Unterbringung des noch im Felde aufgehäuften Heues zu gestatten , bevor es vom Winde weiß Gott wohin getragen werde . Diese Dispens war ihnen auch noch selten so schnell und gerne erteilt worden , da der Pfarrer sie an diesem Sonntag viel lieber beim Heu als im Wirtshaus und auf dem Tanzplatze wissen wollte . Jetzt verschwand die Sonne hinter einer buntfarbigen Wolke , die sich wie mit schwarzen Haken an die Spitzen der Berge zu hängen begann . Draußen im Walde brummte , rauschte und knisterte es immer lauter . An der Fluh krachten mehrere Tannen und surrten hart neben der Brücke in die zischende Ach . Drinnen in Argenau knallten die zugeworfenen Fensterläden , und losgerissene Dachschindeln mitsamt den sie bisher festhaltenden Steinen hagelte es von rechts und links auf die Gasse , daß kein Mensch mehr sicher war . Selbst auf dem Marktplatze begann es nachgerade gefährlich zu werden . Zwar von der Wolke der über die Gasse getriebenen Hüte , ausgespannten Regenschirme , Ablaßbriefe , Hosenträger , Heiligenbilder , Knopftafeln und Taschentücher war nicht viel zu ersorgen ; doch wurden schon auch die Bretter , welche die nur für diesen Tag aufgerichteten Buden lose genug bedeckten , von beiden Seiten hereingeworfen , und diesen suchte jedermann , auch unser Heuer , so schnell als möglich zu entrinnen . Es war für ihn schon die höchste Zeit , und drüben über der Brücke , wo es ziemlich scharf aufwärts geht , mußte er sich beinahe atemlos laufen , um die Zusel , die wie ein Reh davongeeilt war , noch vor dem Gasthaus » Zum Rößle « glücklich einzuholen . Er kam noch gerade recht und schritt nun senkelaufrecht neben dem hübschen , reichen Mädchen ins Haus , die Stiege hinauf und eines Ganges dem Tanzsaale zu . Hier war es schon so voll , daß Zusel ihm kaum noch zu folgen vermochte . Wer daheim weder Kind noch Rind , im Felde kein Heu zu versorgen hatte , mochte nicht mehr ans Weitergehen denken , nachdem hier einmal ein sicheres Unterkommen gefunden war , wo es auch überdies noch so lustig zuging wie hier . Besonders die nun endlich einmal wieder für einen Tag » entalpeten « Sennen langten auf einmal nach allem nun so lange Entbehrten , was die Gesellschaft dem einzelnen zu bieten vermag . Jauchzend , mit dem vollen Glas in der Hand , umtanzten sie ihre Mädchen und machten dabei so tolle Sprünge , daß wohl auch der ärgste Griesgram sich des Lächelns kaum erwehrt hätte und des behaglichen Gefühls , welches in jedem sich regt , der andere sich einem Genusse gänzlich hingeben sieht . Es gab schon solche , die sich zuflüsterten , was die Welt , der Umgang mit Menschen und die Teilnahme an den Früchten gesellschaftlicher Verbindung dem einzelnen sei , ahne man am ehesten , wenn man den beobachte , der das nur einige Monate entbehrt habe ! Aber nur wenige beschäftigten sich jetzt mit solchen Gedanken , und unser Heuer und die reiche Krämerszusel sicher am allerwenigsten . Sie hätten auch kaum geglaubt , daß noch jemand die Sennen beachte . Jeder Kopf und jede Lippe , wähnten sie , bewege sich einzig nur ihretwegen , und ihretwegen suchten die hinteren Zuschauer , sich auf die Zehen stellend , über die anderen wegzusehen , und ihretwegen hätte man jetzt aufgehört zu tanzen und aufzuspielen . Richtig ! Sobald der Heuer mit Zusel in den Kreis der Tanzenden trat , begann ein Walzer so lieblich und lustig , wie die guten Musikanten heute wohl noch keinen aufgespielt hatten . Natürlich , einer , mit dem des Krämers hübsches Kind sich öffentlich zeigen mochte , mußte auch nicht auf einer Bettlersuppe daher geschwommen sein , das konnten diese Leute sich denken . Nun aber galt es , sich dieser Auszeichnung auch wert zu zeigen . Hierzu nun gab für ihn , der sich selbst heute gestand , daß er als Gesellschafter nicht besonders viel zu leisten vermöge , der Tanzplatz wohl die beste , ja die einzige Gelegenheit . Daß er der beste Tänzer war , konnte ihm nicht abgestritten werden ; er hätte bei den gewagtesten Wendungen ein volles Weinglas auf den Kopf stellen dürfen , ohne etwas für seinen weit hervorstehenden Hemdkragen fürchten zu müssen . Doch das ängstliche Bemühen , es recht schön und künstlich zu machen , kam bald allen lächerlich vor , denen es nicht peinlich war , sich schon beim Zusehen müde werden zu fühlen . Der Heuer jedoch hatte keine Ahnung von einer solchen Wirkung seiner schweißtreibenden Arbeit . » Die werden Augen machen « , dachte er , während er sich zu noch verzweifelteren Sprüngen , einer noch strammeren Haltung zwang . Der Bursche hatte es heute viel strenger als die Woche hindurch beim Heuen . Er war daher auch noch viel schweigsamer als dort und hatte für seine Tänzerin kaum aller fünf Minuten ein schwer zu verstehendes Wort . So hatte diese denn Zeit zum Beobachten , wobei sie sich , wenigstens eine Zeitlang , weit besser unterhielt , als der Heuer sie zu unterhalten vermocht hätte . Gleich hinter ihr her tanzte der Stighans mit seiner Magd . Das närrische , stolze Gänschen hatte doch immer etwas zu reden und zu lachen , so daß Zusel ordentlich Gewalt brauchen mußte , um sich nicht einmal umzukehren und der Schwätzerin zu sagen , man wisse schon noch , wem sie sei , obwohl sie sich auf dem Stighof schon lange gebärde , als ob sie allein der Hahn im Korbe wäre und jeder Tannenwipfel sich nur ihretwegen bewegte . Noch widerwärtiger wurde ihr das Mädchen , als sie es vom Hansjörg reden und dabei die Hoffnung aussprechen hörte , daß er nun wohl bald heimkommen werde . Jetzt ging ihr ein Licht auf . Der Bursche mußte sich opfern , um den gutmütigen Hans für sein Lebtag zum Schuldner zu machen . Darum wohl nur redete das Mädchen von