die Gegenwart eines blutjungen unschuldigen Kindes heraufzubeschwören , daß er wahre Wunder der Naivität beging und die Herzogin unwillkürlich in den Strudel der süßesten Liebesraserei mit sich fortriß . » Unglücklich bin ich « , rief der Ritter , » unglücklich geworden seit zehn Minuten , weil ich noch daran verzweifeln muß , ob ich je wieder glücklich werde . Eine Rose fand ich - darf ich sie brechen ? Eine Perle fand ich - darf ich sie an meine Brust drücken ? « - Ähnliche Phrasen entschlüpften dem Ritter zu Dutzenden . Die Herzogin gestand sich , daß sie schon viel dummes Zeug im Leben gehört habe , gewiß aber nicht so viele verliebte Schnörkel , wie sie der Ritter in Zeit von einer halben Stunde produzierte . » Reisen Sie , Ritter ! Suchen Sie Trost und Zerstreuung auf Reisen - « » Gnädige Frau , verstoßen Sie mich nicht . « » Jagen Sie , Ritter ! Suchen Sie Zerstreuung auf der Jagd - « » Gnädige Frau , verjagen Sie mich nicht . « » Treiben Sie Künste und Wissenschaften , Ritter , zerstreuen Sie sich ! « » Lassen Sie mich das nicht in der Kunst suchen , was ich im Leben vor mir habe - « So dauerte die Unterredung fort , und immer schwärmerischer schaute der Ritter auf die Dame , und immer entzückter blickte die Dame auf den Ritter . Doch ich kann von meinen Freunden nicht erwarten , daß sie die Liebesduselei zweier alter Sünder bis zu Ende lesen sollen . Das Geschwätz zweier Liebenden ist unter allen Umständen langweilig , und wenn auch eine Konversation wie die der Herzogin und des Ritters schon ihrer Heuchelei wegen interessanter ist als eine wirkliche , aufrichtige , jugendliche Aventüre , so bleiben die mehr oder weniger abgedroschenen Phrasen doch immer dieselben . » Der süße Gram « und die » holde Not « machen sich in schlecht stilisierten Briefen und in erbärmlichen Redefloskeln Luft , und die Faseleien der Liebe sind unerträglich . Erst da wird die Liebe interessant , wo sie rein sinnlich auftritt . Die sinnlichen Engel auf Erden sind ganz leidliche und interessante Geschöpfe , aber die geschlechtslosen Engel im Himmel wollen wir dem lieben Gotte überlassen . Alle Leute , heißt es in unsern Manuskripten , die seinerzeit auf dem Schlosse des Grafen anwesend waren und die Manöver des Ritters der Herzogin gegenüber zu beobachten Gelegenheit hatten , meinten vor Lachen zu sterben . Der Ritter betrug sich wie der sentimentalste Affe , und er führte diese Rolle mit einer solchen Konsequenz durch , daß die Herzogin sich immer mehr täuschen ließ und wunderbarerweise zuletzt gar nicht mehr daran zweifelte , daß der Ritter ihr mit demselben Verlangen entgegeneile , wie sie sich zu ihm hinübersehnte . Die Herzogin gestand sich , daß sie noch nie so geliebt worden sei . Alle ihre Jugendträume kehrten wieder ; alles , was sie genossen , wurde aufs neue bei ihr lebendig . Sie glaubte sich in jene Tage zurückversetzt , wo einst die Blüte der französischen Jugend zu ihren Füßen lag , und in der Gestalt unseres Ritters erschienen ihr alle Männer , von denen sie Liebes erfuhr . Dem Ritter war es gelungen , was ihm der Graf als die schwierigste Aufgabe geschildert hatte . Es war ihm gelungen , die Jugend der Herzogin in ihr Alter zurückzuzaubern . Als der Ritter aber soweit gelangt war , da kannte die Dankbarkeit der Herzogin keine Grenzen mehr . Wäre es Schnapphahnskis Wunsch gewesen : sie hätte wirklich mit Freuden ihre Schlösser in Brand gesteckt und ihre Demanten ins Meer geschleudert . Diese Dankbarkeit der alten , unverwüstlichen Dame soll etwas Rührendes gehabt haben . In dem abscheulichen Gewirr der Lügen , der Heuchelei , der widerwärtigsten Eitelkeit und der schamlosesten Intrigen tauchte diese Dankbarkeit , dem geschmolzenen Gold in seinen Schlacken ähnlich , als das einzig erquickliche Gefühl auf und versöhnte gewissermaßen das Bizarre und Ekelerregende des ganzen Umgangs . Auf unsern Ritter wirkte dies zurück . Zum ersten Male in seinem Leben schämte er sich . Er hatte zu sehr gesiegt , um sich nicht zu schämen . Aus der ersten , unnatürlichen Annäherung wurde ein jahrelanges , zärtliches Verhältnis . Nach dem Besuch auf dem Landsitze des Grafen kehrte damals die Herzogin nach ihrem Schlosse zurück , und es verstand sich von selbst , daß sie unsern Ritter mitnahm . Es erfolgte nun ein Zusammenleben , daß man unmöglich hinlänglich beschreiben kann . Ein griechischer Kultus wird eingerichtet ; die Herzogin läßt die Badegrotte mit asiatischem Luxus neu möblieren , und hier weilen die Liebenden halbe Tage lang . Odysseus und Kalypso . » Also geschah ' s ; da sank die Sonne , und Dunkel erhob sich . Beide gingen zur Kammer der schöngewölbten Grotte und genossen der Lieb und ruheten nebeneinander . « Todmüde und nach Luft schnappend , zieht sich der Ritter endlich nach seinem Gute zurück . Aber hierhin folgt ihm die Schöne , voll ungestillten Verlangens , in Mannskleidern - - - Groß wie der Dienst war auch schließlich der Lohn . Auf einen Schlag erhält der Ritter 200000 Taler . XVIII Das Resultat Komisch würde es sich ausnehmen , wenn man auf unsern heutigen Bühnen bei hellem , lichtem Tage Theater spielen wollte . Unter der ganzen gemalten Herrlichkeit würde das Eselsohr der Wirklichkeit hervorschauen . Blumen und Bäume würden ihren Glanz verlieren , und Salons und prächtige Hallen würden zu wahren Ställen und schofeln Korridoren hinabsinken . Auch die Künstler würden sich ganz anders ausnehmen . Unter einem Almaviva würde man trotz der besten Maske den Herrn Meyer erkennen , Marquis Posa käme als Herr Fischer zum Vorschein , und so würde man einen jeden an seinen Blatternarben erkennen , an seinem schlechten Schnurrbart oder an irgendeiner andern Vernachlässigung der Schöpfung , und der Herr Direktor würde bald vergebens sein Haus zu füllen suchen . Wie es dem Direktor mit dem Theater