Jagen ? das könnt Ihr anderswo ebensogut ; Langeweile haben ? die kauft Ihr allerorten wohlfeil ; kurz und gut , Junker « , setzte er gutmütig lächelnd hinzu , » ich rate Euch , wendet Euer Roß und reitet so ein paar Tage mit mir in Württemberg umher ; der Krieg ist ja so gut als beendigt ; man kann ganz ungehindert reisen . « » Ich habe dem Bund mein Wort gegeben , in vierzehn Tagen nicht gegen ihn zu fechten ; wie kann ich also nach Württemberg gehen ? « » Heißt denn das gegen ihn fechten , wenn Ihr ruhig Eure Straße ziehet ? So also , vierzehn Tage lang , in vierzehn Tagen glauben sie den Krieg vollendet ? Wird noch mancher nach vierzehn Tagen den Kopf verstoßen an den Mauern von Tübingen . Kommt mit , es ist ja nicht gegen Euren Eid ! « » Und was soll ich in Württemberg « , rief Georg schmerzlich , » soll ich recht in der Nähe sehen , wie meine Kriegsgesellen bei Eroberung der Festen sich Ruhm erwerben ? Soll ich den Bundesfahnen , denen ich auf ewig Lebewohl gesagt und den Rücken gekehrt , noch einmal begegnen ? Nein ! nach Franken will ich ziehen , in meine Heimat « , sagte er düster , indem er die umwölkte Stirn in die Hand stützte , » in meine alte Mauern will ich mich begraben , und träumen , wie ich hätte glücklich sein können ! « » Das ist ein schöner Entschluß für einen jungen Mann von Euerm Schrot und Korn ! Habt Ihr denn in Württemberg gar nichts zu tun , als des armen Herzogs Burgen zu stürmen ? Nun , reitet immerhin « , fuhr er fort , indem er den Jüngling mit listigem Lächeln anblickte , » versucht einmal , ob der Lichtenstein nicht im Sturm genommen werden könne ? « Der junge Mann errötete bis in die Stirne hinauf , » wie magst du nur jetzt deinen Scherz treiben « , sagte er , halb in Unmut , halb lächelnd , » wie magst du mit meinem Unglück spaßen ? « » Fällt mir nicht ein , Scherz mit meinem gnädigen Junker zu treiben « , antwortete sein Gefährte ; » es ist mein voller Ernst , daß ich Euch bereden möchte , dorthin zu ziehen . « » Und was dort tun ? « » Nun ! den alten Herrn für Euch gewinnen , und die Tränen des bleichen Fräuleins stillen , das wegen Euch Tag und Nacht weint ! « » Und wie soll ich auf den Lichtenstein kommen ? der Vater kennt mich nicht , wie soll ich mit ihm bekannt werden ? « » Seid Ihr der erste Rittersmann , der nach Sitte der Väter eine freie Zehrung in einem Schloß fordert ? Lasset nur mich dafür sorgen , so sollt Ihr bald auf den Lichtenstein kommen ! « Der Jüngling sann lange Zeit nach , er erwog alle Gründe für und wider , er bedachte , ob es nicht gegen seine Ehre sei , statt vom Schauplatz des Krieges sich zu entfernen , in eine Gegend zu reisen , wohin sich der Krieg notwendig ziehen mußte . Doch als er bedachte , wie mild die Bundesobersten selbst seinen Abfall angesehen hatten , wie sie sogar im Fall seines völligen Übertrittes zum Feinde nur vierzehn Tage Frist angesetzt hatten , als ihm Mariens trauernde Miene , ihre stille Sehnsucht auf ihrem einsamen Lichtenstein vorschwebte , da neigte sich die Schale nach Württemberg . » Noch einmal will ich sie sehen , nur noch einmal sie sprechen « , dachte er . - » Nun wohlan « , rief er endlich , » wenn du mir versprichst , daß nie davon die Rede sein soll , mich an die Württemberger anzuschließen ; daß ich nicht als Anhänger eures Herzogs , sondern als Gast in Lichtenstein behandelt werde , wenn du dies versprichst , so will ich folgen . « » Für mich kann ich dies wohl versprechen « , antwortete der Bauer , » aber wie kann ich etwas geloben für den Ritter von Lichtenstein ? « » Ich weiß , wie du mit ihm stehst , und daß du oft zu ihm nach Ulm kamst und er sein Vertrauen in dich setzt ; so gut du ihm geheime Botschaft aller Art bringen konntest , nicht minder kannst du ihm auch dies beibringen ! « Der Pfeifer von Hardt sah den jungen Mann lange staunend an : » Woher wißt Ihr dies ? « rief er , » doch - die , welche mich verfolgten , können auch dies gesagt haben . Nun gut , ich verspreche Euch , daß Ihr überall so angesehen sein sollt , als Ihr wollet ; besteiget Euer Roß , ich will Euch führen , und Ihr sollt willkommen sein auf Lichtenstein ! « XIII Da spricht der arme Hirte : » Des mag noch werden Rat , Ich weiß geheime Wege , die noch kein Mensch betrat , Kein Mensch mag sie ersteigen , nur Geißen klettern dort , Wollt Ihr sogleich mir folgen , ich bring Euch sicher fort . « L. Uhland Von jenem Bergrücken , wo Georg den Entschluß gefaßt hatte , seinem geheimnisvollen Führer zu folgen , gab es zwei Wege in die Gegend von Reutlingen , wo Mariens Bergschloß , der Lichtenstein , lag . Der eine war die offene Heerstraße , welche von Ulm nach Tübingen führt . Sie führte durch das schöne Blautal , bis man bei Blaubeuren wieder an den Fuß der Alb kam , von da quer über dieses Gebirge , vorbei an der Feste Hohen-Urach , gegen Sankt Johann und Pfullingen hin . Dieser Weg war sonst für Reisende , die Pferde , Sänften oder Wagen mit sich führten , der bequemere . In jenen Tagen aber , wo Georg mit dem Pfeifer von Hardt über das Gebirge zog , war