, unsere Pfarre , Herr General , « antwortete Röschen . » So bist du wohl gar ein Pfarrtöchterchen , Kleine ? « » Freilich ; das siebente , Herr General . « » Das siebente ? Potz tausend ! Ist dein Papa zu Haus ? « » Alleweile noch , ja , Herr General . Wenns aber zum drittenmal läutet , muß er in die Kirche und ich auch . « » So wollen wir während des Gottesdienstes einen Spaziergang machen , Lydia , und erst danach unseren Pfarrbesuch abstatten , « sagte der Herr zu seiner Begleiterin , die still beiseitestand . Als er sich nach dem Pfarrtöchterchen umsah , flog es wie ein Schmetterling den Abhang hinunter und der Gartenpforte zu . Sonntags wurde der Betstunde um ein Uhr halber bald nach der Frühkirche zu Mittag gegessen , der angekündigte Besuch fiel daher just in die Tischzeit . Papa würde die vornehmen Gäste natürlich zur Tafel laden , ein vorbereitender Wink Mama natürlich von Wichtigkeit sein : so hatte Schwester Röschen , die noch nicht einmal das kleine Einmaleins konnte , während jener Rede blitzschnell kalkuliert . Wie wäre Bruder Rechenmeister auf solchen Schluß verfallen ? Der alte Herr wendete sich rückwärts , um seinen Dollond wieder aufzunehmen , und da lachte er denn noch belustigter als vorhin , indem er hinter der Bank einen Bauernjungen auf den Knien liegen und ohne es anzurühren durch das Fernrohr gucken sah , aber wie es eben lag , von der verkehrten Seite . Der arme Dezem fuhr in die Höhe und schlug die Augen nieder wie ein ertappter Dieb . » Bist du auch ein Pfarrkind ? « fragte der Herr . Dezem schüttelte . » Aber doch aus dem Dorf ? « Dezem nickte . » Du möchtest wohl gern durch mein Glas gucken , gelt ? « » Ja , ja ! « stotterte Dezem mit freudiger Hast . » Nun , so guck ! Wohin soll ich es richten ? « » In die Sonne , gnädiger Herr . « » In die Sonne ? Ei , was willst du denn in der auskundschaften , Junge ? « » Ob sie läuft , « antwortete Dezimus jetzt ganz dreist . » Nun , probiers , kleiner Kopernikus ! « sagte lachend der alte Herr . Er richtete das Glas nach der Sonne , und Dezimus starrte hinein , bis ihm die Augen übergingen ; aber entdecken von dem , was da oben getrieben wurde , konnte er nichts außer einer Lerche , die mit bloßen Augen sich wie ein Schmetterling ausgenommen hatte und durch das Glas in ihrer natürlichen Größe erschien . Ein Wunder blieb freilich auch das , und nachdenklich legte er den Tubus in die Hand des weißen Fräuleins , das ihn sorgfältig zusammenschob . Die Zeit mußte hingebracht werden . Der alte Herr setzte sich auf die Bank und nahm die Tafel , welche Dezimus darauf niedergelegt hatte , zur Hand . Für das illustrierte Phänomen auf der Rückseite schien der würdigende Sinn ihm zu gebrechen ; die Exempel dahingegen mochten ihn an alte Bakelzeiten erinnern ; er betrachtete sie und versuchte sogar eines von ihnen auszurechnen . » Wahrhaftig , Lydia , ich kann nicht mehr multiplizieren , « sagte er nach einer Weile , indem er lachend den Kopf schüttelte . » Ist leider von jeher meine schwache Seite gewesen , « setzte er mit einem Seufzer hinzu . » Sind es deine Aufgaben , mein Junge ? « Dezimus nickte wieder stumm . » Rechne mal hier das , was ich Alter nicht herausbringe . « Der Quatermillionenheld wurde rasch damit fertig , machte darauf die Probe der Division , und als dieselbe ohne Fehl zutraf , schmunzelte der alte Herr : » Sieh ! sieh ! « Er musterte den Jungen vom Kopf zur Zeh , so wie er einen Rekruten gemustert haben würde . Der Dezem war ein strammer Bursche , und - ohne Heldenschmeichelei ! - wenigstens ein ehrliches Gesicht ihm nicht abzusprechen . Der schneeweiße Hemdskragen , die blanken Stiefeln , - vom Helden eigenhändig gewichst ! - machten auch einen guten Effekt . Der alte Herr schüttelte wohlgefällig das schöne , weißgelockte Haupt . » Wie heißt du , mein Junge ? « fragte er . » Dezimus Frey , gnädiger Herr . « » Dezimus ! ein kurioser Name , nicht wahr , Lydia ? « » Weil ich der zehnte Sohn bin , gnädiger Herr . « » Der zehnte Sohn ! Potztausend , das nenn ich Segen ! Aber halt ! halt ! wie ist mir denn ? Am Ende gar der arme Schäferjunge , für welchen der Werbener Pfarrer den König zu Gevatter bat , als ich das letztemal mit ihm in Teplitz war . Wie lange ist es doch her ? Weiß Gott schon acht Jahr . Auch dein Vater , Lydia , hat mir dazumal - wie einem derlei alte Geschichten doch plötzlich wieder auftauchen ! - über die tolle Dezemswirtschaft unter meinem Patronat gründlich die Leviten gelesen . Ich habe herzlich über die Geschichte gelacht . Bist du der Königspate , Junge ? « Dezimus sagte : » Ja . « Zum ersten Male war er stolz auch auf die zeitliche Ehre , die ihm in der heiligen Taufe angetan worden war . Ja , so stolz , daß er auf das weiße Fräulein , das ihm bisher unnahbar feierlich gegenübergestanden hatte , nahezu verwegen seine Augen richtete . » Prächtig , prächtig ! « rief der alte Herr , indem er sich vergnügt die Hände rieb . » Wie das unsere alte Majestät amüsieren wird ! und welchen stattlichen Gardisten kann ich ihm in Aussicht stellen ! Flügelmann im ersten Garderegiment , Feldwebel , schließlich Zahlmeister mit Leutnantskompetenz - was sagst du zu der Karrière , Königspate ? « Der Königspate sagte nichts dazu ; er ahnete nicht im entferntesten , was diese Würden zu bedeuten haben