ein Bett des einen Zimmers . Gute Nacht ! sagte er ihm und ging mit dem zweiten Licht in das Zimmer nebenan . Er rückte behutsam sein Bett an die Verbindungsthür , um lauschen zu können , ob sich Hackert legte . Als er bemerkte , daß dieser völlig ruhig war , das Licht löschte , die Thür zuriegelte und sich aufs Bett warf , entkleidete er sich selbst . Er hatte von dem Gespräch , dem Wein und der Entdeckung über Hackert ' s unglückliche Nervenstörung selbst halb verwirrt , sich kaum niedergeworfen , als er in der Ferne Schlurck ' s Wagen zu hören glaubte , so spornstreichs und im heftigsten Anlauf war der plötzlich verschwundene genußsüchtige Spötter aus dem Hofe gefahren . Über die Beziehung , in welcher Schlurck zu dem Nachtwandler stand , noch länger nachzudenken , fehlte ihm die Sammlung der Sinne . Unten aber hatte der Heidekrüger , als er erfuhr , daß der Nachtwandler des fremden jungen Mannes Kutscher war , erst noch wissen wollen , ob der Justizrath diesen kenne , dann aber , als Schlurck leichenblaß schwieg und sich nur eilig in seinen Wagen setzte , ihn mit der Bemerkung : Der Reubund ist doch Muckerei ! wieder zur Besinnung bringen wollen . Schlurck aber scherzte nicht mehr . Mit der Bemerkung : Gehen Sie zu Bett , Justus , Sie haben zuviel getrunken ! hatte er ihn vom Wagenschlage entfernt und nur noch mit der Magd einige Worte gewechselt , deren Inhalt wir im nächsten Capitel erfahren werden . Justus , der Heidekrüger , hatte , wie freundliche Herrschaften , die ihren Dienstboten gern Trinkgelder gönnen , die Gewohnheit , sich jedesmal , wenn seine Gäste die Börse zogen , zu entfernen und seinen Dienstleuten die Abrechnung zu überlassen . Wir wissen nicht , ob auch dieser Charakterzug in dem Buche erwähnt ist , welches vor mehren Jahren erschien und unter Anderm auch Justus ' Portrait und Lebenslauf enthielt . Es hieß , wenn wir nicht irren : » Deutschlands Biedermänner . « Dankmar Wildungen aber brauchte lange Zeit , bis er , erschreckt von allen diesen Erlebnissen , in dem endlich stillgewordenen Heidekrug entschlief . Achtes Capitel Der Spion Der Morgen brach unfreundlich an . Die Westwolken , die schon die Nacht drohten , hatten sich über den ganzen Horizont gezogen . Das liebliche Blau der vergangenen Tage war verschwunden ; die Schwüle der Luft war noch wie bisher dieselbe . Blüte und Blatt schmachteten der endlichen Erfrischung durch Regen entgegen . Noch standen die Wolken starr und fest , noch wollten sie sich auf die staubige Erde nicht niedersenken . Schon arbeiteten die Schnitter im Felde , um vor den drohenden Gewitterstürzen die Ernte in Sicherheit zu bringen , als Dankmar mit Hackert ausgefahren war , um die begonnene Reise fortzusetzen . Der Heidekrüger schlief wol noch , aber die kluge geschäftige Hausmagd , die sich Liese nannte und der die Sorge für das große Hauswesen ganz allein obzuliegen schien , war schon früh bei der Hand in dem von Arbeitern und Mägden belebten Hofe . Auch das Städtchen Schönau erblickte Dankmar jetzt am fernern Rande des Waldes und mancherlei lebhaften Verkehr , durch welchen diese Wirthschaft des Heidekrügers Justus bedeutsamer mit der ganzen Gegend verbunden wurde . Es erklärte sich ihm jetzt das sichere Gefühl , mit dem der Heidekrüger von seinem Einflusse auf die nächstbevorstehenden Wahlen sprechen konnte . Als Dankmar in den Hof gekommen , fand er Hackert schon mit Aufzäumen des Pferdes beschäftigt und vor ihm die Liese , die ihm mit furchtsamem Ausdruck , eingedenk des gestrigen Abends , zu seinem Erstaunen eine gefüllte Börse mit den Worten hinhielt : Die Herrschaft in der Nacht hat Dies für Sie dagelassen . Wer ? fragte Hackert verdrießlich . Der Herr Justizrath ! sagte die Liese . Sie irrt sich wol . Das Geld ist wol für Sie bestimmt .... Die Magd Dankmarn erblickend , rief ihm , ihr beizustehen . Der Herr Justizrath hätten , erzählte sie , dem Heidekrüger gestern Nacht diese Börse mit all ' dem Gelde drin geben wollen , der hätte aber wie immer gethan , als könnte er blank nicht fünf zählen .... Was ? sagte Dankmar . Eine gute Magd , die so ihren Herrn verleugnet ? Liese wurde roth . Ich merkte schon lange , setzte Dankmar scherzend hinzu , daß Liese mit ihrer Herrschaft nicht im Reinen ist .... Ach , sagte das schon ältere Mädchen , der Heidekrüger ist ein braver Herr , aber zu hoch studirt . Wie ich herzog zu ihm - es sind jetzt an acht Jahre , die Frau Heidekrügerin lebte damals noch - ging Alles nach der Schnur ; denn die Frau führte das Regiment . Als sie starb , wollt ' ich fort , weil mir der Herr zu hochgestapelt war und für Unsereins kein Gehör hat .... Der Heidekrüger hochgestapelt ? Kein Gehör ? Ein Volksmann ? sagte Dankmar . Ich ließ mich beschwatzen und blieb , und es ging auch , weil Die von der Polizei dem Herrn alle Bücher weggenommen hatten und auch einige gute Freunde von ihm im Loche sitzen mußten . Da ließ er die großen Staatssachen und das Geschäft hier kam wieder in Gang . Aber seit ein paar Monaten ist wieder Alles im Brand . Nicht eine vernünftige Antwort hat man von dem steifen Mann . Was soll ich da ? Ich will in einen andern Dienst . So , so , Liese ! Nun , als ehrlich kann man Sie empfehlen . Was soll die gefüllte Börse ? Hackert stand in einiger Entfernung und horchte halb herüber . Der Justizrath wollte die Börse dem Heidekrüger geben , daß er die Zeche abzieht und den Rest da an den ... An meinen Kutscher ... sozusagen ... ? Ja Herr , an den ... Sie blinzelte Dankmarn zu , als wenn man nicht recht wisse , wie man mit dem gespenstischen jungen Menschen