Kirche bestimmt , in ihr Friedenskleid gehüllt , wird auf offener Straße ein faustfertiger Klopffechter , des Pöbels Widerpart ! Um einen Ketzer zu vertheidigen , schlägt er einen Christen zu Boden ! Das kann nur ein Deutscher thun , der ein gewaltig zahmes Herz lügt , und , dieß seinem Gegner zu beweisen , demselben kaltblütig eine Handvoll Haare , ein halbes Dutzend Zähne oder ein Auge ausreißt . Schäme Dich , bereue , und bitte sogedachte Frevel dem Herrn der Heerscharen ab . Noch einmal ein Wort für den Ketzer verloren , - noch einmal zu seinen Gunsten die Faust gezückt , und ich ziehe meine Hand von Dir ab . - Keine Einwendung ! Ich weiß wohl , daß Ihr in Deutschland selbst im Chorrock das grobe bäurische Wesen nicht ablegt , das Ihr adelich Thun nennt ; daß Eure Bischöfe und Stiftsherren sogar zu Gaule steigen , und Eure Thurneien und Ringelrennen mitmachen , als wüßten sie nichts anders zu treiben , als solche sündliche Lustbarkeiten . An Dir jedoch will ich dieß Unheil nicht erleben . Bereue demnach , und begib Dich in Demuth hinweg , um Dich vorzubereiten auf den Besuch , denn Du Morgen bei Sr. Eminenz dem Erzbischof von Ravenna ablegen wirst . Ich tafle heute bei dem hochwürdigsten Herrn , und will den gerechten Zorn , den er gegen Dich empfindet , welchen ich bereits seiner Gunst empfohlen , in die gewohnte Milde umzustimmen suchen . Doch thue ich dieses nur dieß Erste- und Einzigemal ; wohl zu merken . Entferne Dich ! - « Dagobert nahm die Predigt stillschweigend hin , verließ ebenso das Gemach , und wurde von Fiorillen , die seiner auf dem Vorplatze wartete , unter Bedeutung der völligsten Heimlichkeit in ihre Stube gewiesen . - » Monsignore hält seinen Imbiß heute auswärts ; « flüsterte ihm die Schlaue zu : » bleibt bei mir zu Gaste , und rührt Euch nicht , bis der Ohm von dannen ging . « - Dagobert ließ das Mädchen lächelnd gewähren , und verschmähte die leckre Kost an dessen Seite nicht . Nach einer langweiligen Stunde verließ der Oheim das Haus , und Fiorilla rüstete die Tafel mit ausgesuchter Zierlichkeit . Die Speisen wurden durch sie selbst heraufgeschafft , der umherlauernde Diener mit einem Trinkgeld vergnügt , und in ' s Weinhaus gesandt ; die Thüre verschlossen , und Base und Vetter setzten sich in friedlicher Einsamkeit zu dem Mahle , geschmückt von den Kränzen der Ceres und des Bacchus . Fiorilla hätte nicht ungerne den kleinen heidnischen Gott , der gewöhnlich die Dreizahl voll macht , mit in die Gesellschaft gezogen . Aber umsonst . So freundlich ihre Worte und Geberden den kleinen Schalk einluden , so blieb er doch aus ; er scheute sich vor Dagobert ' s Unempfindlichkeit , die , im Anbeginn unter der gleißenden Larve des unbefangensten Frohsinns verborgen , gegen Ende der Mahlzeit in ein nachdenkliches Schweigen überging . - Fiorilla ' s Spott rüttelte ihn aus demselben . » Da plaudre ich nun , und plaudre mir die Zunge lahm , « rief sie schäckernd : » und Ihr sitzt da , wie aus Holz geschnitzt . Bekennt , was Euch so fühllos gegen die Rede einer jungen muntern Dirne macht , die Euch für ihr Leben gern gefallen möchte . Was ist ' s , das Eure Lustigkeit dergestalt herabstimmen konnte ? « Ist ' s die Bußpredigt Eures Ohms , so schlagt sie Euch kühn aus dem Sinn . Er ist auch kein Heiliger . Ist ' s die Erinnerung an ein verlassenes Liebchen , so vertraut Euren Kummer meiner uneigennützigen Freundschaft . Oder wäre es vielleicht die Bewerbung um meines Herzens Gunst , die Euch auf der Zunge sitzt , und muthlos , nicht sich auszusprechen wagt ... ? nur keck heraus damit . Wer weiß , sagte ich : » Nein « darauf . Dagobert , ohne einen Augenblick in Verlegenheit zu gerathen , sprach nach kurzem Besinnen : » Lieb Bäschen ! des Oheims Donnerworte sind mir schon nicht mehr im Gedächtniß « , bekümmern mich folglich keineswegs . Ich hörte , so zu sagen , eigentlich gar nicht auf sie . Eben so wenig denke ich um Eure Gunst zu freien . Soviel ich deren bedarf , um in Euch die uneigennützige Freundin zu schätzen , habt Ihr mir bereits zugewendet . Ein Mehreres verbietet mir mein Stand und die Liebe für den Ohm zu begehren . Auch denkt Ihr nicht daran . Daher darf ich Euch frank und frei vertrauen , daß Euer Scharfsinn den rechten Zweck getroffen , indem Ihr von einem verlassenen Lieb spracht , und von dem Gedächtniß an dasselbe . » Wenn Ihr ' s erlaubt , und nicht dem Oheim , mindesten nicht mit ärgerlichen Zusätzen , das Gesagte wieder sagen wollt , so möchte ich wohl meinem Herzen Luft machen durch ein frei Bekenntniß , auf die Gefahr hin , von Euch gescholten oder ausgelacht zu werden , denn die Historie meiner Liebe ist nicht die gewöhnlichste . « - So schnell , auch die ersten Worte Dagoberts Fiorillens Antlitz mit Unmuth beschattet hatten , so schnell erheiterte dasselbe des Mädchens natürliche Herzensgüte , und die dem Geschlechte eigene Neugier und Theilnahme an Sachen der Minne . » Sprecht ! « versetzte sie : » Freundschaft gelobe ich Euch , und Bewahrung Euers Vertrauens . Nicht dem Schilf am See , nicht dem verschwiegenen Ofen will ich gestehen , was ich von Euch erfahren soll , sey es eine Wahrheit oder gefällige Lüge ! « - » Keine Lüge , Mühmlein von Cesena ; « versicherte Dagobert , » die lautere Wahrheit hingegen . Hört aufmerksam zu . Es mögen ungefähr zwei Jahre verflossen seyn - nein ; zu nächsten Frühling werden es zwei Jahre ; da gab der Rath unserer Stadt ein großes Kampfspiel auf dem Römerberg , zu dem alle gute und ebenbürtige Leute aus Stadt und Gegend