armen château de Werden geredet . Oh - er hat uns gesucht in dem pêle-mêle , der Vetter Herr Just , und er hat uns gefunden und nicht bloß durch einen Zufall . Le bon Dieu hat ihm das in sein Herz gegeben , daß er es nicht anders konnte , sondern suchen und finden und kommen und dasitzen mußte , um uns zum Troste zu sein in dieser argen , schlimmen , schlimmen Welt ! Wie ein Gesandter von dem guten Gott ist er uns gewesen , der Vetter Herr Just , der mir so viel aversion und répugnance hat bereitet in der glücklichen alten Zeit , wenn ich euch rief zu der Lektion - savezvous ? - hoch oben aus den Bäumen und ihr nicht antwortetet , weil ihr alle waret echappiert und - eh , eh , hattet euch durchgeschlüpft - glissés par la haie - wie die Vagabonden in die weite Welt und nach dem Steinhof . Oh , mon Dieu , damals habe ich geweint , weil das war , nun weine ich , weil das nicht mehr sein kann . Aber madame la baronne , meine Komtesse , kann noch lächeln , wenn sie spricht mit dem Vetter Just davon und von euch anderen bösen Kindern ; und so bin ich auch glücklich , daß ich einst mich so sehr habe geärgert . « Vergebens war es , meinerseits ein Wort in diesen Redefluß der alten Dame zu werfen . Und sie redete das alles zu mir in einer der belebtesten Straßen der großen Stadt Berlin , gänzlich unbekümmert darum , daß wir nicht allein darin gingen wie vordem wohl in der großen Lindenallee im Garten von Schloß Werden . Wir gingen ihnen allen zu langsam und nahmen ihnen allen zuviel Platz auf dem Wege in Anspruch ; aber alle hatten sie es auch nicht darum so eilig , um rascher zu einem Vergnügen zu gelangen , und so war nichts gegen dies Geschobenwerden und Gedrängtwerden einzuwenden . Daß sich Irene von Everstein in Wien mit einem Freiherrn Gaston von Rehlen verheiratet hatte , wußte ich , ebenso , daß diese Ehe nicht glücklich ausgefallen war . Nun wohnte die Frau Baronin seit einigen Wochen als Witwe in Berlin mit einem kranken Kinde und mit ihrer alten französischen Sprachmeisterin . Ich hatte hundert Fragen zu stellen und brachte doch keine einzige über die Lippen . Jeder Blick in das melancholische graue Gesichtchen mir zur Seite wurde mir hier zu einem Hindernis und trieb mir das Wort von der Zunge zurück ; die soeur ignorantine aber schwatzte trübselig weiter von der guten alten Zeit , » als der Herr Graf noch lebte und niemand eine Ahnung , ein pressentiment , davon hatte , wie die Verhältnisse für uns alle sich nach seinem Tode gestalten würden « . Des Ausdrucks changer de face bediente sich Mademoiselle Martin , und es war der ganz richtige Ausdruck : ein ganz anderes Gesicht als damals , wo nur der Herr Graf genau wußte , wie schwankend unsere Stellung im Leben sei , machte uns heute die Welt ! » Monsieur Ewald ist immer noch in England oder Irland ; doch er will nächstens nach Deutschland zurückkehren , hat uns neulich mademoiselle Eva geschrieben « , sagte Mademoiselle . » Der Herr Vetter Just hat ihn in der Stadt Belfast par hasard getroffen . Ich hätte mir gern von ihm erzählen lassen , aber der Herr Vetter hat nicht viel von ihm erzählt . Das Kind war sehr unruhig , und da nahm er es auf den Arm . Hélas , es ist ein sehr schwächliches Kind , monsieur Frédéric , und auch ein wenig verwachsen - ah , pardon . « Die Gute hatte nicht nötig gehabt , um Verzeihung zu bitten . Erst durch ihren letzten , halb erschrockenen Ausruf wurde ich auf die unwillkürliche Bezugnahme auf meine eigene gleichgültige Person lächelnd aufmerksam . Ich hatte nur an Ewald Sixtus in Belfast gedacht und an die Gründe , die den Vetter Just abhalten konnten , von ihm der Gräfin Irene ausführlich zu erzählen . Mir mußte der Vetter hierüber Rede stehen , das stand mir unumstößlich fest . Wir hatten nun die größere Verkehrspulsader der Stadt verlassen und schritten durch stillere Straßen . » Nun ich Sie wiedergefunden habe - auch par hasard , Herr Fritz Langreuter ! - , so müssen Sie uns doch nun auch wohl eine Visite machen « , meinte Mademoiselle . » Ich werde Ihnen zeigen unsere Wohnung ; doch können Sie nicht gleich mit mir gehen , denn madame la baronne - meine Irene - ist nicht wohl heute . Sie müssen kommen mit dem Vetter ; ich aber werde sagen , daß ich Sie jetzt getroffen habe und daß Sie aus alter Freundschaft zu uns kommen werden . Darf ich das , monsieur Fritz ? Dort wohnen wir , im dritten Stockwerk ; - der Herr Vetter Just kennt aber den Weg , und Irene wird sich sehr freuen . « Ich sah an dem Hause empor und hielt beide Hände der alten , so bittersüßen Dame , konnte aber nichts weiter hervorbringen als : » O Mademoiselle ! « » Adieu , monsieur « , rief sie . » Und - au revoir ! Nicht wahr , monsieur ? « Die Haustür hatte sich hinter ihr geschlossen , und ich lief eiligst meinen Weg zurück und nach dem Hotel , in dem der Vetter Just Everstein abgestiegen war und hoffentlich noch auf mich wartete mit dem Frühstück , zu dem er mich eingeladen hatte . Sechzehntes Kapitel Gewartet hatte er in seinem Hôtel garni nicht mit dem Frühstück ; auch dazu war er zu sehr der Vetter Just vom Steinhofe geblieben . Aber er hatte doch noch viele schöne Reste auf dem Tische übergelassen ; und mit mir von neuem herzlich und herzhaft daran zu Werke zu gehen und sich zu erbauen , dazu war der Vetter immer noch der