Verhalten zur unabläßlichen Bedingung . So war denn um so weniger an meine Rückkehr in das Haus meines Vaters zu denken , da obendrein die Herzogin sehr ernstlich darauf bestand , mich unter ihren Augen verpflegen zu lassen . Ein leichtes Erkältungsfieber , welches Prinzessin Mathilde von unserem nächtlichen Abentheuer davon getragen , zwang ohnehin die Herzogin , ihren hiesigen Aufenthalt auf unbestimmte Zeit zu verlängern , besonders da auch ihre eigne Gesundheit von der heftigen Gemüthsbewegung jenes Abends gelitten hatte . Sie fühlte sich matt und erschöpft , oder brauchte dies auch vielleicht nur zum Vorwande , um allen anderweitigen Festen auszuweichen , die man ihretwegen noch anordnen wollte . Auch meine eigne Genesung machte weit langsamere Fortschritte , als der Arzt anfangs gehofft hatte ; so blieb ich denn zwei volle Wochen hindurch in der Nähe der Herzogin , und diese Zeit ward zu einem Lichtpunct in meinem Leben , dessen Abglanz noch jezt das Dunkel meiner alten Tage erhellt . Wie durch einen Zauberschlag sah ich mich in eine , mir ganz neue Existenz versezt , alle meine Begriffe von mir und vom Leben erhielten eine andere Richtung , alles , was mich bis dahin theils ergözt , theils geblendet hatte , war , für den Moment wenigstens , wie vor meinen Augen verschwunden . Ohnerachtet der herablassenden Güte der Fürstin , fühlte ich mich doch in jeder Hinsicht ihr viel zu untergeordnet , als daß es mir hätte einfallen können , meine gewöhnliche glänzende Rolle in ihrem Beisein fortspielen zu wollen . Auch die ernste stille , beinahe furchtsame Bescheidenheit der ältern Prinzessin Ludovika , die nur wenige Jahre jünger als ich war , flößte mir eine Zurückhaltung ein , die ich sonst nicht kannte . Nicht etwa , daß ich ein verstelltes Betragen angenommen hätte , um in diesen Umgebungen anders zu erscheinen wie ich war , nein ! ich blieb offen und unverstellt wie immer , aus Charakter , nicht aus Tugend ; aber ich folgte nur meiner gewohnten Art , mich vom Augenblicke und von meinen Umgebungen hinreissen zu lassen . Mit der kleinen Mathilde , die leidenschaftlich an mir hieng , ward ich eben sowohl zum spielenden jauchzenden Kinde , als ich in Gegenwart der Herzogin und der Prinzessin Ludovika mir die bescheidne Haltung und das anspruchslose Betragen aneignete , durch welches diese Damen sich auszeichneten . Kein einziger meiner Verehrer hätte in dieser Umwandlung mich als Die wieder erkannt , die ich noch am Morgen vor dem Feuerwerke war , und doch bin ich überzeugt , nie wahrhaft liebenswürdiger gewesen zu sein , als während meines Aufenthalts in diesem Hause . Ich fühlte das wohl und freute mich darüber , aber ich war leider noch nicht klug genug , um mir daraus für mein künftiges Leben eine Lehre zu nehmen . Das Reisegefolge der Herzogin war so klein als der hohe Rang dieser Fürstin es nur immer erlauben mochte . Ausser dem , zur Bedienung nothwendigen Personal , bestand es nur aus einer Hofdame , die mit der Herzogin von Jugend auf zusammen gelebt hatte , aus der Hofmeisterin der Prinzessinnen , einem Kavalier und dem Leibarzte . Ersterer , Baron Reineck , ein Mann von mittlerem Alter , langte erst am Morgen nach dem Feuerwerke bei seiner Fürstin an . Ein ganz unerwarteter Zufall hatte ihm unterwegs eine geliebte , seit vielen Jahren nicht gesehene Schwester entgegen geführt , und die Herzogin erlaubte ihm gern , ein paar Tage mit dieser zuzubringen , um so eher , da Herr von Leuen , den sie zufällig an dem nehmlichen Orte traf , sich erbot , den Dienst seines Freundes Reineck während dessen Abwesenheit zu versehen . Diesen jungen Mann führte sein Weg ohnehin dem nehmlichen Ziele zu , da er Geschäfte halber einige Zeit in unsrer Stadt zu verweilen gedachte ; die Fürstin hatte ihn schon während des vergangenen Winters , den er zum Theil in ihrer Residenz verlebte , als einen sehr angenehmen Gesellschafter kennen gelernt , und sie war mit der Aussicht , ihn einige Tage zum Begleiter zu haben , vollkommen zufrieden . Auch jezt nach der Rückkehr des Barons Reineck erlaubte sie ihm nicht , eine andere Wohnung als die ihrige zu beziehen , und er mußte , ihrer Einladung zufolge , nach wie vor , zu den unsrigen gehören . Ich darf mich dieses Ausdrucks wohl bedienen , denn auch ich ward in jener glücklichen Zeit dem kleinen Kreise der Herzogin zugezählt . Wir alle , die wir zu diesem gehörten , versammelten uns jeden Abend im Zimmer der Fürstin , das um diese Zeit unter dem Vorwande des Unwohlseins der kleinen Prinzessin Mathilde , allen andern Besuchen verschlossen blieb . Welche Abende waren das ! Wie ungeduldig erwartete ich jedesmal die Stunde , wo die Herzogin von der Tafel zurückkam , zu der sie täglich einige der Ersten der Stadt einladen lies . Mit welcher Freude sah ich jedesmal die beiden himmellangen Heiducken in ihrer damals üblichen theatralisch-bunten Tracht in meinem Zimmer erscheinen , um mich in meinem Ruhebette zu ihrer Herrin herüber zu tragen . Die feinste Sitte war in diesem kleinen Abendzirkel vorherrschend , und dennoch blieb aller Zwang , jede von den Grossen dieser Erde sonst unzertrennlich geglaubte Etikette daraus verbannt . Es war der schönste Kommentar zu Tasso ' s freilich damals noch nicht niedergeschriebenem Ausspruch : Willst Du genau erfahren , was sich ziemt , so frage nur bei edlen Frauen an . Jeder von uns trug nach seiner Weise durch Scherz und Ernst , durch Kunst und Talent zur Unterhaltung bei , die Herzogin selbst aber schwebte über dem Ganzen gleich einem milden , alles belebenden Genius . Nie , weder früher noch später , sah ich eine Frau , die mit so anspruchsloser Grazie das Gespräch stets so zu lenken wußte , daß Alle Freude daran hatten ; nie sah ich eine , welche die schwere Kunst zuzuhören so verstanden hätte , wie sie . Sie war die