gestanden . Ich machte einige Schritte durch das Zimmer , während der Graf , nach seiner Art lächelnd , sitzen blieb und mir einige begütigende Worte zurief . Es war im Zimmer ein seltsamer starker Duft , wie von abgebranntem Räucherwerk , der mich noch mehr drückte , so daß ich das Fenster aufriß . Die Tante war nirgend zu sehn und zu hören . Draußen auf der nächtlichen Straße lag ein beneidenswerther , ungetrübter Friede , und kaum ging mehr ein Mensch vorüber , kaum ließ sich noch ein Geräusch vernehmen . Was soll das Alles ? fragte ich endlich mit ermuthigter Stimme , und wandte mich wieder zu dem Grafen ins Zimmer zurück . Indem er mich von neuem an sich zu ziehen suchte , sagte er , heut sei die schöne Feier unseres Bündnisses . Er nannte mich ein wunderliches Kind , und fragte , warum ich mich so fürchte . Ich sei jetzt zu einer holden Braut herangewachsen . Jede Blüthe habe ihren Augenblick , wo sie sich plötzlich wie auf sich selbst besinne , daß sie Blüthe geworden sei . Von diesem Augenblick an beginne ihr der Genuß ihres Seins . Heut sei dieser Augenblick . Nein ! Nein ! rief ich aus allen Kräften , und wand mich gewaltsam aus seinen Armen . Nein ! Nein ! schrie ich , daß die Wände erdröhnten , daß mir das Herz im Busen fast sprang . Er hielt meine beiden Hände fest , und hob sie an seinen Mund empor . Er küßte sie lange , und ich fühlte durch meine Finger das elektrische Feuer seiner Lippen rieseln . Ich zog sie , als hätte ich sie an einer Flamme versengt , zurück , und verhüllte mir damit in tiefster Scham die Augen . Ich weinte . Er trat vor mich hin , und umfaßte mich so unwiderstehlich , daß ich glaubte , er habe ein Netz über meine Glieder geworfen . Er war sanft und stark , mild und gewaltig zugleich , wie er mich umschlungen hielt , und ich wagte mich nicht zu regen . Ich hörte auf zu weinen , und sah ihn mit stillen ruhigen Augen an . Seine Blicke begegneten den meinigen so nahe , daß sie mich wie verzehrende Blitze trafen . Doch ich hielt seine Blicke aus , ich erwiederte sie immer noch mit stillen ruhigen Augen . In diesem Moment erfuhr ich zuerst in mir , daß es eine Macht des Mannes gebe , die unserer Natur weit überlegen sei . Er kam mir schön vor in der Glorie des Mannes , wie noch nie , und ich dachte , daß mich nichts mehr retten könne , als Bitten . Da beschloß ich , ihn unendlich zu bitten , und flüsterte ihm viele , gute , flehende , schmeichelnde Worte ins Ohr , daß er mich nur eine einzige Minute lang freilassen möchte . Ich könne nicht mehr athmen . Nur eine einzige Minute lang . Er ließ mich los , und ich seufzte laut auf , als ich von ihm floh . Ich eilte zur Thür , ergriff die Klinke , und fand sie verschlossen . Ich ging auf und ab , und empfand jetzt erst , daß eine unbeschreibliche Angst in meinem Herzen poche . Da fielen meine Augen auf ein Klavier , das , an der Wand stehend , noch nicht von mir bemerkt worden war . Es war ohne Zweifel ein neues Geschenk von ihm , die Tasten standen offen , ein Musikblatt lag auf dem Notenpult . In meiner Verwirrung war ich davor stehen geblieben , und griff , wie in krampfhafter Betäubung , einige Töne auf dem klangreichen Instrument . Dann schrie ich entsetzt auf , als hätte ich etwas Unrechtes begangen . Bravo ! Bravo ! rief eine Stimme hinter mir . Ich sah mich um , es war der Graf . Er hatte einen vollgeschenkten Becher in der Hand , der schäumende Wein perlte und duftete mir daraus entgegen . Er hielt mir den Becher mit freundlichem Wort an die Lippen , und ich ließ Alles mit mir geschehen , ich sog in langen durstigen Zügen die stärkende Labung tief in mich hinein , als könne mir das helfen . Er freute sich , und küßte mir dabei die Stirn , während ich trank . Nun glaubte er meinen ganzen Starrsinn überwunden und führte mich in sanfter Umschlingung wieder zum Kanapee . Ich aber fühlte plötzlich einen neuen glühenden Muth in mir gewachsen , und dachte , daß es jetzt nur auf mich ankäme , ihn zu brauchen , und anzuwenden alle Stärke meines Willens . Er zog mich auf seinen Schooß nieder , und legte mit schmeichelnder Bewegung meinen Kopf auf seine Schulter . Das Tuch war mir vom Nacken geglitten , ich empfand selbst , wie heiß ich war , und fragte nicht danach . Ich lag mit dem Kopf auf seiner Schulter , und dachte über etwas nach , ich weiß selbst nicht , über was . Ich fühlte sein Herz hörbar an mir schlagen , und es kam mir der Gedanke ein , daß wir beide nie zusammengehörten . Weil ich ihm jetzt so nahe war , empfand ich die ungeheuere Trennung zwischen uns um so überzeugender , um so schneidender . Jetzt erst , auf seinem Schooß , wo er mich ganz gewonnen zu haben meinte , sah ich es deutlich ein , wie fern ich ihm war . Fern , fern , ewig fern , und weit auseinander . Sein dicht an meiner Wange gehender Athem fing mir an abscheulich zu werden . In meiner auf- und niederwogenden Brust regte es sich wie ein großer heldenmüthiger Haß . Ich richtete mich langsam von ihm auf , und sah ihn an . Er hatte meine Busenschleife ergriffen , und zog sie auf , sodaß mir das Gewand voneinanderschlug . Ich dachte an Lucretias Dolch , wie er ihren schneeweißen Busen durchschnitten , ich faßte mich