vertreten , es wird gleich besser sein . Sie stützte sich auf Oswalds Arm ; blaß und vor Schmerz die Unterlippe zwischen den Zähnen pressend . Aber die Farbe kam ihr wieder , als sie zu Oswald aufschaute . Seien Sie unbesorgt , sagte sie - und ihre Stimme klang süßer als je - Ihre Wette haben Sie doch gewonnen . So ! jetzt wird es schon wieder gehen ! Sie wollte ihren Arm aus Oswalds Arme ziehen ; aber er mochte die schöne Beute nicht so bald wieder fahren lassen . Sie können , ohne sich zu stützen , noch nicht gehen , und mißgönnen Sie mir die Freude , Ihnen diesen geringen Dienst leisten zu dürfen ? Ich fürchte nur , der Weg ist bei der Sonnengluth für Sie selbst beschwerlich genug . O ! Ein falscher Tritt ließ Melitta abermals zusammensinken . Wir werden stehen bleiben müssen , sagte sie . Ich will Sie die paar Schritte bis an den Wald hinauftragen ; Sie können sich da wenigstens im Schatten ausruhen . Melitta lächelte . Ich bin nicht so leicht wie eine Puppe . Und ich nicht so schwach wie ein zehnjähriges Mädchen , rief Oswald , umfaßte Melitta ' s schlanken Leib und sie emporhebend , trug er sie sicher , wie die Mutter ihr Kind , über die letzten Steine hinauf bis an den Waldrand , wo die breiten Kronen der Buchen Schatten und Kühlung spendeten . Dort ließ er sie sanft aus seinen Armen auf das dichte Moos gleiten , indem er selbst vor ihr stehen blieb . Melitta hatte sich von dem Augenblicke an , wo der kühne junge Mann sie emporhob , nicht weiter gesträubt ; sie fühlte alsbald , daß er stark genug sei , sie zu tragen ; aber sie hielt es für thöricht , ihm die Last nicht so viel wie möglich zu erleichtern und hatte sich dicht in seine Arme geschmiegt . Wie stark Sie sind , sagte sie jetzt , bewundernd zu ihm aufschauend . Oswalds Herz hämmerte und seine Brust wogte , mehr vor innerer Erregung , als in Folge der Anstrengung . Er fühlte noch immer die elastischen Glieder , die er in seine Arme gepreßt , das weiche Haar , das sein Gesicht umspielt , den süßen Athem , der seine Stirn umweht hatte . Unter solchen Umständen wäre es eine Kunst , nicht stark zu sein , antwortete er . Aber angegriffen hat es Sie doch , gestehen Sie es nur . Kommen Sie und setzen Sie sich zu mir ; auf diesem Moossopha ist Platz für mehr als zwei . Oswald ließ sich neben Melitta , die sich an den Stamm der Buche lehnte , in das weiche Moos sinken , stützte den Kopf auf den Arm und schaute sinnend empor in ihr heiteres Antlitz . - Nahte sich der Traum am Sumpfesrand der Erfüllung ? wird sich das liebe , holde Gesicht zu ihm niederbeugen und ihn küssen , wie die Traumgestalt ? Oder ist dies wieder ein Traum ? ... Es überkam Oswald das wunderliche Gefühl , als habe er dies Alles schon einmal erlebt ; als kenne er diesen Platz : hier den dunklen Hochwald , aus dem das Klopfen eines Spechtes ertönte - vor ihm die Wiese , über deren langes Gras rothe Abendlichter wogten , - drüben den stillen Garten , aus dessen grünem Revier Melitta ' s graues Schloß hervorragte - seit vielen , vielen Jahren ; - als habe er Melitta selbst in seinem früheren Leben oft gesehen , als Knabe schon , wenn er sich recht tief in ein schönes , lauschiges Märchen hineingelesen hatte , so daß zuletzt die holde Prinzessin ordentlich leibhaftig vor ihm stand ... und auch Melitta mußte Aehnliches empfinden , denn vollkommen unbefangen , als wäre er ihr Bruder oder Gatte , nahm sie ihm den Hut vom Haupt und drückte ihm ihr feines , duftendes Taschentuch wiederholt auf die perlende Stirn und die blauen , träumerischen Augen . Oswald ergriff die liebe Hand und preßte sie an seine Lippen . Die Hand muß ich Ihnen freilich lassen , sagte er ; aber das Tuch kann ich Ihnen wahrlich nicht wiedergeben . So behalten Sie es als Andenken an diese Stunde . Aber jetzt wollen wir weiter . Wir haben bis zur Waldkapelle doch noch eine ziemliche Strecke und der Himmel sieht in der That drohend aus . Melitta lehnte sich auf Oswalds Arm , als sie jetzt den schmalen Pfad einschlugen , der erst durch Buchen , dann zwischen einer Schonung jungen Laubholzes auf der einen und hochstämmigem Nadelholze auf der andern Seite tiefer in den Wald führte . Die Sonne goß über die niedrigen Büsche fort ihre letzten Strahlen purpurn auf die Wipfel der Tannen ; ein Vöglein strömte in weichen , klagenden Tönen , als wenn es Abschied nähme von der Sonne und vom Leben , seine süßen Abendlieder aus . - Dann erlosch die Purpurgluth droben , das Vöglein verstummte und Schatten und Stille umfing die Liebenden . Aber der Schatten wurde düsterer und drohender , und die Stille wurde seltsam unterbrochen von dem Knarren und Stöhnen der Tannenriesen , die ihre starken Glieder reckten und dehnten , als wollten sie prüfen , ob ihre Kraft noch ausreiche , dem Gewittersturm , der über den Wald heraufzog , zu trotzen . Und jetzt begann es in den Büschen unheimlich zu zischeln und zu flüstern , dürres Laub flog , wie in toller Angst , her vor der Windesbraut , die sausend in das Blättermeer schlug , die Kronen der Buchen wie wahnsinnig durcheinander peitschte , die hohen Wipfel der Tannen mächtig bog und den Wald bis in die tiefsten Gründe aus seiner Ruhe schreckte . Das fahle Licht eines Blitzes zuckte auf ; schon fielen große warme Tropfen durch die Blätter . Melitta hatte sich dicht an Oswald geschmiegt , dessen Herz mit dem Sturm aufjauchzte . Die Geliebte mit dem einen Arm an sich