nach dem andern fuhr wieder davon . Barfüßele hielt sich zum Gefährte ihres Meisters , das eben auch angespannt wurde . Da kam Rosel und sagte ihrem Bruder , daß sie den Burschen und Mädchen aus dem Dorfe versprochen habe : heute gemeinsam mit ihnen heimzugehen , und es verstand sich nun von selbst , daß der Bauer nicht allein mit der Magd fuhr . Das Bernerwägelchen rasselte heim . Die Rosel mußte Barfüßele gesehen haben , aber sie that , als ob sie nicht da wäre und Barfüßele ging noch einmal hinaus , den Weg , den der fremde Reiter dahin geritten war . Wohin ist er nur geritten ? Wie viel hundert Dörfer und Weiler liegen hier nach diesem Weg hinaus , wer kann sagen , wo er sich hingewendet ? Barfüßele fand die Stelle , wo er sie heute früh zum Erstenmal begrüßt ; sie wiederholte laut seine Anrede vor sich hin . Sie saß noch einmal dort hinter der Haselhecke , wo sie heute Morgen geschlafen und geträumt . Eine Goldammer saß auf einer schlanken Spitze und ihre sechs Töne lauteten gerade : was thust denn du noch da ? Was thust denn du noch da ? Barfüßele hatte heute eine ganze Lebensgeschichte erlebt . War denn das nur ein einziger Tag ? Sie kehrte wieder zurück zum Tanze , aber sie ging nicht mehr hinauf , sie ging allein heimwärts nach Haldenbrunn , wohl den halben Weg , aber plötzlich kehrte sie wieder um , sie schien nicht fortzukönnen von dem Ort , wo sie so glückselig gewesen war , und sie sagte sich nur , es schicke sich nicht , daß sie allein heimkehre . Sie wollte gemeinsam mit den Burschen und Mädchen ihres Dorfes gehen . Als sie wieder vor dem Wirthshaus in Endringen ankam , waren bereits Mehrere aus ihrem Orte versammelt . Und : So ? Bist auch da , Barfüßele ? das war der einzige Gruß , der ihr ward . Nun gab es ein Hin- und Herlaufen , denn Manche , die gedrängt hatten , daß man heimkehre , tanzten noch oben , und jetzt kamen noch fremde Bursche und baten und bettelten und drängten , daß man nur noch diesen Tanz dableibe . Und in der That willfahrte man und Barfüßele ging mit hinauf , aber sie sah nur zu . Endlich hieß es : wer jetzt noch tanzt , den lassen wir da ! Und mit vieler Mühe , mit Hin- und Herrennen war endlich der ganze Haldenbrunner Trupp beisammen vor dem Hause . Ein Theil der Musik gab ihnen das Geleite bis vor das Dorf und mancher verschlafene Hausvater sah noch heraus , und da und dort kam eine hier verheirathete Gespielin , die nicht mehr zum Tanze ging , an das Fenster und rief : Glück auf den Weg ! Die Nacht war dunkel . Man hatte lange Kieferspäne als Fackeln mitgenommen , und die Burschen , die sie trugen , tanzten damit auf und nieder und jauchzten . Kaum aber war die Musik zurückgekehrt , kaum war man eine Strecke vor Endringen hinausgekommen , als es hieß : » Die Fackeln blenden nur ! « und besonders zwei beurlaubte Soldaten , die in ganzer Uniform unter dem Trupp waren , spotteten im Bewußtsein ihrer angehängten Säbel über die Fackeln . Man verlöschte sie in einem Graben . Nun fehlte noch Dieser und Jener und Diese und Jene . Man rief ihnen zu und sie antworteten aus der Ferne . Die Rosel wurde von des Kappelbauern Sohn von Lauterbach begleitet , aber kaum war er fort und kaum war sie bei ihren Ortsangehörigen , als sie laut sagte : » Ich will Nichts von Dem . « Einige Bursche stimmten ein Lied an und Einzelne sangen mit , aber es war kein rechter Zusammenhalt mehr , denn die Soldaten wollten neue Lieder zum Besten geben . Es wurde nur manchmal laut gelacht , denn einer der Soldaten war ein Enkel des lustigen Brosi , der Sohn der Gypsmüllerin Monika , und der brachte allerlei Witze vor , denen besonders der Schneiderjörg , der mit ging , zum Stichblatt dienen mußte . Und wieder wurde gesungen und jetzt schien man sich geeinigt zu haben , denn es tönte voll und hell . Barfüßele ging immer hinter drein , eine gute Strecke von ihren Ortsangehörigen entfernt . Man ließ sie gewähren und das war das Beste , was man ihr anthun konnte . Sie war bei ihren Ortsangehörigen und doch allein und sie schaute sich oft um nach den Feldern und Wäldern : wie war das wunderlich jetzt in der Nacht , so fremd , und doch wieder so vertraut . Die ganze Welt war ihr so wunderlich wie sie sich selbst geworden war . Und wie sie ging , einen Schritt nach dem andern , wie fortgeschoben und gezogen , und nicht wußte , daß sie sich bewegte ; so bewegten sich die Gedanken in ihr von selbst , hin und her ; das schwirrte von selbst so fort , sie konnte es nicht fassen , nicht leiten ; sie wußte nicht was es war . Ihre Wangen erglühten , als ob jeder Stern am Himmelszelt eine heißstrahlende Sonne wäre und in ihr entstammte das Herz . Und jetzt , ja als hätte sie ' s selbst angegeben , als hätte sie ' s selbst angestimmt , sangen ihre vorausgehenden Ortsgenossen das Lied , das ihr am Morgen auf die Lippen gekommen war . Es waren zwei Liebchen im Allgäu , Und die hatten einander so lieb . Und der junge Knab zog in Kriege : » Und wann kommst du wiederum heim ? Das kann ich dir ja nicht sagen Welches Jahr , welchen Tag , welche Stund « ... Und jetzt wurde das Nachtlied gesungen und Amrei sang mit aus der Ferne : Zur schönen guten Nacht , Schatz lebe wohl ! Wenn alle Leute schlafen So muß ich wachen , Muß traurig sein