und lächelnd sagte : » Es wäre auch schade , wenn Sie den Klosterberuf hätten ! - Aber was soll denn eigentlich aus Ihnen werden , Cunigunde ? « » Was Gott will ! « - sie faltete die Hände , legte sie auf die Bibel und neigte das Haupt . » Aber wie soll sein Wille sich Ihnen offenbaren , wenn Sie verstockt sind , und auf Wunsch , Rath , Bitte Ihrer besten Freunde nicht hören ? « » Meiner besten Freunde ? ja , das ist es eben - ich habe gar keine Freunde ! « » Ihre Eltern - mich .... « - » Ja , Sie , mein lieber Feldern , Sie sind wirklich mein Freund , und es ist nur gar zu traurig , daß diese Angelegenheit Sie selbst zu nah betrifft , um ganz unbefangen zu sein . Und meine Eltern ? ach mein armer , harmloser Vater , der grämt sich um mich , der möchte alle Welt fröhlich wissen , seine Lieben zuerst ; drum thut er ja Alles , was die Mutter will . Und meine Mutter ist eine kluge Frau , und auch eine gute Frau ! sie meint es gewiß gut mit uns Allen , auch mit mir . Sie spricht : ich sei arm und was ich denn weiter wolle , als einen braven Mann ; und so lange ich im Elternhause , hindere ich die Versorgung meiner Schwestern , da ich die schönste von ihnen , und deshalb die begehrteste sei . - Sonst aber hab ' ich keine Freunde und weiß auch Niemand , den ich mir zum Freunde wünschte , als .... « - » Nun , als ? « fragte Feldern gespannt . Und da sie schwieg : » Graf Mengen etwa ? « » Wen ? « sagte Cunigunde zerstreut . » Graf Mengen , der im Spätsommer mit mir einmal hier war . « » Ach nein ! keinen Mann . Eine Frau , eine himmlische , wunderbare Frau , der Sie mich im vorigen Winter auf dem Maskenball vorgestellt haben : die Gräfin Obernau . Ich habe sie nur das einzige Mal gesehen , aber ich kann sie gar nicht vergessen ! wie sie ansah und aussah , wie sie ging und stand , wie sie sprach und lächelte , immer fiel mir » das Mädchen aus der Fremde « ein , und ob ich nicht auch eine arme Hirtin sein könne , der sie eine Gabe brächte . « » Liebe Cunigunde , Sie sind wirklich ein wenig sentimental ! Das Liebesgefühl lebt in Ihrem Herzen , aber es scheint Ihnen zarter , überirdischer , engelhafter , eine Freundin zu lieben , als einen Freund , und so quälen Sie sich und mich . Die Gräfin Obernau ist zwar eine äußerst anmuthige Person , aber da nicht Jeder die Kraft und die Selbständigkeit hat , so frei das Leben zu beherrschen , so dürfte sie nicht als Richtschnur für allgemeine Verhältnisse dienen . « » Das begehre ich nicht ; ich wünschte nur , daß sie mich liebte . Wünschen Sie das nicht auch für sich ? « » Ganz und gar nicht - obschon es sehr angenehm ist , mit ihr zu leben . Möchten Sie bisweilen sie besuchen , so will ich sie darum bitten ; sie erlaubt es gern . Die Monotonie und Einsamkeit Ihres Lebens hier mag auch Ihre Nerven abspannen ; vielleicht thut sanfte Zerstreuung , ohne Tumult , ohne Geräusch , Ihnen gut . Theure Cunigunde , ich würde Sie so gern genesen und glücklich sehen . « Cunigunde gab ihm dankbar die Hand , froh der Aussicht , welche er vor ihr eröffnete . Sie wußte nichts Bestimmtes davon zu hoffen ; deshalb war ihr , als ginge sie dadurch ihrem Glück entgegen , ihrer Befreiung , ihrer Erlösung . Ihr schönes Gesicht , welches durch lange , reine Schmerzen unaussprechlichen Adel hatte , lichtete sich an der Hoffnung auf , wie eine frierende Blume am Sonnenstrahl . Freundlicher , als seit Monaten , schieden die Verlobten . Feldern dachte : Faustine hat zwar wunderliche und etwas unpraktische Ansichten von den geselligen und bürgerlichen Verhältnissen , aber Niemand ist weniger sentimental , als sie . Cunigundens Ueberspannung wird in ihrer klaren Atmosphäre weichen , und ist sie nur erst gewichen , so bin ich ja des Mädchens gewiß , das für keinen Andern Neigung gefaßt hat , sondern nur überhaupt ruhigen , kühlen Temperaments ist . Das werden die besten Frauen - Frauen , auf die man sich verlassen kann , ohne Schwankungen , ohne besorgnißerregende Allüren - Frauen , die den Mann nie hinreißen und ihm stets gefallen . Solche Faustine entzückt , aber wer hat den Muth , sie zu heirathen ? nicht einmal Andlau . Weibern gegenüber , die immer wie in einem Regen von Brillantfeuer stehen , kommt man sich so dunkel , so inferieur , so dumm vor , daß enorme Selbstverleugnung dazu gehört , um sie zu lieben . Vielleicht liegt aber in ihrer Liebe Lohn für diese Demüthigung . Der starke Mann fürchtet nicht zu der Geliebten emporzublicken ; er fühlt die Kraft in sich , mit einem Schwung ihr zur Seite zu stehen . Der eitle und schwache Mann hält sie gern in seinem Niveau ; er fürchtet die Ueberstrahlung , und fühlt nicht die Kraft , ein Gegengewicht in die Schaale zu werfen . Mengen fehlte nicht am nächsten Morgen bei Faustine . Der Bediente öffnete ihm den Salon . Er war leer . Mario ging hindurch und betrat das zweite Zimmer , welches er gestern nur durch die Thür gesehen . Heute sah er sich darin um ; denn dies war augenscheinlich das Gemach , worin Faustine sich am meisten aufhielt . An dem einen Fenster stand ihr Schreibtisch , nichts frappirte ihn auf demselben , als Andlaus Portrait in Aquarel sehr schön und sehr ähnlich gemalt ; ein denkender , ernster