jene fast unwegsame und großentheils unter Wasser stehende Niederung ritten , die den Mississippi an beiden Ufern viele Meilen breit einschließt . An einen Pfad war dabei gar nicht zu denken , nicht einmal ein Zeichen ließ sich an Busch oder Baum erkennen , daß hier die fleißige Hand der Menschen schon je thätig gewesen . Nur Rohr und Unterholz gedieh , so weit ihnen das der dichte Schatten der vollbelaubten Stämme erlaubte , nach besten Kräften , und der üppige Wuchs der Schlingpflanzen schien sich in dieser Umgebung besonders wohl und kräftig zu befinden . An wenigen Stellen waren die Strahlen der Sonne vermögend gewesen , durch das Gewirr von Laub und Aesten zu dringen , und wo ihnen das wirklich gelang , da spielte auch sicherlich ein dichter Schwarm schlankhüftiger Mosquitos in dem warmen , die feuchten Schwaden der Nachtluft vertreibenden Lichte . Heruntergebrochenes Holz starrte überall vom Boden auf , und an den wenigen Plätzen , die das Auge noch erkennen konnte , verstattete das dichte , hier nie von einem Wind verwehte Laub den einzelnen Grasspitzen kaum , sich Bahn zum Lichte zu brechen . Die Reiter schienen aber an ihre öde Umgebung gewöhnt . Keinen Blick warfen sie weder rechts noch links auf die sie umschließende Wildniß , nur vor sich nieder sahen sie , vor die Hufe ihrer Pferde , um diesen , durch ihre höhere Stellung begünstigt , das Terrain überblicken zu helfen und die beste , das heißt die am wenigsten schlechte Bahn auszusuchen . So sehr aber auch der Aelteste und Stärkste von ihnen in seine ganze Umgebung passen mochte , so sehr stach der Zweite , Jüngere , dagegen ab . Ein mit den näheren Verhältnissen nicht Vertrauter hätte auch wahrlich staunen sollen , wenn er die zierliche , schlanke , fast stutzerhaft gekleidete Gestalt auf dem prächtigen und edeln Rosse an einem Ort gefunden , zu dem sich , wie jeder vernünftige Mensch glauben mußte , eigentlich nur ein Bärenjäger verirren konnte . Er war schlank , ja fast schmächtig gebaut und ganz nach dem modernsten Schnitt der damaligen Pariser Mode in einen leichten hellbraunen Frack , weißseidene Weste , braunseidenen Shlips und großcarrirte Pantalons gekleidet . Den untern Theil der letzteren hatte er aber , um sie vor dem Bespritzen zu wahren , nach Art der Hinterwäldler mit einem breiten Stück grellrothen Flanells umwunden , der sie bis über das Knie hinauf beschützte und auch zugleich den Fuß vollkommen umhüllte . Den Kopf deckte ein feiner schwarzer Filz , und darunter vor quollen volle und üppige , seidenweiche blonde Locken . Mit den treublauen Augen hätte man ihn auch wirklich fast für ein schönes verkleidetes Mädchen halten können , wäre nicht der keimende Flaum der Oberlippe gewesen . Nie aber schlug noch in einer menschlichen Brust ein Herz , das eines Teufels würdiger gewesen , wie in dieser - nie im Leben trog Auge und Blick mehr , als bei diesem Buben , der sich , einer Schlange gleich , von seinem glatten Aeußeren begünstigt , nicht in die Häuser , nein in die Herzen Derer stahl , die er vernichten wollte , und über deren Elend er dann frohlockte . Auf der Insel hatte er sich als Eduard Sander eingeführt und der Bande durch seine Verstellungskunst und teuflische Bosheit schon unendlichen Nutzen gebracht . Ueber sein früheres Leben wußte aber Niemand etwas Genaueres , und da der größte Theil der Gesellschaft , der er nun angehörte , eben so wenig Ursache hatte , mit vergangenen Vorfällen zu prahlen , frug ihn Niemand danach . Er gab sich nur kurz für den Sohn eines georgischen Pflanzers aus und stellte damit seine Umgebung vollkommen zufrieden . Sein stets verschlossenes Wesen ließ ihn aber auch unter den Kameraden , wenn er ja einmal für kurze Zeit auf der Insel verweilte , ziemlich allein stehen . Er schloß sich an Keinen an , und stand nur mit dem Capitain und dessen Frau in freundschaftlicher Verbindung , was sich freilich auch schon leicht durch den Grad der Bildung erklären ließ , den er selbst genoß , und durch den , auf dem die Gefährten seiner Verbrechen standen . Der Einzige von allen diesen , mit dem er zu Zeiten plauderte und zu dem er sich hielt , war Blackfoot , sein jetziger Begleiter , der das Rauben gewissermaßen als Geschäft betrachtete und oft behauptete , es sei bei ihm so zur Leidenschaft geworden , wie beim Jäger das Bärenhetzen . Seinem Führer und Capitain dabei ergeben , war Blackfoot treu und offen , wenigstens gegen die Kameraden . Sander hatte er aber besonders deshalb lieb gewonnen , weil dieser eine eben solche Aufrichtigkeit gegen ihn heuchelte . In der That aber war er weit davon entfernt , ihn mit Sachen bekannt zu machen , die er nicht nothgedrungen wissen mußte . Blackfoot ging in die Tracht der Hinterwäldler gekleidet . Er trug Büchse und Bowiemesser , und gab sich für einen Ansiedler aus , der sich erst kürzlich dicht am Ufer des Mississippi niedergelassen hätte und nun nicht übel Lust habe , einen Theil seines Vermögens in irgend einer vorteilhaften Speculation anzulegen . Beider Ziel war aber für jetzt Helena , wohin Sander seine besonderen , allerdings geheimen Instructionen hatte . » Die Pest über solches Reiten , « brach endlich dieser das Schweigen , das sie bis dahin - zu sehr mit der Unebenheit des Bodens beschäftigt - beobachtet hatten - » Hals und Beine könnte man brechen , und das Schlammwasser schlägt Einem fast bei jedem Schritte über dem Kopfe zusammen . Daß mich auch der Henker diesen Weg führen mußte ; ich werde schön aussehen , wenn wir nach Helena kommen . Wo zum Teufel mag denn nur die verdammte Straße liegen . Wir sind am Ende in all ' diesem Gewirr schon drüber hin und ziehen nun gen Westen in irgend eine schöne , noch nicht entdeckte Gegend . « » Habt keine Angst , « lachte der