schrieb er dort folgende Verse in seine Schreibtafel : » O Täler weit , o Höhen , O schöner , grüner Wald , Du meiner Lust und Wehen Andächt ' ger Aufenthalt ! Da draußen , stets betrogen , Saust die geschäft ' ge Welt , Schlag noch einmal die Bogen Um mich , du grünes Zelt ! Wann es beginnt zu tagen , Die Erde dampft und blinkt , Die Vögel lustig schlagen , Daß dir dein Herz erklingt : Da mag vergehn , verwehen Das trübe Erdenleid , Da sollst du auferstehen In junger Herrlichkeit . Da steht im Wald geschrieben Ein stilles , ernstes Wort , Vom rechten Tun und Lieben , Und was des Menschen Hort . Ich habe treu gelesen Die Worte , schlicht und wahr , Und durch mein ganzes Wesen Ward ' s unaussprechlich klar . Bald werd ich dich verlassen , Fremd in der Fremde gehn , Auf buntbewegten Gassen Des Lebens Schauspiel sehn , Und mitten in dem Leben Wird deines Ernsts Gewalt , Mich Einsamen erheben , So wird mein Herz nicht alt . « Als der junge Tag sich aus den Morgenwolken hervorgearbeitet hatte , war Friedrich schon draußen zu Pferde . Julie winkte noch weit mit ihrem weißen Tuche aus dem Fenster nach . Zweites Buch Elftes Kapitel Es war schon Abend , als Friedrich in der Residenz ankam . Er war sehr schnell geritten , so daß Erwin fast nicht mehr nach konnte . Je einsamer draußen der Kreis der Felder ins Dunkel versank , je höher nach und nach die Türme der Stadt , wie Riesen , sich aus der Finsternis aufrichteten , desto lichter war es in seiner Seele geworden vor Freude und Erwartung . Er stieg im Wirtshause ab und eilte sogleich zu Rosas Wohnung . Wie schlug sein Herz , als er durch die dunklen Straßen schritt , als er endlich die hellbeleuchtete Treppe in ihrem Hause hinaufstieg . Er mochte keinen Bedienten fragen , er öffnete hastig die erste Tür . Das große , getäfelte Zimmer war leer , nur im Hintergrunde saß eine weibliche Gestalt in vornehmer Kleidung . Er glaubte sich verirrt zu haben und wollte sich entschuldigen . Aber das Mädchen vom Fenster kam sogleich auf ihn zu , führte sich selbst als Rosas Kammermädchen auf und versicherte sehr gleichgültig , die Gräfin sei auf den Maskenball gefahren . Diese Nachricht fiel wie ein Maifrost in seine Lust . Es war ihm vor Freude gar nicht eingefallen , daß er sie verfehlen könnte , und er hatte beinahe Lust zu zürnen , daß sie ihn nicht zu Hause erwartet habe . » Wo ist denn die kleine Marie ? « fragte er nach einer Weile wieder : » Oh , die ist lange aus den Diensten der Gräfin « , sagte das Mädchen mit gerümpftem Näschen und betrachtete ihn von oben bis unten mit einer schnippischen Miene . Friedrich glaubte , es gälte seiner staubigen Reisekleidung ; alles ärgerte ihn , er ließ den Affen stehn und ging , ohne seinen Namen zu hinterlassen , wieder fort . Verdrüßlich nahm er den Weg zu den Redoutensälen . Die Musik schallte lockend aus den hohen Bogenfenstern , die ihre Scheine weit unten über den einsamen Platz warfen . Ein alter Springbrunnen stand in der Mitte des Platzes , über den nur noch einzelne dunkle Gestalten hin und her irrten . Friedrich blieb lange an dem Brunnen stehen , der seltsam zwischen den Tönen von oben fortrauschte . Aber ein Polizeidiener , der , in seinen Mantel gehüllt , an der Ecke lauerte , verjagte ihn endlich durch die Aufmerksamkeit , mit der er ihn zu beobachten schien . Er ging ins Haus hinein , versah sich mit einem Domino und einer Larve , und hoffte seine Rosa noch heute in dem Getümmel herauszufinden . Geblendet trat er aus der stillen Nacht in den plötzlichen Schwall von Tönen , Lichtern und Stimmen , der wie ein Zaubermeer mit rastlos beweglichen , klingenden Wogen über ihm zusammenschlug . Zwei große , hohe Säle , nur leicht voneinander geschieden , eröffneten die unermeßlichste Aussicht . Er stellte sich in das Bogentor zwischen beide , wo die doppelten Musikchöre aus beiden Sälen verworren ineinanderklangen . Zu beiden Seiten toste der seltsame , lustige Markt , fröhliche , reizende und ernste Bilder des Lebens zogen wechselnd vorüber , Girlanden von Lampen schmückten die Wände , unzählige Spiegel dazwischen spielten das Leben ins Unendliche , so daß man die Gestalten mit ihrem Widerspiel verwechselte , und das Auge verwirrt in der grenzenlosen Ferne dieser Aussicht sich verlor . Ihn schauderte mitten unter diesen Larven . Er stürzte sich selber mit in das Gewimmel , wo es am dichtesten war . Gewöhnliches Volk , Charaktermasken ohne Charakter vertraten auch hier , wie draußen im Leben , überall den Weg : gespreizte Spanier , papierne Ritter , Taminos , die über ihre Flöte stolperten , hin und wieder ein behender Harlekin , der sich durch die unbehülflichen Züge hindurchwand und nach allen Seiten peitschte . Eine höchst seltsame Maske zog indes seine Aufmerksamkeit auf sich . Es war ein Ritter in schwarzer , altdeutscher Tracht , die so genau und streng gehalten war , daß man glaubte , irgendein altes Bild sei aus seinem Rahmen ins Leben hinausgetreten . Die Gestalt war hoch und schlank , sein Wams reich mit Gold , der Hut mit hohen Federn geschmückt , die ganze Pracht doch so uralt , fremd und fast gespenstisch , daß jedem unheimlich zumute ward , an dem er vorüberstreifte . Er war übrigens galant und wußte zu leben . Friedrich sah ihn fast mit allen Schönen buhlen . Doch alle machten sich gleich nach den ersten Worten schnell wieder von ihm los , denn unter den Spitzen der Ritterärmel langten die Knochenhände eines Totengerippes hervor . Friedrich wollte eben den sonderbaren Gast weiter verfolgen , als sich die Bahn mit einem Janhagel junger Männer verstopfte ,