Prälatur verloren , die Einkünfte derselben jedoch zum größeren Teile behalten hatte , und daher noch immer seine Tage in Wohlleben hinbringen konnte . Hauptsächlich hielt der alte Herr auf eine leckere Tafel , und diesen Genuß ihm vorbereiten zu helfen war auch ich bestimmt . Ich entzündete das Feuer des Herdes , ich nahm die herkömmlichen Abwaschungen der dem Dienste geweihten Gefäße vor , ich setzte die Maschine in Gang , mit welcher der Spieß zusammenhing , des Bratens Halter ; kurz , denn wozu Umschreibungen ? ich war Küchenjunge bei dem Prälaten , aber ich war ein denkender Küchenjunge . Der Prälat ging von dem Grundsatze aus , daß eine jede Köchin nur die sechs ersten Monate ihres Dienstes hindurch gut koche , nachher aber sich zu vernachlässigen pflege . Er schaffte daher auch alle Semester eine neue Kochmagd an , und ich erkannte bald , daß , wenn ich bei ihm nur drei Jahre lang aushielte , ich alle sechs Elementarstudien der Liebe mit den Köchinnen der sechs Semester werde durchmachen können . Denn es war in dieser Küche hergebracht , daß die Köchin den Küchenjungen lieben mußte . Die Sache hatte also keine Schwierigkeit . Das erste Vorstudium mußte , wie sich von selbst versteht , die Sinnlichkeit sein . « Das Fräulein wollte sich erheben . Münchhausen hielt sie zurück und sagte : » Fürchten Sie auch jetzt nichts , meine Verehrte , von der Sinnlichkeit , ich habe von diesem Zeitabschnitte nur zu berichten , was selbst in einer Mädchenpension mit angehört werden könnte . Es diente damals in der Küche die alte Wally ; wie man sagte , eine natürliche Tochter von Lucinde Schlegel . Sie hieß bei dem Gesinde die Zweiflerin , weil sie in ihrer Häßlichkeit und Welkheit daran verzweifelte , noch einen Mann zu bekommen . Wenn man sie reden hörte , so hätte man freilich glauben sollen , daß sie ein ziemlich freies Leben geführt habe , denn ihre Äußerungen klangen frech und unanständig genug . Aber der Kutscher , der auf seine Weise ein Spötter war , behauptete , er habe sie von jeher gekannt ; sie sei alle ihre Lebtage über eine garstige Person gewesen und schon deshalb von Sünde frei geblieben . Ihre Zoten seien nur wie die Krankheit der Hühner , wenn sie anfangen , zu krähen , ohne gleichwohl durch solche Stimmübungen jemals die rechte Hahnenhaftigkeit zu erringen . Wir hatten bloß ein Titularverhältnis der Küchenordnung gemäß zusammen ; ich glaube , daß wir uns kaum einmal die Hand gegeben haben . Dennoch lernte ich von ihr , was Sinnlichkeit sei , nämlich der gerade Gegensatz von allem , was die alte Zweiflerin von sich sehen und hören ließ . Nachher hat sie freilich in der Welt ausgebreitet , wir wären sehr zärtlich gewesen ; ich hätte , da mein Taufname zu prosaisch geklungen , ihr Cäsar geheißen , und was dergleichen Schnurren noch mehr sind , woran kein wahres Wort ist . Die Sinnlichkeit hatte ich also nun theoretisch kennengelernt , die Wally kam fort , und Seraphine wurde Köchin . Sie schimpfte gewaltig auf ihre Vorgängerin und sagte , in ihr erscheine das wahre echte weibliche Wesen , wovon Wally nur ein Zerrbild gewesen sei . Sie trug einen graugelben Umschlagetuch und befand sich leider auch im ehernen Zeitalter , obgleich sie aus Jung-Deutschland stammte . Es war ein sonderbares echt weibliches Wesen , dieser Seraph Seraphine ! Ich schlug aber mit ihr , oder mit einer Klappe zwei Fliegen , kriegte nämlich bei ihr zugleich den Geist und die Empfindung in der Liebe weg , hatte sonach großen Profit von ihr , denn ich sparte durch sie ein Semester . Unser Bündnis kam folgendermaßen zustande . Ich spickte just einen Hasen auf der einen Seite , und sie tat es auf der andern Seite . Da sah sie verschämt auf , warf mir einen seelenvollen Blick zu , daß sich mir das Herz im Leibe umdrehte , und fragte : Will Er mich , mit Erlaubnis zu sagen , lieben , Musje ? Ich versetzte : Ja , wenn Sie so befehlen , Jungfer Seraphine . Darauf gaben wir uns über dem Hasen einen Schmatz und spickten den Hasen , trunken von Entzücken , fertig . Wie ich sie beschrieben , so war die Form der Bundschließung in der Prälatenküche . Die Köchin mußte observanzmäßig anfangen , der Küchenjunge durfte es beileibe nicht , er hätte , wenn er sich unterstanden , zuerst den Liebesantrag zu machen , von der Geliebten die schönsten Ohrfeigen gekriegt . Die Seraphine war auf zwei Tage mit ihren Gaben eingerichtet . Den einen Tag war sie nämlich voll Geist , und den andern voll Empfindung und so immer regelmäßig einen um den andern Tag abwechselnd . Ich bekam also von ihr den Geist und die Empfindung in der Liebe . Damit war es aber folgendermaßen bestellt . Sie liebte eine Herzstärkung in der Stille zu nehmen , konnte jedoch nicht viel vertragen und wurde leicht duselig . In diesem Zustande hatte sie Geist , das heißt , sie sprach Zeug , was kein Mensch verstand . Den andern Tag hatte sie den Katzenjammer , da war sie voll Empfindung . Ich machte ihr nun alles dieses nach , um das Verhältnis im Schwunge zu erhalten . Aber unglücklicherweise war es gleich in der Anlage versehen worden . Ich hatte nämlich an dem Tage , wo sie den Katzenjammer ausstand , der Flasche zugesprochen , und war geistvoll geworden . Den folgenden Tag , wo sie wieder Geist bekam , befand ich mich im Katzenjammer und in der Empfindung , und so ging nun das Verfehlen immer fort , wir paßten nie aufeinander , mein Katzenjammer traf auf ihren Geist , und mein Geist auf ihre Empfindung . Daraus entstanden natürlich heftige Zänkereien , unter denen die Küchenangelegenheiten litten , so daß auch der Prälat sich genötigt sah , sie noch vor Ablauf ihres Semesters fortzuschicken