, wie Dich , ich wäre ja nicht zu solchem Elende herabgesunken ; hätte ich einen solchen Freund in meiner Nähe geahnet , ich würde ihn ja um Hülfe angesprochen haben und nicht in Gefahr gerathen sein , mit meinem armen Kinde zu verschmachten . Therese hatte sich nun auch einer Hand des Grafen bemächtigt , die sie mit Küssen und Thränen bedeckte . Der Graf überließ sich seiner Rührung und ihren Liebkosungen , weil er fühlte , daß man die Herzen gefühlvoller Menschen am schmerzlichsten verwundet , wenn man gleichsam zu vornehm ihren Dank gar nicht annehmen will , sondern sich unfreundlich ihrer Liebe entzieht . Die Gemüther waren endlich wieder ein wenig beruhigt worden , und man suchte sich gewaltsam zu fassen , als die Magd hereintrat , um den Tisch für die kleine Gesellschaft zu decken . Sie starrte verwundert die noch auf demselben liegenden Goldmünzen an und verließ das Zimmer augenblicklich wieder , weit bescheidener , als sie eingetreten war . Der Obrist betrachtete nachdenklich das kleine Häufchen Goldes , und ein wehmüthiges Lächeln schwebte um seinen Mund . Auch ich , sagte er nach einem augenblicklichen Stillschweigen , war einmal in der Lage , eine solche Summe weggeben zu können , und ich darf mir das Zeugniß geben , ich habe es mehr , als ein Mal , gethan ; aber dennoch muß ich gestehen , habe ich niemals das wahre Mitgefühl für meine leidenden Brüder gehabt , weil ich das gräßliche Elend , das ein Mensch erdulden kann , nicht kannte , weil ich nicht zu ahnen vermochte , von welchen Qualen eine solche Summe uns erlösen kann . Ach ! fuhr er tief seufzend fort , wenn man sein Vermögen nach und nach schwinden sieht , wenn es endlich bis auf eine solche Summe geschwunden ist , und wir trostlos einem dürftigen Alter entgegen sehen , dann glaubt man zu verzweifeln ; wenn aber auch dieser schwache Rest sich nun täglich vermindert und dadurch unsre Sorge vermehrt : wenn wir nichts mehr unser nennen , als eine solche Münze , wie glücklich dünkt uns dann der Zustand , in welchem wir noch eine solche Summe besaßen ; wenn wir nun endlich mit zagender Hand das letzte Goldstück hinreichen und es in Scheidemünze verwandeln lassen , wie ängstlich zuckt unser Herz bei jedem Stückchen Silber , um welches wir unsern kleinen Schatz verringern . Ach ! und mit welchem Gefühl geben wir die letzte , allerlezte kleine Münze hin ; es ist , als ob man von dem Leben schiede . Der Obrist bedeckte sein Gesicht und konnte die Rührung nicht beherrschen , die sich seiner von Neuem bemeisterte . Der Graf legte sanft seine Hand auf den Arm des alten Mannes und sagte mit milder , tröstender Stimme : Lassen Sie das Vergangene vergangen sein , lassen Sie uns muthig den Blick auf die Zukunft richten , die für uns Alle noch vieles Erfreuliche enthalten kann . Der Obrist antwortete nur durch einen Händedruck und trocknete schnell seine Augen , als die Magd von Neuem eintrat und noch einen Stuhl brachte , der ganz unentbehrlich war , wenn drei Personen zu Tische sitzen sollten . Der Obrist nahm das Gold von dem Tische hinweg , über den ein schlechtes Tischtuch gebreitet werden sollte , und hielt es einen Augenblick verlegen in der Hand , denn nirgends im Zimmer war etwas , worin man diese Summe hätte aufbewahren können ; lächeld steckte er sie endlich zu sich . Das ärmliche Mahl war bald geendigt , und der Graf erinnerte an die nöthige Berechnung mit dem neuen Verwalter , die er gern noch beendigt sehen wollte , ehe er sich von seinen neuen Freunden trennte . Der Obrist befahl der Magd , den Herrn Verwalter zu ihm her zu bitten , und der Graf fing , als die Magd gegangen war , diesen Auftrag auszurichten , eben an , mit dem Obristen zu verabreden , daß er ihm morgen die nöthigen Pferde und Wagen senden wolle , um ihn in seine neue Heimath hinüberzuführen , als die Magd die Thür mit einigem Ungestüm aufriß und , durch die Grobheit des Verwalters selbst wieder zur Grobheit ermuthigt , zum Zimmer hinein rief : der Herr Verwalter hat keine Zeit hieher zu kommen , er sagt , wenn Sie etwas mit ihm zu sprechen hätten , so könnten Sie eben so leicht zu ihm , als er zu Ihnen kommen . Eine glühende Röthe überflog das blasse Gesicht des Obristen , und hastig wollte er sich aus seinem Sessel erheben und der Magd folgen , die die Thüren wieder zugeworfen hatte . Der Graf aber drückte ihn sanft auf seinen Sitz zurück und sagte : Ich werde gehen und für Sie die Berechnungen mit dem Verwalter abschließen . Ein dankbarer Blick Theresens belohnte den Grafen , der das Zimmer sogleich verließ und der Tochter die Sorge überließ , den aufgeregten Vater wieder zu beruhigen . Der Graf selbst war durch die Ungezogenheit empört worden , die man sich gegen eine Familie erlaubte , die man für hülflos hielt , und benutzte den Gang in der kalten Luft , um seinen Unwillen zu unterdrücken . Er mußte nämlich , wie schon bemerkt , nachdem er die Wohnung des Obristen verlassen , zur Hinterthür hinausgehen , das ganze Haus sammt dem Hofe umkreisen , um dann durch den Haupteingang zur Wohnung des Verwalters zu gelangen . Da kein Mensch im Hause sichtbar war , so stand der Graf mit einiger Verlegenheit in einem geräumigen Vorsaal und wußte nicht , wohin er sich wenden sollte , um den unhöflichen Bewohner des Hauses aufzufinden ; endlich bestimmte ihn ein leises Geräusch , sich einer der verschiedenen Thüren zu nähern , er klopfte an diese Thür , und herein rief ihm eine tiefe Baßstimme entgegen ; der Graf öffnete und bemerkte an einem Tische sitzend zwischen dicken Tabackswolken einen Mann von ungefähr funfzig Jahren , dessen ansehnliche Breite und starker Gliederbau ihn