringlich . Und bist auch viel zu klug , um es zu sein . Ich freue mich , daß du fragst , und beinahe mehr noch , dir unumwunden antworten zu können . Aber womit beginn ich ?