zu entsinnen , - doch , der Gefangenwärter eines des Diebstahls verdächtigen Maschinenarbeiters aus der Borsigschen Fabrik , Namens Ralph - - - Der völlig unschuldig ist - bemerkte der Prinz . - Sie kennen ihn ? - Durch Alice . - Hm ! ! - Also dieser Gefangenwärter zeigte mir an , daß Ralph einige Mal im Selbstgespräch mit drohendem Tone den Namen Gilbert ausgerufen . - Ist der arme Mensch schon wieder frei ? - Nein . Zwar hat der Chevalier St. Just das Mißverständniß mit dem Goldstück aufgeklärt , doch habe ich höhern Orts Befehl erhalten , die Freilassung noch zu verschieben . Wie kommen Euer Königliche Hoheit jedoch auf Gilbert ? - Alice hat recht gehabt : er ist ein Verräther - sagte leise der Prinz , und fuhr dann fort : Dieser Mensch scheint vom Schicksal bestimmt , mir überall , wo ich ihn finde , hindernd den Weg zu versperren , meine liebsten Wünsche zu vernichten . Zuerst trat er mir in Straßburg entgegen . Jenes Mädchen , es war nicht von hohem Adel , wie Sie sagten , aber ein Engel an Liebreiz und Unschuld - jenes Mädchen , das , nachdem sie den schändlichsten Verführungsversuchen und den niederträchtigsten Verläumdungen , welche auf meine Rechnung geschmiedet wurden , widerstanden , endlich durch eine teuflische List dem fürstlichen Wüstling in die Arme geführt wurde , war - meine Geliebte , und der Nichtswürdige , welcher das Bubenstück dem Fürsten ausführen half , war jener Gilbert , den wir bei der Gräfin Bedford unter der Maske des Chevalier St. Just kennen gelernt haben . Herrn v. M. entfuhr ein Ausdruck des Erstaunens . - Wo waren meine Augen - fuhr der Prinz in verbissener Wuth fort - daß ich den Elenden nicht gleich erkannte ! Aber eine geheime Stimme sagte mir , daß ich ihn hassen müsse . Ich glaubte aber den Grund dieses Hasses in meiner Eifersucht rücksichtlich der Gräfin suchen zu müssen . - Vortrefflich - sagte nach einer Pause Herr v. M. - der Vogel ist so gut wie gefangen . - Lassen Sie mich dafür sorgen . Inzwischen waren sie bei den » Zelten « angelangt , wo bereits um die fast in der Mitte des Platzes stehende Tribüne eine große Menge Volks versammelt war . Die an den Pfeilern der Tribüne angebrachten Oellampen warfen ein trübes Licht über die Menge und auf die düstern Rumpfe der blattlosen Bäume des Thiergartens . Das unheimliche Colorit der ganzen Scene wurde durch den herabrieselnden feinen Nebelregen noch mehr verdüstert . Auf der Balustrade der Tribüne , den linken Arm um den Pfeiler geschlungen , stand ein junger Mann , welcher mit lauter , fast schreiender Stimme die an den König gerichtete Adresse verlas , welche nun , da der König die zur Ueberbringung derselben gewählte Deputation nicht empfangen wollte , auf anderm Wege an ihn abgesandt werden sollte . Man hatte die Stadtverordneten , welche ebenfalls eine Adresse vorbereitet hatten , ersucht , die von der Volksversammlung beschlossene der ihrigen beizulegen . Dies war abgeschlagen worden . Es traten Redner auf , welche für Wiederholung des Gesuchs um eine Audienz sprachen . Andere erklärten offen , man müsse für die Deputation eine Audienz erzwingen , und schlugen daher eine Ministerpetition vor . Wie gewöhnlich bei solchen Versammlungen ernteten auch hier die extremsten Redner den meisten Beifall . Diese psychologische merkwürdige Thatsache läßt sich aus demselben Grunde erklären , der uns den Aufenthalt in warmen Zimmern desto angenehmer macht , je drohender draußen der Sturm tobt und der Regen die Fensterladen peitscht . Der Wanderer draußen hat natürlich einen andern Begriff davon . Es beruht dies nur auf » Ansichten . « Die Petition wurde also beschlossen . Gegen 12 Uhr trennte sich die Menge , und zog in großen Trupps singend und disputirend dem Thore zu . - Welches Prognostikon stellen Sie dieser Bewegung ? - fragte Herr v. M ... den Prinzen , indem sie sich von dem Strome des Volks mitforttragen ließen . - Ich muß gestehen , daß trotz des vielen Unpolitischen , Uebertriebenen und Abenteuerlichen in ihrer Begeisterung die Menge dennoch ein - wenn auch nur halbbewußtes - Bedürfniß ihrer politischen Rechte fühlt . Und dann liegt in der Macht , welche ein Gedanke , wie absurd er auch sonst sein mag , auf eine große Menge ausübt , sie wie ein Mann zu fühlen und zu denken zwingt , immer etwas Imposantes , selbst Ehrfurchtgebietendes für mich . Und Sie ? - Sie sind glücklich , sich so in die objektive Gegenwart vertiefen zu können . Ich habe denselben Eindruck gehabt wie Sie , aber es war kein erfreulicher . Ich denke mit bangem Herzen an die Ströme Blutes , welche dieser Enthusiasmus der Menge für eine politische Idee als Consequenz fordern wird . - Sie sehen zu schwarz - mein Lieber . - Herr v. M. lächelte . Ein Vorwurf , der mir in diesem Falle schmeichelhafter ist , als Sie denken . Denn es liegt darin die Anerkennung , daß das Polizeihandwerk mich nicht bornirt hat . Aber im Ernste : ich bin fest überzeugt , daß die Begeisterung des heutigen Abends das Signal zu einem Bürgerkriege sein wird , dessen Ende sehr zweifelhaft sein dürfte . Oder glauben Sie , daß das einmal erwachte Rechts- und Freiheitsbewußtsein des Volks sich eben so leicht wieder in Fesseln schlagen läßt , als es in den Fesseln zu halten war ? Nein , nein ! Gerade der Glaube an die Möglichkeit , oder doch an die Leichtigkeit einer solchen Wiederfesselung wird den Sieg zweifelhaft machen . - Wie aber , wenn man an die Wiederfesselung nicht dächte , dem Strome seinen Lauf ließe , wie dann ? So hätten wir eine Ueberschwemmung zu fürchten , nicht wahr ? - Nein , oder doch eine , welche nicht verheert , sondern befruchtet . Aber das sind Chimären , an deren Möglichkeit Sie im Ernste nicht denken können . Der