jedoch dafür , daß die neuen einer möglichen Bestechung weniger zugänglich sein würden , als die alten ? und waren diese es überhaupt ? - Lieber keine Nachforschungen anstellen , als sie anstellen und zu keinem Resultat kommen ! Ich verhielt mich passiv und sprach nur mit Sedlaczech über diesen mysteriösen Dämon , der seinerseits höchst activ war . Einmal wurde Beethovens C moll-Symphonie unter meinem Balkon von der vortreflichen östreichischen Regimentsmusik ausgeführt . Ein andres Mal folgte eine Barke mit Sängern der meinen , und liebliche Barcarolen und andre Volkslieder begleiteten meine Spazierfahrt . Zufall konnte das Alles nicht sein , weil es immer Bezug auf Aeußerungen hatte , die ich gemacht und deren ich mich sehr wol erinnerte . » Aber was soll eigentlich dies Alles vorstellen ? fragte ich einmal ganz ungeduldig Sedlaczech . Dieser liebenswürdige unsichtbare Sylf beginnt mich zu langweilen . « » Soll das heißen , daß er sichtbar werden möge ? entgegnete Sedlaczech . Nehmen Sie sich in Acht ! er erfüllt pünktlich Ihre Wünsche .... und wer weiß in welcher abschreckenden menschlichen Gestalt er sich Ihnen nächstens präsentiren wird . « » Das wäre unangenehm ! « rief ich unbefangen . » Also interessiren Sie sich genug für ihn um ihn in Ihrer Vorstellung liebenswürdig zu finden ? « » Aufrichtig gesagt - ja ! Es ist unmöglich der Gegenstand einer so aufmerksamen und ausdauernden Huldigung zu sein , ohne sich mit Demjenigen zu beschäftigen der sie uns darbringt ; und da ist es doch ebenso unmöglich ihn in der Phantasie zu einem Monstrum zu machen . « » Wär ' er es nicht , so würde er vielleicht längst zu Ihren Füßen liegen . « » Wie sollt ' er das anfangen ? ich kenne ihn ja nicht . « » Sie kennen ihn nicht , d.h. er ist Ihnen nicht in aller Form mit Namen , Rang und Würden feierlich vorgestellt worden ! .... Ist denn diese ceremoniöse Etikette sogar Ihnen gegenüber , wenn eine Seele in Flammen lodert , nothwendig ? sagen denn auch Sie : Ich bitte um Namen , Stand und Herkunft , mein Herr , bevor ich mich entschließe ob ich mich soll von Ihnen lieben lassen oder nicht . « » So ist die Welt ! entgegnete ich halb lachend und halb mißachtend ; - und ich gehöre ihr an . « » O Sibylle ! rief er , das sollten Sie nicht so kalt eingestehen . Wer der Welt Aug ' in Auge gesehen und sich als ihr Kind erkannt hat , dem müßte es gehen wie dem Basilisken : ihm graut vor seinem eigenen Bilde , er stirbt an seinem eigenen Blick . O Sibylle ! diese hohlen Existenzen , die nach Regeln der Convenienz leben , statt nach Idealen - schmähen die ewige Wahrheit und die heilige Natur ! Nicht daß sie alle und immer selbstbewußt der Lüge und Falschheit anheimfielen ; aber Unnatur ist die Sünde wider den heiligen Geist , die ihren Fluch in sich selber trägt , denn sie entwurzelt so zu sagen den Menschen , und macht aus ihm , diesem erhaben-organischen Gebilde - eine Maschine , die ohne Zusammenhang mit der Natur , und abgelöst von der Gottesidee ist . Das rächt sich durch die sittliche Verkümmerung des Geschlechts . Das macht ehrlos d.h. bewußtlos über die wahre Ehre . O Sibylle , stellen Sie sich nicht mit so kalter Entschlossenheit in die Reihen der Welt . « Mit grenzenlosem Staunen hörte ich ihm zu , wenn unsre Gespräche eine solche Wendung nahmen . Ich konnte seine Ansicht nicht in Einklang bringen mit seinem Leben , konnte nicht begreifen wie er zu derselben gekommen sein mogte . Er lebte fleißig und zurückgezogen wie ein Künstler der alten Tage , mäßig wie ein Brahman , keusch wie ein Anachoret , er hatte seinen eigenen Aeußerungen zufolge nie anders gelebt - woher denn dieser feindliche Contrast mit der Welt ? - - » Sie tragen die Farben Ihres Gemäldes zu grell und hart auf , entgegnete ich , und das rührt daher , weil Sie der Welt wirklich nicht Aug ' in Auge - sondern sie durch irgend einen entstellenden Zerrspiegel gesehen haben . Es sind auch gute Elemente in ihr , und edle Geister wandeln auf ihr . Ein Mensch wie Sie , Fidelis , müßte vor allen Andern an das Gute und Wahre im Menschen glauben . « » O ich glaube daran ! rief er lebhaft . Liebe und Wahrheit sind die Gottesidee in uns , und diese bildet den Keim und Kern des Ideals zu dem wir streben , dem wir nachleben , wozu wir uns möglichst entwickeln sollen . Daran zweifle ich nicht , daß dies Aetherflämmchen die irdische Form beseelt - nur daran , daß es in der Welt zu einem reinen Feuer aufflamme . Es wird erstickt im Wust und im Staube des fremden Unwerths und der eigenen Schwäche - die auch unwerth macht und unwerth ist . « » Die auch unwerth ist ! « wiederholte ich wie ein bewußtloses Echo - dermaßen trafen mich solche Worte im Mittelpunkt meines Wesens . Ich war mir so recht dieser Schwäche bewußt , die nicht im Stande ist das heilige Feuer zu pflegen , weil es dabei Vigilien und lange kalte Nächte giebt . Sedlaczech machte mich durch dergleichen Gespräche ohne es zu beabsichtigen namenlos traurig indem er mich zugleich exaltirte . Ich wünschte mich zu opfern , mich beherrschen zu lassen , gar Ketten zu tragen , nur um aus dem Bewußtsein der inneren Unsicherheit gerettet zu werden . Ich betete um irgend eine entscheidende Wendung meines Lebens , die mich auf einen bestimmten Pfad und zu einem bestimmten Ziel führen müsse . Bei diesem Gebet vergaß ich nur daß äußere Umstände von geringer Wirkung sind , sobald die innere Entschiedenheit der Seele fehlt . Der Winter war gekommen und hatte kältere Nächte und zuweilen Stürme gebracht . Ich wagte mich nicht