ihn nit erkennen möchten , so sie ihme etwan begegneten und es seinem Herrn Vater wieder verzählen , daß er des Nachts auf dem Berg gewest . Auf solch ihr Bekenntnüß wollte ich schier verzweiflen und schriee für Zorn : o du gottlos ungehorsamb Kind , also hastu doch einen Buhlen ? Habe ich dir nicht verbotten des Nachts auf den Berg zu steigen ? was hastu des Nachts auf den Berg zu thun ? und hub an also zu klagen und zu winseln und meine Hände zu ringen , daß es Dn . Consulem selbsten erbarmete , und er näher trat , umb mir Trost einzusprechen . Hierzwischen aber trat sie auch selbsten heran und hub an mit vielen Thränen sich zu vertheidigen : daß sie wider mein Verbot des Nachts auf den Berg gestiegen , umb so viel Birnstein zu gewinnen , daß sie mir heimblich zu meinem Geburtstag die Opera Sancti Augustini so der Cantor in Wolgast verkaufen wölle anschaffen müge . Und könne sie nicht davor , daß der Junker ihr eines Nachts aufgelauert , doch schwöre sie mir bei dem lebendigen Gott , daß dorten nichts Ungebührliches fürgefallen , und sie annoch eine reine Jungfer sei . Und hiemit wurde nunmehro das erste Verhör beschlossen denn nachdem Dn . Consul denen Schöppen etwas ins Ohr gemürmelt , rief er den Büttel wieder herein , und befahle ihm : auf Ream ein gut Augenmerk zu haben , item sie nunmehro nit mehr los im Gefängnüß zu belassen sondern anzuschließen . Solches Wort stach mir abermals durch mein Herze , und beschwur ich Se . Edlen angesehen meines Standes und meiner altadlichen Abkunft , mir nicht solchen Schimpf anzuthun und mein Töchterlein schließen zu lassen . Ich wölle mich vor Eim achtbaren Gericht mit meinem Kopf verbürgen daß sie nit entrinnen würde worauf Dn . Consul , nachdem er hinausgangen und sich die Gefängnüß angesehen , mir auch willfährig war , und dem Büttel befahl es mit ihr zu lassen , wie zeithero . Fußnoten 1 oder Usedom , ein Städtchen , von dem die ganze Insel den Namen führt . 2 d.i. erster Bürgermeister . 3 Protokollführer . 4 d.i. dominus Consul oder der Herr Bürgermeister . 5 Die Verklagte . 6 Dies lächerliche Verfahren schlug man in der Regel bei dem ersten Verhör einer Hexe ein , weil man in dem Wahne stand , sie bezaubere sonst von vorne herein die Richter mit ihren Blicken . Hier wäre der Fall nun allerdings gedenkbar gewesen . 7 O ihm kroch da nur eine Laus , die ich greifen wollte . 8 Plattdeutsch für : halberwachsen . 9 Frage 10 Antwort 11 entzaubern . 12 Man glaubte , der Teufel gäbe den Hexen eine Salbe , um sich durch deren Gebrauch unsichtbar zu machen , in Thiere zu verwandeln , durch die Luft zu fahren u.s.w. 13 plattdeutsch : d.i. ermuntert . 14 Ists heraus , ists heraus , hat sie gebeichtet ? Capitel 19. Wie der leidige Satan unter des gerechten Gottes Zulassung uns ganz zu unterdrücken beflissen , und wir alle Hoffnung fahren lassen . Selbigen Tages , wohl umb 3 Uhren Nachmittags , als ich zu dem Krüger Conrad Seep gangen war , umb doch etwas zu genüßen , anerwogen ich nunmehro in 2 Tagen Nichtes nicht in meinen Mund bekommen , denn meine Thränen , er mir auch etwas Brod und Wurst benebst einer Kannen Bier fürgesetzet , tritt der Büttel ins Zimmer , und grüßete von dem Amtshaubtmann doch ohne daß er seine Küffe1 anrührete : Ob ich nicht wölle bei Sr. Gestrengen das Mittagsmahl speisen , S.G. hätt es nicht gleich beachtet , daß ich wohl noch nüchtern wär , dieweil das Verhör so lange gezögert . Ich gab hierauf dem Büttel zur Antwort : daß ich mir allbereits , wie er wohl einsäh , mein Mittagsbrod hätte verabreichen lassen und mich bei Sr. Gestrengen bedanket . Darüber verwunderte sich der Kerl und gab zur Antwort : ob ich nicht säh , wie gut es Se . Gestrengen mit mir vermeinete , wiewohl ich ihn , wie einen Juden abgekanzelt . Söllte doch an mein Töchterken denken , und nachlässig2 gegen Sr. Gnaden sein , so könnte vielleicht noch allens gut ablaufen . Denn Sr. G. wäre nicht ein so grober Esel als Dn . Consul , und hätt es gut mit mir und meim Kind im Sinn , als einer rechtschaffenen Obrigkeit geziemete . Als ich nun mit Mühe den dreusten Fuchs loos worden , versuchete ich ein wenig zu genüßen , aber es wollte nicht herunter , bis auf das Bier . Saß dahero bald wieder und sanne , ob ich mich bei Conrad Seep einmiethen wöllte , umb immer umb mein Kind zu sein , item , ob ich M. Vigelio dem Pfarrherrn zu Benz , nicht wöllte meine arme und verführte Gemeind übergeben , so lange mich der Herr noch in Versuchung hielte . Da wurd ich wohl nach einer Stunden durchs Fenster gewahr , daß ein lediger Wagen für das Schloß gefahren kam , auf welchen alsobald der Amtshaubtmann und Dn . Consul mit meinem Töchterlein stiegen , item der Büttel , so hinten aufhackte . Ließ dannenhero Allens stehn und liegen und lief zu dem Wagen , demüthig fragende : wohin man mein arm Kind zu führen gesonnen ? Und als ich hörete , daß sie in den Streckelberg wöllten , umb nach dem Birnstein zu sehen , bat ich , daß man mich müge mitnehmen , und bei mein Kind sitzen lassen , wer wüßte , wie lange ich noch bei ihr säß . Solches wurde mir auch verstattet , und bote mir der Amtshaubtmann unterweges an , daß ich könnte im Schloß meine Wohnung aufschlagen , und an seinem Tisch speisen , so lange mir geliebte , wie er auch meim Töchterlein alle Tage von seinem Tisch schicken würd . Denn er hätte ein christlich Herze und wüßte ganz wohl , daß wir