verband . Durch die prachtvoll in schönstem Farbenglanze strahlenden Bogenfenster quoll ein Meer von Glanz und Gluth - es war gleichsam die Inbrunst eines glühenden Gefühls , bei dem tausendstimmigen Hymnus des Gebetes , der von den Steinen , welche zu sprechen schienen , widerhallte , getragen von den tausend Armen und gefalteten Händen , welche die Pfeiler zur Feier des Höchsten emporstreckten . Auch über Max kam diese weihevolle Stimmung . Er wandte sich von dem Propst , der ihm weitläufig auseinander setzen wollte , daß diese köstlich gemalten Fenster erst kürzlich von Veit Hirschvogel wären vollendet worden , dessen drei Söhne zugleich die Kunst des Vaters übten und es wohl auch zur Meisterschaft bringen würden . Obwohl Max , sonst ein Freund aller Künstler , gern von allen erzählen hörte , und sie auch selbst aufzusuchen oder zu sich zu bescheiden pflegte , so mochte er doch im Augenblick , wo ein großer Gesammteindruck ihn erfaßt hatte , Nichts vom Einzelnen hören , und sagte kurz abweisend : » Wir sprechen nachher davon , « indeß er zu Ulrich sagte : » Hier ist Leben und Bewegung , und doch ein Bau , der von Ewigkeiten spricht , der Stand halten wird im Sturm der Zeiten . Tausende haben daran gebaut , und ist doch ein Geist in dem Ganzen , und hat doch jeder einzelne Stein seine Stimme , aber alle klingen zusammen in einer großen Harmonie . Ich wollte , ich könnte das deutsche Reich erbauen wie einen Dom . « » Erbau es nach einem solchen ! « sagte Ulrich feierlich . » Du bist der erste deutsche König , der einen Einblick gewonnen in die Mysterien eines solchen Baues ; zeige es den Geweihten , daß Du ein echter Schüler bist des Albertus Magnus und so durchdrungen von seiner erhabenen Lehre , daß Du gar nicht anders kannst , als sie auf alle Verhältnisse anwenden . Sieh ' , kein Profaner hat den Schlüssel zu dem geheimen Grundprinzip unseres Tempelbaues ; aber im Tempel selbst beten alle Profanen an , von der göttlichen Macht bezwungen ; sie verstehen nicht die heiligen Symbole , aber die gewaltige Harmonie , die aus den Steinen redet , klingt in allen Herzen wieder , alle beten an und fühlen : so muß es sein , so lobt das Werk die Meister , die sich selbst verbergen und nur still sich freuen , daß sie Ewiges geschaffen im Endlichen , geschaffen in einem Geist und doch mit tausend Händen . « » Bruder Ulrich , « versetzte Max , indem er dem begeisterten Sprecher tief in die Augen sah , » ich fürchte , wenn ich auch den Grundriß mache gleich dem besten Baumeister : die tausend Hände werden fehlen , die willig sind und geschickt , die Steine nach dem Plan zusammenzufügen zur Harmonie eines ewigen Baues . « » Sie werden nur fehlen , wenn der Aufschwung fehlt , der Glaube an die Macht des Ganzen ! « fiel ihm Ulrich in ' s Wort ; » aber Beides wird kommen , wenn die Stimme des Meisters ruft und sie den Grundstein gelegt sehen zu einem neuen Bau . Du hast die erhabene Sendung empfangen , das Haupt des deutschen Reichs zu sein : so stelle Dich hin mit Zuversicht in seine Mitte ; sei nicht nur der Baumeister , der den Plan entwirft , sei selbst der Mittelpunkt des Sechsortes , sei die Grundlinie in dem Achtort , sei der Zirkel , der darinnen steht und den heiligen Kreis um sich zieht , und das erste Quadrat trage Wahrheit , Freiheit , Recht und Kraft an seinen Spitzen , denn darin ruhet die Signatur Gottes , und das zweite Quadrat sei die Einheit , die das Achtort bildet , und darauf allein baue weiter : dann wird das ganze Volk in Deinen Tempel strömen , preisen und danken und sich neigen vor der göttlichen Macht . « » Fürwahr , « sagte Max , » ich möchte wissen , ob je Albertus Magnus sich hätte träumen lassen , daß seine Lehre vom Kirchenbau einmal solche Anwendung finden würde auf das Reich . « » Warum nicht diese ? « fragte Ulrich . » Er hat den Tempelbau als Gottesdienst selbst gelehrt , und solcher ist es auch den Tempel einer Nation zu erbauen ; das Höchste wird vollbracht , wenn es den höchsten Maßstab an sich legt . Hier ist Leben und Bewegung , sagtest Du vorhin selbst , und doch ein Bau , der Stand halten wird im Sturm der Zeiten ! Siehe , so ist es ! gerade nur ein solcher vermag zu dauern , den das Leben sich frei entfalten läßt und keine Bewegung verhindert . Denke Du auch so auf dem Thron des deutschen Reichs . Hindere keine Bewegung im Volke , die nicht das Ganze bedroht , hindere keine Bewegung im Reich der Geister , gieb nicht zu , daß die Pfaffen sie jemals hindern ! Was wir als Geweihte erkannt und um unsere Erkenntniß wenigstens anderen Geweihten durch Symbole mitzutheilen , und da und dort auch den Profanen , wenigstens solchen , die in den Steinen lesen können , in unsern Wahrzeichen kund thun , daß wir , die wir zum Kirchenbau berufen , doch die Gebrechen der Kirchendiener und Verfassung erkennen : das vergiß nicht draußen im Reich : herrsche mit der Krone und dem Scepter Karl ' s des Großen , aber laß den Kaiserthron mehr sein als einen Fußschemmel unter dem päpstlichen Stuhl . « Max antwortete nichts mehr , weil er nichts mehr hören mochte . Nur der freie Maurer durfte eine solche Sprache reden , nur als freier Maurer durfte er sie anhören . Noch war er ja nur König , noch nicht Kaiser . Er wandte sich von Ulrich zu Anton Kreß , der als stiller , staunender Zuhörer neben ihm geblieben war . Ihn schienen Maxens Blicke zu fragen : Was dünket Euch